Das Versicherungsprinzip ist an sich einfach zu verstehen. Jeder zahlt in einen Topf und wenn einer was braucht, nimmt er sich was raus. Da Menschen aber tendenziell dazu neigen, eher auf ihr eigenes Wohl zu sehen als auf das kollektive, funktioniert das nicht so einfach.
Deshalb müssen Versicherer, die auch immer wieder mal unter der menschlichen Neigung leiden, zuerst auf das eigene Wohl zu sehen, Regeln aufstellen, damit alles bestmöglich funktioniert. Und „bestmöglich“ bedeutet hier, dass bessere Lösungen nicht möglich sind, weil sie entweder von den Versicherten oder von den Versicherern ausgenutzt werden würden.
Und deswegen bilden Versicherer Kollektive, um die Besonderheiten, die diese Menschen gemein haben, mit einem Preisschild zu versehen. Sollten sich diese Kollektive ändern, stimmt der Preis nicht. Dadurch zahlen entweder alle Versicherten zu viel oder der Versicherer passt den Beitrag an.
Wenn ich nun Schüler gegen das Risiko, den Beruf nicht mehr ausüben zu können, so wie er in gesunden Tagen ausgestaltet war, versichere, muss ich schon grob erahnen können, wie der Beruf mal ausgestaltet sein wird.
Die hinterlegte Vermutung ist einfach: Wer auf der Mittelschule ist, wird Handwerker, wer auf der Realschule war, geht ins Büro und die Gymnasiasten studieren. In Wirklichkeit ist das Bildungssystem zwar weit entfernt „bestmöglich“ zu sein, aber es ist dennoch einigermaßen durchlässig, weshalb auch eine Schülerin, die an der Mittelschule gestartet ist, über ein paar Umwege das Abitur machen kann.
Wie regelt das ein Versicherer, der immer den zuletzt ausgeübten Beruf versichert und eine berufliche Veränderung nicht gemeldet werden muss? Das ist an sich nicht schwierig. Ich nehme die durchschnittliche Berufsgruppe, die mit der Schulausbildung erreicht wird und nehme darauf vielleicht sogar noch einen Abschlag.
Jetzt haben aber immer mehr Verträge eine sogenannte Besserstellungsoption, die es dem Schüler oder Studenten erlaubt, die Beiträge anzupassen, wenn ein neuer Beruf besser eingestuft wird, als die versicherte Berufsgruppe. Das ist für den Einzelnen super. Aber für das Kollektiv, das gemischt kalkuliert wurde, bedeutet es, dass alle Versicherten, die zurückbleiben, mittlerweile Berufe ausüben, die entweder genauso viel oder mehr kosten würden. Und das kann nicht lange gut gehen.
Und trotzdem dürfte die Besserstellungsoption unterm Strich sogar die Kollektive entlasten. Denn gäbe es sie nicht, würden alle, die gesund sind und eine bessere Berufsgruppe haben, die Versichertengemeinschaft „Schüler“ verlassen. Weil sie es können. Zurück blieben also neben den schlechten Berufsgruppen auch noch die Kranken in den besseren Berufsgruppen.
In meinen Augen wäre es aber am besten, man könnte Schüler nur mit einer Option versichern und bei Berufseintritt muss neu kalkuliert werden. Es ließe sich darüber nachdenken, dass aus diesen Optionen heraus handwerkliche Berufe rabattiert werden und andere Berufe nicht. So ließen sich ein wenig gerechtere Prämien erreichen.
Aber dass ich bereits als Schüler eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung habe, ist übertrieben und der Wettbewerb zwingt hier im Moment die Versicherer, die Kollektive immer riskanter zu kalkulieren.
Ich möchte zwar auch immer die beste Lösung für meinen Kunden erreichen, aber es kann nicht sein, dass alles immer günstiger wird. Aus diesem Wettbewerb ist damals auch die Berufsgruppendifferenzierung entstanden, die wir heute lieber nicht hätten. Was gerade bei den Schülern beginnt, lässt sich vielleicht noch aufhalten.
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