Alles wird teurer. Das Benzin, das Bier auf dem Oktoberfest und Versicherungen auch. In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das an sich nicht so. Die Beiträge sind bis zum Vertragsende durchkalkuliert. Streng genommen wird der Beitrag dann jedes Jahr um die Inflation günstiger. Da der Versicherungsschutz ebenso pro Jahr um die Inflation abnimmt, kann es sinnvoll sein, eine Beitragsdynamik zu vereinbaren.
Die Beitragsdynamik erhöht den Beitrag jedes Jahr um einen festgelegten Prozentsatz. Die Höhe kann ich bei Vertragsschluss vereinbaren. Üblich sind hier 3 und 5 Prozent. Es gibt aber auch Anbieter, die das in 0,1-Prozent-Schritten ermöglichen und auch welche, die keinen festen Prozentsatz vereinbaren, sondern tatsächlich jedes Jahr um die Inflation erhöhen.
Der Kunde muss wissen, dass die versicherte Leistung sich bei 5 Prozent höherem Beitrag nicht automatisch auch um 5 Prozent erhöht. Die 5 Prozent mehr Beitrag kaufen neuen Schutz ein. Das ist dann in der Regel immer etwas weniger, da ich die Erhöhung mit meinem neuen Alter abschließe. Mit der Zeit kann hier eine erhebliche Differenz zwischen Beitrag und Leistung auftreten.
Manche Tarife belassen es bei der ursprünglichen Berechnungsgrundlage und bei manchen findet die Erhöhung im dann gültigen Tarif statt. Das kann dann bedeuten, dass der Versicherungsschutz sich für die Dynamik verändert, weil es eine neue Klausel gibt. Im Leistungsfall ist das ziemlich kompliziert. Es kann aber auch bedeuten, dass ich in der Absicherungshöhe weniger bekomme, wenn der neue Tarif teurer ist als der ursprüngliche. Wenn er günstiger wird, ist das selbstverständlich super. Und wenn sich die Einstufung meines Berufs verbessert hat, dann läuft es auch für mich.
So weit, so gut. Ob und welche Höhe dieser Dynamik sinnvoll ist, muss ich individuell betrachten. Ich persönlich halte eine Dynamik zum Beispiel bei Beamten für übertrieben, da die Ansprüche an den Dienstherrn so schnell wachsen, dass der Bedarf in der Regel eher ab- als zunimmt.
Bei Angestellten und Selbstständigen sieht das aber schon anders aus. Oft will der Kunde mehr versichern, als über die Annahmerichtlinien machbar ist. Da kann es helfen, eine hohe Dynamik zu vereinbaren, um schnell auf die gewünschte Absicherungshöhe zu kommen.
Wichtig ist aber, dass wir Vermittler immer wieder prüfen, ob sich das Verhältnis von Betragserhöhung und Erhöhung der Versicherungsleistung noch rechnet. Wenn ich für 5 Prozent mehr Beitrag nur noch 3 Prozent mehr Leistung bekomme, dann lohnt sich das nur, wenn ich schon merke, wie die Arbeit immer schwerer fällt.
Das ist übrigens auch die Gefahr von hohen Dynamiken für die Kollektive. Die Dynamiken werden in der Regel so lange abgelehnt, bis ich merke, dass bald ein Versicherungsfall eintreten könnte.
Neben der Beitragsdynamik gibt es auch die sogenannte Leistungsdynamik. Diese erhöht die Leistung jedes Jahr um einen fest vereinbarten Prozentsatz. Über den Daumen gepeilt kostet ein Prozent Dynamik dauerhaft 5 Prozent mehr Beitrag. Die Leistungsdynamik erhöht garantiert. Zusätzlich zu der Erhöhung der Leistung aus den Überschüssen, die aber nicht garantiert sind.
Ich bin hier der Meinung, dass eine kleine Leistungsdynamik ok ist, wenn der Kunde darauf besteht. Aber eine hohe Dynamik ist hier einfach wirtschaftlich nicht sinnvoll. Ich zahle den Mehrbeitrag auf jeden Fall. Egal, ob der Leistungsfall eintritt oder nicht. Und damit ich dann eine so hohe Rente habe, die den Mehrbeitrag rechtfertigt, muss ich schon ein paar Jahre Berufsunfähig sein. Was aber im Durchschnitt nicht der Fall ist.
Aber wie immer gilt auch bei beiden Dynamikformen: Ich erkläre dem Kunden die Vor- und Nachteile und er darf dann entscheiden. Denn manchmal schläft der Kunde mit einer irrationalen Entscheidung einfach besser als mit einer sinnvollen. Und das ist ihm dann halt den Preis wert. Unsere Aufgabe ist es lediglich, alle Informationen bereitzustellen, die der Kunde braucht, um für sich eine vertretbare Entscheidung zu fällen.
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Eine Antwort
Haben Sie , Herr Wenzel, die Beamtenpension eines 35 Jährigen und 50 Jährigen verglichen und richtig gerechnet? Das „Wachstum“ ist minimal, da immer ein 10%iger Abschlag auf die Berechnung erfolgt. Dann noch die volle Steuer. Also was soll die Aussage?