Die Zahl ist erschreckend: Jedes Jahr verletzen sich in Deutschland mehr als 9 Millionen Menschen bei Unfällen. Zu den gefährlichsten Orten zählt laut Statistik das eigene Zuhause. Ein Drittel aller Unfälle ereignet sich in den eigenen vier Wänden, also dort, wo sich die Menschen am sichersten fühlen.
Grundsätzlich besteht für alle Altersgruppen die Gefahr, zum Unfallopfer zu werden. Sei es durch Unachtsamkeit, einen technischen Defekt oder das Verschulden anderer. „Doch das Unfallrisiko und die Schwere der Verletzungen nehmen im Alter zu“, sagt Anne Thomas, Abteilungsleiterin Vertriebsinfrastruktur & Data Analytics bei der Arag.
Damit sind längst nicht nur Hochbetagte gemeint. Statistisch steigt das Unfallrisiko laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bereits ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Auch die Sturzunfälle nehmen mit den Jahren stark zu. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Stürze in der Generation 50plus auf jährlich 4 bis 5 Millionen.
Doch die „Best Ager“ wiegen sich in trügerischer Sicherheit: Sie stehen noch mitten im Arbeitsleben, sind auch in der Freizeit sehr aktiv und damit allen denkbaren Unfallrisiken ausgesetzt. Die Gefahren lauern am Arbeitsplatz, auf dem Weg dorthin, zu Hause, im Straßenverkehr, beim Sport oder im Urlaub. An einen Unfall und seine möglichen Folgen denken dennoch nur wenige. Wer in den Fünfzigern ist, fühlt sich meist sehr vital und will die Zeit nach der Kindererziehung ausgiebig nutzen, um das Leben zu genießen und Neues auszuprobieren. Viele testen ihre Grenzen aus und suchen neue sportliche Herausforderungen wie Bergwandern, Kitesurfen oder Mountainbiking.
Demgegenüber fehlt der Altersgruppe häufig der passende Schutz durch eine private Unfallversicherung. Nicht einmal die Hälfte der rund 13,5 Millionen Bundesbürger zwischen 50 und 59 Jahren hat eine solche Police abgeschlossen. In höheren Altersgruppen liegt die Unfallversicherungsdichte sogar noch deutlich darunter, obwohl heute selbst Mittsiebziger noch sehr aktiv und erheblichen Unfallgefahren ausgesetzt sind. Viele verdrängen das Risiko und verlassen sich blind darauf, dass schon nichts schiefgehen werde.
Andere setzen als Absicherung auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Die ist zwar sehr wichtig, doch reicht sie bei Unfallinvalidität infolge eines Unfalls häufig nicht aus, um alle entstehenden Kosten zu decken und den Lebensstandard für die Familie zu halten. „Zieht ein Unfall beispielsweise eine Querschnittslähmung nach sich, sind die Folgen lebenslang und finanziell erheblich“, warnt Arag-Vorstandsmitglied Zouhair Haddou-Temsamani. „Das komplette Leben verändert sich radikal durch die Behinderung.
Gleichzeitig muss aber natürlich auch die Familie weiter versorgt werden.“ Die finanzielle Belastung kann enorm sein. Und die Folgen drastisch: Oft müssen die Ersparnisse aufgebraucht werden. In manchen Fällen sind sogar die Rücklagen fürs Alter oder die kreditfinanzierte Immobilie in Gefahr.
Auch die Signal Iduna verweist auf potenziell hohe Kosten nach einem schweren Unfall. „Sie können leicht in den sechsstelligen Euro-Bereich gehen“, so Claus Rehse. Zu bedenken seien nicht nur die Kosten für unmittelbare Unfallfolgen wie Reha-Behandlungen. „Betroffene mit bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen müssen häufig ihr Zuhause umbauen lassen und können ihren Beruf nicht mehr ausüben.“
Wegbrechende Einnahmen auf der einen und hohe, unvorhergesehene Kosten auf der anderen Seite wirken sich gerade im letzten Drittel des Arbeitslebens verheerend auf die wirtschaftliche Situation von Familien aus. Meist sind in dieser Lebensphase die Finanzen bis zur Rente längst durchgeplant: Bis zum Eintritt in den Ruhestand soll die Immobilie abgezahlt und möglichst noch Geld für Reisen, Konsumwünsche und überhaupt für ein sorgenfreies Leben übrig sein.
Durch einen Unfall und eine daraus resultierende Invalidität werden jedoch all diese Pläne über den Haufen geworfen. Statt den Hauskredit weiter bedienen oder die Kinder in der Ausbildung oder im Studium finanziell unterstützen zu können, stehen völlig unerwartet hohe Investitionen für den behindertengerechten Umbau des Hauses an. Auf einen Schlag geht es nicht mehr um die Finanzierung des nächsten Urlaubs, sondern darum, auch in Zukunft ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen zu können.
