In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) droht 2027 abermals eine Finanzlücke. Und zwar von bis zu satten 12 Milliarden Euro. Das zeigt eine neue Projektion des Berliner Iges Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit. Die Folge: Im kommenden Jahr könnte erneut ein höherer Zusatzbeitrag anfallen – für Versicherte und Arbeitgeber in Höhe von 0,6 Punkten.
Wenn es so weiter geht, könnten bis 2035 alle Sozialversicherungssysteme die Bürger teuer zu stehen kommen. „Die Iges-Analyse zeigt, dass die Gesamtbelastung in der Sozialversicherung bis 2035 auf die Marke von 50 Prozent steigen könnte“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Diese dramatische Entwicklung sollte für alle Beteiligten ein letzter Warnschuss sein, um schnell und mutig die notwendigen Reformen anzugehen“.
Die Krankenkasse schlägt einen 3-stufigen-GKV-Stabilitätspakt vor, der wie folgt aussieht:
#1 Einnahmenorientierte Ausgabenpolitik
Die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen nur noch im Einklang mit den Einnahmen. Für das Jahr 2027 entsteht ein Kompensationsbedarf von rund 6,8 Milliarden Euro.
#2 Ordnungspolitisch gebotene Finanzierung der GKV-Leistungen
Im ersten Schritt soll der Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel und Hilfsmittel für alle Krankenversicherungsleistungen auf 7 Prozent abgesenkt werden. Die DAK-Gesundheit schlägt zur Kompensation die Erhöhung der Verbrauchssteuern auf Tabak und Alkohol vor.
In weiteren Schritten sollte ab 2028 ein kostendeckender Ersatz der Ausgaben für Bürgergeld-Beziehende durch den Bund an die gesetzlichen Krankenkassen erfolgen. Zusätzlich sollte der Bundeszuschuss für die gesetzliche Krankenversicherung dynamisiert werden.
#3 Struktur- und Versorgungsreformen
Während Punkt 1 und 2 eher kurzfristige Entlastung bringen, sollen umfassende Struktur- und Versorgungsreformen langfristig Abhilfe schaffen. Dazu gehören Reformen wir die des Primärversorgungssystems, die Notfallreform oder die Krankenhausreform.