Gesundheitsvorsorge

So nutzen PKV-Vermittler die Digitalisierung

Die privaten Krankenversicherer unterstützen zunehmend gesundheitsförderndes Verhalten ihrer Kunden. Die fortschreitende Digitalisierung hilft dabei. Was Makler und Vermittler von diesem Trend halten, haben wir in einer Umfrage ermittelt.
© picture alliance/Marius Becker/dpa
Die Telemedizin bietet den privaten Krankenversicherungen ein enormes Potenzial, um Kunden digitale Zusatzservices anzubieten.

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts – das ist wohl eines der bekanntesten Zitate des Philosophen Arthur Schopenhauer. Das erkennen auch immer mehr Menschen. Sie treiben Sport, ernähren sich gesünder, wollen rauchfrei leben und suchen einen Ausgleich zum stressigen Alltag.

Zukunftsforscher sprechen hier vom Megatrend Gesundheit. Die Experten des Frankfurter Zukunftsinstituts etwa erwarten, dass über eine „aktive Selbstoptimierung das neue Ziel ­einer Gesamtgesundheit anvisiert wird“. Es geht dabei vordergründig um die Antwort auf die Frage, woher der Mensch künftig die Energie nehmen wird, um nicht „dauergestresst und grunderschöpft durchs Leben zu gehen“. Und wie er die dazugewonnenen Jahre einer längeren Lebenserwartung möglichst gesund verbringen kann.

Hilfreich dabei ist, so die Wissenschaftler des Zukunftsinstituts, dass die „digitale Vernetzung neue Möglichkeiten der Kommunikation sowohl von Patienten untereinander als auch zwischen Arzt und Patient“ schafft. Insbesondere in Gebieten auf der Erde, in denen die medizinische Versorgung nicht flächendeckend gegeben, aber das Mobilfunknetz gut ausgebaut ist, gewinnt die mobile Gesundheit zunehmend an Bedeutung.

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Mobile Gesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung

Hierzulande äußert sich die Entwicklung der Mobilität im Gesundheitswesen vor allem in den zahlreichen Apps, die verfügbar sind. Im Mai 2019 präsentierte der Digitalverband Bitkom eine Studie zum Thema „Digital Health“. Demnach nutzen zwei von drei Smartphone-Besitzern Gesundheits-Apps. Tracking- und Erinnerungs-Apps liegen bei den Nutzern vorn. Knapp jeder dritte Befragte gibt zudem an, durch eine Gesundheits-App sein Gewicht reduziert zu haben. Fast die Hälfte (46 Prozent) ­sagen, sie bewegen sich mehr, seit sie eine App einsetzen.

In Sachen Digitalisierung der Krankenver­sicherung sind sich die Deutschen relativ einig. Denn knapp zwei Drittel (65 Prozent) wünschen sich eine digitale Patientenakte. Fast jeder (98 Prozent) möchte sie für den Impfstatus nutzen. Aber auch einen Wechselwirkungscheck des Medikationsplans halten 91 Prozent für wichtig. Ebenfalls 91 Prozent möchten ihre Diagnosen dort zusammengetragen wissen.

Gesundheitsbewusstsein der Kunden ändert sich

Versicherungsunternehmen, insbesondere diejenigen, die sich auf den Krankenversicherungsschutz spezialisiert haben, erkennen das veränderte Gesundheitsbewusstsein ihrer Versicherten. Vor allem die Bemühungen, durch ­einen gesunden Lebensstil Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wie genau das vor allem bei den ­Krankenversicherern geschieht und wie der Versicherungsvertrieb sich selbst in diesem Umfeld positioniert, haben wir in einer Online-Umfrage ermittelt. 185 Pfefferminzia-Leser nahmen sich die Zeit und beantworteten die Fragen.

Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass für rund die Hälfte der Teilnehmer (48 Prozent) gesundheitsfördernde Maßnahmen ein Anreiz sind, eine private Krankenversicherung zu vermitteln. Für 52 Prozent dagegen spielen diese Angebote keine Rolle (siehe Grafi).

Von denjenigen, für die das Thema in der Vermittlung relevant ist, sprechen sich 70 Prozent für Maßnahmen wie Rückenkurse oder eine Gesundheits-App aus. Weitere 18 Prozent halten Fitness-Armbänder für ein gutes Mittel, um ein gesundheitsbewussteres Verhalten der Kunden zu motivieren. Aber auch eine Beitragsrückerstattung, die Kostenübernahme für ein Fitness-Studio oder individuelle Gutscheine nennen die Umfrage-Teilnehmer als Möglichkeiten, Maßnahmen zur Gesunderhaltung zu belohnen.

Grundsätzlich beurteilen 69 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Versicherungsangebote als gut, die gesundheitsförderndes Verhalten der Versicherten belohnen. Jeweils 15 Prozent halten davon nichts, weil dies dem Versichertenkollektiv schadet oder weil sie Bedenken wegen des Datenschutzes hegen.

42 Prozent der Pfefferminzia-Leser wünschen sich vom Versicherungsunternehmen Unterstützung bei der Sensibilisierung der Kunden für die Gesundheitsprävention. 38 Prozent meinen, der Kunde müsse allein entscheiden, wie er mit seiner Gesundheit umgeht. Jeder Fünfte findet, das müsse grundsätzlich von anderen Stellen übernommen werden.

