Mehmet E. Göker im Interview

„Die Versicherer müssen die Macht der großen Vertriebe brechen“

Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Mehmet E. Göker, womit er jetzt sein Geld verdient und wie er das Provisionssystem in Deutschland ändern würde.
© Screenshot Wdr.de
Versicherungsvertreter 2: In diesem Film porträtiert der Dokumentarfilmer Klaus Stern den einstigen Star der Versicherungsbranche – Mehmet Göker.

Es gehe ihm gut und er lächle, antwortet der Gründer und ehemalige Chef der Meg AG auf die Frage der Handelsblatt-Redakteurs Jens Hagen nach seinem aktuellen Befinden. Auch finanziell scheint alles in bester Ordnung zu sein. Es reiche, um seinen bisherigen Lebenswandel zu finanzieren, so Göker.

Auf die Frage, wie er denn jetzt genau sein Geld verdiene, antwortet Göker: „Ich vertreibe Datensätze von Versicherungskunden in der Türkei. Wir stellen Daten aus dem Bereich Kranken-, Leben- und Risikoschutz zusammen, die türkische Versicherer erwerben. Früher haben wir auch den deutschen Markt bedient, das ist jetzt aber vorbei.“

Die Nachfrage bei ihm zu arbeiten sei dabei hoch. „Wir haben derzeit so viele fest angestellte Mitarbeiter wie niemals zuvor.“ Anfang Oktober werde es ein neues Büro in Istanbul geben, wo bis zu 40 Festangestellte arbeiten würden.

Ob er Schwächen habe, fragt das Handelsblatt weiter. Das sei seine Ungeduld, antwortet Göker. „Bei Disziplinlosigkeit oder Unpünktlichkeit bin ich auf 180.“ Und Geldgier? Oder Dreistigkeit? „Das ist mir beides fremd.“

Als nächstes thematisiert Redakteur Jens Hagen Gökers Tun in Deutschland und die Folgen dessen.

Wie er den viel beklagten Kundenschwund in der Krankenversicherung lösen und was er Vertriebsvorständen raten würde? „Sie sollten das Provisionssystem ändern“, antwortet Göker. „Ich habe damals 21 Monatsbeiträge bei der Vermittlung einer Police erhalten, freie Vermittler vielleicht sechs bis sieben. Warum? Weil ich als großer im Markt die Verhandlungsmacht hatte. Die Versicherer müssen die Macht der großen Vertriebe brechen und pauschal immer gleich zahlen. Fünf bis sechs Monatsbeiträge reichen. Jeder sollte das gleiche bekommen. Und die Bestandsprovisionen sind lächerlich. Die sollten deutlich steigen.“

Dass er mit seinen Provisionsauswüchsen schuld daran war, dass es in der Krankenversicherung einen Provisionsdeckel gibt, weist Göker weit von sich. Die steigenden Beiträge hätte er nicht verantwortet. „Die großen Versicherer haben eine Milliarde Euro in Griechenland-Anleihen versenkt. Andere große Vertriebe haben 40 bis 50 Millionen Euro Außenstände an Stornierungen bei großen Versicherungskonzernen. Auch da wird ein Mantel des Schweigens darüber gedeckt.“

Warum er sich nicht endlich der Justiz in Deutschland stelle ist eine weitere Frage. Er habe dem Staatsanwalt einen Besuch angeboten, so Göker. „Der hat aber gesagt, dass ich danach nicht mehr in die Türkei zurückkehren kann. Mein Anwalt steht mit den Behörden in Kontakt. Wir suchen eine Vereinbarung.“

Hier lesen Sie das ganze Interview.

Die Biografie von Mehmet E. Göker gibt es bei Amazon.

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