Ohne die richtige Absicherung wie durch eine private Unfallversicherung ist das oft nicht mehr möglich. Das gilt selbst dann, wenn das Familieneinkommen zumindest teilweise durch die stark gekürzte Erwerbsunfähigkeits- oder eine Berufsunfähigkeitsrente ersetzt werden kann. Für Investitionen wie den behindertengerechten Umbau der Immobilie fehlt in vielen Fällen der finanzielle Spielraum. Daran ändern auch mögliche Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung nichts, die ohnehin nur bei Berufs- und Wegeunfällen einspringt. „Wer in seiner Freizeit schwer verunglückt, fällt nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung“, warnt Rehse.
Damit wird ein folgenschwerer Unfall zur Privatsache, die auch privat abgesichert werden muss. Zum Beispiel mit einer privaten Unfallversicherung. Gerade für die sehr aktive und daher besonders unfallgefährdete Generation 50plus rückt die Police in den Fokus. Die Versicherung zahlt, wenn der Versicherte infolge eines Unfalls dauerhaft beeinträchtigt ist, also keine Aussicht auf Genesung besteht.
Die Police garantiert in der Regel eine einmalige Kapitalleistung, mit der Unfallopfer beispielsweise Haus oder Wohnung behindertengerecht gestalten können. Gute Versicherer zahlen nicht erst bei einem hohen Invaliditätsgrad, sondern bereits anteilig ab einer Beeinträchtigung von einem Prozent. Hinzu kommt je nach Vertrag und Invaliditätsgrad eine Unfallrente. Ist nichts anderes im Vertrag vereinbart, zahlt der Versicherer auf unbestimmte Zeit.
Der genaue Umfang der Leistungen hängt im Wesentlichen von der Versicherungssumme ab. Bei der Kalkulation kommt es ganz besonders auf eine umfassende Beratung durch den Versicherungsmakler an. Denn eine zu knapp bemessene Summe kann schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für den Versicherungskunden und seine Familie haben. Umgekehrt sollten in die Berechnung der optimalen Versicherungssumme auch mögliche finanzielle Rücklagen einfließen, um die Versicherungsprämie für den Kunden so gering wie möglich zu halten.
Grundsätzlich ist es jedoch ratsam, bei der Unfallversicherungssumme besser zu klotzen als zu kleckern. Denn den vollen Versicherungsbetrag erhalten Unfallopfer nur bei Vollinvalidität. Bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent wird entsprechend nur die Hälfte fällig.
Die Versicherungsleistung lässt sich per Progression erhöhen. Vereinbaren Versicherung und Kunde beispielsweise eine Progression von 250 Prozent, erhöht sich die Versicherungsleistung im Invaliditätsfall um diesen Prozentsatz. So ergibt sich bei einer Versicherungssumme in Höhe von 100.000 Euro bei Vollinvalidität eine Kapitalleistung von 250.000 Euro. Durch den „Progressionsturbo“ steigt jedoch auch die Prämie. Dennoch ist auch die Frage der Progression ein wichtiger Punkt, den Versicherungsmakler im Dialog mit dem Kunden klären müssen.
Die Festsetzung des Invaliditätsgrads erfolgt nach der sogenannten Gliedertaxe. Sie definiert den Grad der Invalidität anhand des Funktionsverlustes einzelner Körperteile. Die Einschränkungen bewerten Versicherer jedoch sehr unterschiedlich: Für den Verlust eines Daumens setzen einige den Grad der Invalidität beispielsweise mit 20, andere mit bis zu 60 Prozent an. Allerdings liegen die Leistungen der meisten Versicherer aus der Gliedertaxe teils deutlich über den Empfehlungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dennoch gibt es je nach Versicherung erhebliche Unterschiede – ein zentraler Beratungsansatz für Makler bei der Auswahl des optimalen Tarifs.
Ratsam ist es außerdem, eine Todesfallsumme zu vereinbaren. Die Klausel dient der Absicherung der Hinterbliebenen, ist bei einigen Versicherern aber auch im Hinblick auf die Leistungen bei schweren Unfallverletzungen wichtig. Und zwar dann, wenn noch nicht klar ist, welche gesundheitlichen Einschränkungen von Dauer sein werden. „In einem solchen Fall gewähren Versicherer eine Vorschusszahlung auf eine spätere Invaliditätsleistung bis zur Höhe der Todesfallsumme“, so Claus Rehse von der Signal Iduna. So bleiben Versicherte liquide und müssen die Unfallfolgekosten nicht allein schultern.
