In einem Land wie Deutschland funktionieren Vergleiche mit Autos besonders gut. Finde ich. Also versuche ich es mal: Ab sofort will ich, dass niemand mehr etwas an mir und meinem Auto verdient. Ich kaufe es selbst gebraucht direkt von privaten Menschen. Kein Händler mehr dazwischen. Ich wechsle selbst Öl und Zündkerzen. Und das Benzin hole ich als Öl aus der Erde und raffiniere es selbst.
Aber es ist im Grunde das, was auch ein Beitrag der „Tagesschau“ nahelegt, über den im Netz ein bisschen diskutiert wird. Im Grunde stößt er ins selbe Horn wie viele Beiträge aus dem Verbraucherschutz: Spar dir den Berater, denn der kostet Provision! Die Überschrift lautet: „Wie viel Vermögen man durch Provisionen verliert.“
Dabei möchte ich zunächst klarstellen: Es ist richtig und nötig, auf Kosten bei Dingen zu achten. Wenn Bafin-Aufseherin Julia Wiens von 4 Prozent Effektivkosten (!) mancher Rentenversicherungen spricht, kommt auch mir die Galle hoch. So ungeniert sollte sich niemand die Taschen vollstopfen können, gar keine Frage. Hinschauen hilft dann tatsächlich. Oder sollte es zumindest.
Allerdings rücken Beiträge wie jener aus der „Tagesschau“ den Kostenpunkt in meinen Augen ein Stück zu weit nach vorn. So bildet eine Rechnung den zentralen Teil. Darin vergleicht Autorin Lilli-Marie Hiltscher zwei Fonds: einen kostenlosen (!) und einen mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 1,5 Prozent im Jahr.
200 Euro im Monat über 40 Jahre hinweg ergeben 96.000 Euro. Bei gleicher Vorkostenrendite von 6 Prozent im Jahr ergeben sich mit dem kostenlosen Fonds 398.000 Euro. Bei dem teureren Fonds wären es etwa 300.000 Euro. Womit sich die Überschrift erklärt.
Und ja – bis auf den Umstand, dass es keinen kostenlosen Fonds gibt, stimmt die Rechnung. Und wer das alles selbst gewuppt bekommt, der kann gerne die günstige Variante nutzen. Wenn er das dann auch wirklich durchzieht und nicht im nächsten Crash die Nerven verliert.
An dieser Stelle komme ich zu einem Beitrag, den Versicherungsfan und Pfefferminzia-Kolumnist Daniel Feyler auf Linkedin dazu brachte. Auch er fragt, warum wir nicht einfach unser Brot selbst backen und Elektro-Arbeiten im Haus selbst verrichten. Nebenbei bemerkt, hat er recht. 500 Gramm Brotbackmischung gibt es für etwa 80 Cent im Laden. Kommt nur noch der Strom hinzu.
Also warum macht man nicht alles selbst: „Möglicherweise, weil die Arbeitsteilung ein wesentlicher Faktor für den Wohlstandszuwachs der Nationen war. Und eben nicht jeder Mensch alles selbst machen muss und soll“, meint Feyler.
Es folgt in den Kommentaren natürlich das übliche Pro und Contra. Der stets auf Ballhöhe laufende Marktbeobachter und Blogger Stephan von Heymann hat hier einiges wunderbar zusammengefasst.
Ich sehe es ähnlich wie Daniel: In einem Land, in dem der Zinseszinseffekt in großen Teilen der Bevölkerung noch immer als pure Magie gilt, fehlt mir der Glaube, dass wirklich viele Menschen ihre Vorsorge selbst stemmen können. Oder wollen. Ich kenne nicht wenige Menschen in meinem Alter, die noch rein gar nichts für ihre Altersvorsorge gespart haben. Oder für ihre Kinder.
Deshalb sollte die Rechnung vielleicht mal ganz anders lauten: Wie viel gewinnst du hinzu, wenn du durch deinen Berater Aktienfonds kaufst? Bleiben also die monatlichen 200 Euro auf dem Konto liegen, ergeben sich nach 40 Jahren 96.000 Euro (wenn sie dann noch da sind). An Zinsen auf dem Girokonto glaube ich jedenfalls nicht. Wer zum Berater geht, dort den ach so teuren Aktienfonds kauft und sich dafür von ihm durch jede schwierige Phase geleiten lässt, hat am Ende über 200.000 Euro mehr.
Gerade der seelische Beistand in Crash-Phasen ist nicht zu unterschätzen. Und sogar Lilli-Marie Hiltscher räumt an einer der seltenen Pro-Berater-Stellen in ihrem Beitrag ein, dass die Depots von Beratungskunden besser aufgebaut sind als die im Selbstbedienungsladen.
An dieser Stelle im Kommentar ist es Zeit für etwas Konstruktives. Also versuche ich es mal. Ja, Raff-Gebühren gehören bloßgestellt und weggefegt. In diesem Sinne: Feuer frei, Julia Wiens, ich bin bei Ihnen! In meiner Zeit als Wertpapierberater war es in Banken üblich, Fonds gegen Gebühren immer wieder zu tauschen (Fachbegriff: „drehen“). Das ist abstoßend und gehört unterbunden. Dagegen ist es wunderbar, wenn sich die Deutschen mit Geldanlagen beschäftigen und bei Direktbanken oder Neobrokern ihre Depots vollsparen. Prima!
Anstatt also immer auf Provisionen herumzuhacken, sollten wir den Verdienst von (guten) Beratern nicht vergessen: Sie führen Menschen an Aktienanlagen heran, die das von sich aus nie tun würden. Sie begleiten sie durch gute Zeiten und durch schlechte Zeiten. Sie haben ein Auge auf das große Ganze beim Kunden.
Am vergangenen Wochenende habe ich übrigens den Fahrradreifen meines Sohnes geflickt. Was ich damit schon wieder an Geld gespart habe …
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