Diese Unterstützung benötigen Vermittler für Ihre Arbeit

Die Politik sollte hier nach Ansicht von rund zwei Dritteln (64 Prozent) aktiv werden. Die Förderung einer gesunden Ernährung, beispielsweise durch eine Lebensmittelampel, wäre wichtig. Aber auch die Verpflichtung, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, könnte eine Möglichkeit sein, schreibt ein Umfrage­teilnehmer. Ein anderer rät, dass den gesetzlich Krankenversicherten die Kosten ihres Arztbesuchs, und zwar auch denjenigen mit einer harmlosen Erkältung, aufgezeigt werden.

Des Weiteren wird mehr Aufklärung gefordert. Bereits in den Kindergärten und Schulen müsse mehr Wissen zu gesunder Ernährung und der positiven Wirkung von Sport vermittelt werden. Jeder vierte Umfrageteilnehmer (25 Prozent) sieht jedoch jeden Bürger selbst in der Pflicht, auf seine Gesundheit zu achten.

Während also nur jeder zweite Teilnehmer der Pfefferminzia-Umfrage bei der Vermittlung einer privaten Krankenversicherung auch auf das Gesundheitsangebot der Gesellschaft achtet, steht für 96 Prozent ganz klar die Leistung im Fokus. Direkt dahinter ist für mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Leser die Beitragsentwicklung ausschlaggebend. Auf Platz 3 folgen mit jeweils 62 Prozent die Prämie sowie der offene Heil- und Hilfsmittelkatalog.

Neben diesen Kernleistungen ist für 74 Prozent zudem eine individuelle Fallbegleitung wichtig. Der Zweitmeinungsservice kommt auf Rang 2 (68 Prozent), und die Hilfsmittelbeschaffung ist für knapp die Hälfte (45 Prozent) ein wichtiges Thema.

Diese Wünsche erfüllen offenbar Barmenia (39 Prozent), HALLESCHE (36 Prozent) und SIGNAL IDUNA (36 Prozent) am ehesten. Jedenfalls schaffen es diese drei Unternehmen auf die ersten drei Plätze bei der Frage nach den beliebtesten Krankenversicherern unserer Leser.

Apps spielen eine immer größere Rolle

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet spürbar voran. Haben sich bereits in der oben erwähnten Bitkom-Umfrage viele Deutsche für die digitale Patientenakte ausgesprochen, zeigt sich in der Pfefferminzia-Befragung ein beinahe gleiches Bild. 62 Prozent der Teilnehmer sehen die digitale Patientenakte ­positiv. Gesundheits-Apps, etwa mit einer Erinnerungsfunktion für die Einnahme von Medikamenten oder die Hilfe bei Tinnitus leisten, finden fast vier von fünf Teilnehmern (79 Prozent) hilfreich. Ferner ist das Einreichen und ­Erstatten von Arztrechnungen per App ein Wunsch der Befragten.

Auch in der Beratung zum Thema private Krankenversicherung selbst spielen Tools, die den Prozess unterstützen, eine große Rolle. Da die Gespräche mit den Kunden sowie ihre Vor- und Nachbereitung sehr zeitintensiv sind – fast 47 Prozent der Umfrageteilnehmer beraten ihren Kunden im Schnitt drei bis vier Stunden hierzu –, wünschen sich die Berater und Vermittler Beratungs-Tools (70 Prozent) und Weiterbildungsangebote (69 Prozent) von den Produktanbietern. Außerdem möchte fast jeder Zehnte Inhalte erhalten, um diese in den eigenen Social-Media-Kanälen teilen zu können. Der größte Wunsch an die Versicherungsgesellschaften besteht allerdings ­darin, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der ­befragten Makler und Vermittler erwarten das von ihrem Anbieter.

Im Zusammenhang mit der Beratung fällt auch auf, dass beinahe die Hälfte der Teilnehmer (46 Prozent) eine „einfache Gesundheitserklärung mit Ablehnungsdiagnosen, anhand ­derer der Vermittler sofort erfährt, ob der Kunde einen Versicherungsschutz erhält oder nicht“ bevorzugt. Während die andere Hälfte (54 Prozent) lieber auf „die Beantwortung von Gesundheitsfragen für eine anschließende individuelle Gesundheitsprüfung der zu versichernden Person“ setzt.

Darüber hinaus verteilt sich ebenfalls beinahe gleichmäßig die Einstellung der Teilnehmer zum Potenzial, das sich aus einer Zusatzabsicherung über den Arbeitgeber ergibt. Gemeint sind damit betriebliche Krankenversicherungen, Gruppen-Berufsunfähigkeitsversicherung, Assistance-Leistungen oder Ähnliches. 31 Prozent sehen hier viele Möglichkeiten, „da der kollektive Zugang Annahmen und Beiträge für den einzelnen Mitarbeiter vereinfacht, etwa in Handwerkerberufen“. 41 Prozent erwarten Vorteile durch Cross-Selling-Ansätze, wegfallende Ausschlussklauseln oder durch eine mögliche steuerliche Förderung.

Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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