Diese doppelte Funktion der Todesfallsumme – Hinterbliebenenschutz und Invaliditätsvorschuss – ist Kunden häufig nicht klar. Folglich haben auch hier Makler den Auftrag, auf die möglichen Vorteile einer Todesfallklausel hinzuweisen. Alternative dazu ist ein Tarif, in dem der Vorschuss auch ohne Todesfallsumme fließt. Wie zum Beispiel bei der Arag. Anne Thomas: „Wir zahlen einen Vorschuss in Abhängigkeit von der Schwere der Unfallverletzungen und der voraussichtlich zu erwartenden späteren Invaliditätsleistung.“ Dabei sei es unerheblich, ob im Vertrag eine Leistung bei Todesfall vereinbart worden sei oder nicht.
Neben klassischen privaten Unfallversicherungen haben viele Versicherer auch Senioren-Unfallpolicen im Portfolio. Die Verträge berücksichtigen die speziellen Bedürfnisse Älterer und die steigende Unfallgefahr in der Altersgruppe. Neben Kapitalleistungen wie einmaligen Zahlungen oder einer regelmäßigen Rente tritt bei Senioren-Policen ein Assistenzpaket mit Hilfe- und Pflegeleistungen hinzu. Dazu zählen meist zeitlich auf ein halbes Jahr begrenzte Services wie Hilfen bei Arztbesuchen und Behördengängen, für Einkäufe oder die Wohnungsreinigung. Viele Versicherer organisieren diese Zusatzleistungen nicht nur, sondern tragen auch die Kosten.
Die Übernahme organisatorischer Aufgaben ist insbesondere für jene Senioren hilfreich, die allein leben und keine Verwandten oder Freunde in der Nähe haben, die sie nach einem Unfall unterstützen könnten. Die Zusatzdienstleistung erhöht die Chancen darauf, trotz Unfallinvalidität weiter selbstbestimmt zu Hause leben zu können.
Auch wirtschaftliche Aspekte spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade für Ältere ist es wichtig, dass die Versicherung die Unfallfolgekosten übernimmt. Denn die ohnehin dürftigen Ansprüche aus der gesetzlichen Unfallversicherung und der Erwerbsunfähigkeitsrente erlöschen mit dem Eintritt in den Ruhestand. Gleiches gilt für die BU-Versicherung. Einzig Kranken- oder Pflegeversicherung kommen dann als Helfer infrage.
Ohne zusätzliche Absicherung kann es folglich nach einem Unfall finanziell sehr eng werden. Auch angesichts des stetig sinkenden Niveaus der gesetzlichen Altersrente auf nur noch 43 Prozent des Durchschnittslohns bis zum Jahr 2030 können Senioren die Folgekosten eines schweren Unfalls oft nicht mehr aus eigenen Mitteln schultern.
Neben eventuell erforderlichen baulichen Veränderungen im Eigenheim gehen auch Reha-Maßnahmen kräftig ins Geld. An den Patienten bleiben beispielsweise Zuzahlungen hängen. Schlimmstenfalls verweigert die Krankenkasse die Übernahme der Behandlungskosten. In solchen Fällen springen einige Unfallversicherer ein. Bei der Arag können Kunden ihren bestehenden Unfallversicherungsschutz mit dem Baustein „Fit Plus“ aufstocken. Darin sind etwa „Kosten für Physiotherapien, Personal Trainer, Ernährungsberater sowie Bewegungs- und Laufanalyse enthalten“, so Zouhair Haddou-Temsamani. Versicherte haben auch die Möglichkeit, eine medizinische Zweitmeinung einzuholen und sich per Telemedizin beraten zu lassen.
Die meisten Unfallversicherer bieten Senioren-Policen ab dem 50. Lebensjahr an, bei einigen gilt das Angebot ab 60. Das Aufnahmehöchstalter liegt gewöhnlich bei 75, einige Gesellschaften nehmen aber auch ältere Kunden auf. Der Vertrag endet üblicherweise mit Kündigung durch den Versicherten oder dessen Tod. Nur wenige Anbieter von Unfall-Policen haben ein Höchstversicherungsalter von 75 Jahren festgelegt. In solchen Fällen endet der Vertrag automatisch und ohne Kündigung, wenn das Höchstalter erreicht ist.
Angesichts der steigenden Lebenserwartung hierzulande – laut Statistischem Bundesamt liegt sie für Männer bei 78,9 beziehungsweise bei 83,6 Jahren für Frauen – kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, einen Versicherer auszuwählen, der kein Höchstversicherungsalter vorgibt. Denn mit zunehmendem Alter und steigendem Unfallrisiko wird eine Unfallpolice jeden Tag wichtiger.
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