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Den BU-Leistungsfall durch Präventionsbausteine vermeiden

Der Leistungsumfang von Berufsunfähigkeitsversicherungen ist ziemlich ausgereizt. Zumindest, was den Kern der Absicherung betrifft. Eine Unterstützung der Kunden schon vor dem Leistungsfall aber, wäre durchaus noch ausbaubar, findet Versicherungsmakler Philip Wenzel. Stichwort: Prävention.
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Versicherungsmakler und Biometrie-Experte Philip Wenzel.

Wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung bewertet, lassen sich grob zwei Maßstäbe anlegen. Der eine wäre vergleichbar mit dem Trainer eines 100-Meter-Sprinters. Der Weltrekord liegt hier bei 9,58 Sekunden. In den vergangenen 100 Jahren wurde diese Zeit gerade mal um eine Sekunde verbessert. Und es ist unklar, ob diese Zeit je geschlagen wird. Trotzdem arbeiten Trainer und Sportler mit hohem Aufwand, um Kleinigkeiten zu verbessern. Der andere Maßstab wäre die Sicht eines Ergotherapeuten: Wer seine Beine alltagstauglich schmerzfrei nutzen kann, darf sich glücklich schätzen.

Unter dem Aspekt der praktischen Relevanz nehme ich gern die zweite Sicht ein, aber ich beobachte mich immer wieder dabei, wie ich Kleinigkeiten ein zu hohes Gewicht beimesse, weil die Qualität der Versicherungsbedingungen in der BU-Versicherung eben insgesamt im Markt sehr hoch ist.

Mich stört es zum Beispiel, wenn Bedingungen zweispaltig geschrieben sind. Das mag ja schneller zu lesen sein, wenn man den Text ausdruckt. Aber wer macht das heute noch? Und so muss ich dann immer hoch- und runterscrollen, was einem nach ein paar Seiten echt auf den Keks gehen kann.

BU kaum noch verbesserbar

Worauf ich aber eigentlich hinauswill: Die BU-Versicherung kann im Kern kaum noch besser werden. Irgendwer schreit mal nach einer BU, die schon bei 40 Prozent volle Rente zahlt, aber das ist irgendwann ja auch Quatsch. Eine Versicherung muss dann Geld zahlen, wenn ich Geld brauche. Also, dringend brauche. Alles andere ist ein Sparbuch. Wenn die Verwirklichung des Risikos bei 100 Prozent liegt, kann die Versicherung nicht mehr als 100 Prozent der gezahlten Beiträge minus Verwaltungskosten zahlen.

Sinnvoller ist in meinen Augen der Ansatz, die Versicherung schon vor dem Versicherungsfall spürbar zu machen. Für den Vertrieb ist das spannend, weil ich so mehr sogenannte Touchpoints habe. Altmodisch könnte man auch sagen, dass ich dann immer wieder Anlass für einen Anruf oder Besuch habe. Für das Image der Branche ist es super, weil die Versicherung so eher als Helfer wahrgenommen wird und weniger als jemand, mit dem ich um mein Geld streiten muss. Und tatsächlich gibt es hier Ansätze, die helfen, den Leistungsfall zu vermeiden. Das ist für den Kunden gut, weil er gesund bleibt. Und für den Versicherer, weil er nicht zahlen muss. Dafür muss er aber schon vorher und regelmäßig Geld in die Hand nehmen.

Ein schönes Beispiel hierfür sind die Fitness-Apps, die jetzt langsam begleitend zur BU-Versicherung auftauchen. Wer fit ist, wird eher seltener berufsunfähig. Das ist logisch. Diese Apps helfen mittlerweile auch bei der Stressbewältigung und können so Überlastungen und somit psychischen Erkrankungen zumindest vorbeugen. Das ließe sich noch sehr gut ausbauen.

In meinen Augen sollte es möglich sein, dass ein Versicherer auf einen Zuschlag wegen des BMIs verzichtet, wenn der Kunde freiwillig bereit ist, an einem Fitnessprogramm über die App teilzunehmen und jedes Jahr bestätigt, dass er das Gewicht gehalten hat. Nach fünf Jahren könnte man dann die Überprüfung beenden, denk ich mal. Das gleiche ließe sich auch bei Verspannungen oder anderen Rückenbeschwerden spielen.

Zweitmeinung und Spezialist

Ein Versicherer hat eine ziemlich schlanke Krankenzusatzversicherung an die BU-Versicherung angedoc(k)t. Das Ding heißt Better-Doc und leistet eine Zweitmeinung und gewährt den Zugang zu einem Spezialisten. Das ist für einen gesunden Kunden kein Mehrwert. Aber wenn ich mal eine Diagnose erhalte, die das Potenzial hat, mein Leben auf den Kopf zu stellen, dann wäre es doch gut, wenn ich einen Experten fragen könnte, ob es eine Alternative zur Operation/Chemotherapie/Entfernung gibt.

Damit bringe ich mich dann vielleicht um viele tausend Euro an Rente, die ich aus der BU-Versicherung bekommen hätte. Aber ich bleibe gesund. Und wie wertvoll das ist, kann nur verstehen, wer mal krank war.

Ich fände es sinnvoll, wenn diese Beispiele Schule machten und die BU-Versicherung nicht mehr versucht, am Kern der Absicherung ein paar Millisekunden mehr rauszutunen, sondern Wege sucht, wie der Leistungsfall sich durch Prävention verhindern ließe oder welche Unterstützung im Leistungsfall wichtiger wäre als Geld. Denn hier ist noch echtes Verbesserungspotential, dass der Kunde im Ergebnis auch spürt!

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