Aktionäre sollen annehmen

Wie die Nürnberger für ihre eigene Übernahme wirbt

Das Management der Nürnberger Versicherung empfiehlt den Aktionären, das Kaufangebot der Vienna Insurance Group anzunehmen. In einer gemeinsamen Stellungnahme äußern sie sich wortreich, aber managerüblich, was sie alles nach der Übernahme vorhaben.
© Nürnberger
Zentrale der Nürnberger Versicherung in Nürnberg: Aktionäre sollen Übernahmeangebot annehmen

Die Funktionäre der Nürnberger Versicherung trommeln dafür, dass die Vienna Insurance Group (VIG) ihr Haus wirklich übernimmt. In einer gemeinsamen Stellungnahme legen sie den Aktionären der Nürnberger Beteiligungs-AG nahe, das Kaufangebot anzunehmen. Man sei der Meinung, dass es „im Interesse der Nürnberger, ihrer Aktionäre und ihrer Arbeitnehmer“ liege. Es sei wortwörtlich „hochattraktiv“.

Die Vorstandsmitglieder hätten ihre Anteilscheine bereits angedient oder wollten das noch definitiv tun, heißt es weiter.

Mitte Oktober hatte sich die VIG verpflichtet, für jede Nürnberger-Aktie 120 Euro zu bieten. Die öffentlichen Unterlagen dazu folgten am 24. Oktober, die Annahmefrist läuft bis zum 21. November. Sie wolle damit eine „kontrollierende Mehrheitsbeteiligung“ erreichen, sprich: den Versicherer übernehmen. Gestern Abend schloss das Papier der Nürnberger an der Börse mit einem Kurs von 120,50 Euro. Anfang Oktober lag er noch bei 65 bis 66 Euro. Das ist fast ein Verdoppler in kurzer Zeit.

Sollte die Übernahme übrigens wirklich erfolgreich über die Bühne gehen, verschwindet die Aktie von der Börse. Ein weiteres Angebot sei dafür nicht nötig, betont der Versicherer. Wer dann noch Nürnberger-Aktien besitzt, kann sie gar nicht mehr oder nur mit hohen Kosten verkaufen.

Hier nicht erwähnt, aber durchaus denkbar ist auch der sogenannte Squeeze-out (deutsch: Hinausdrängen). Bei diesem börsenüblichen Vorgang, darf ein Großaktionär Kleinaktionäre zwangsabfinden. Dafür muss er bestimmte Anteilsschwellen überschritten haben. In Deutschland sind es normalerweise 95 Prozent des Grundkapitals.

Zu den weiteren Plänen äußern sich Vorstand und Aufsichtsrat der Nürnberger in einer gemeinsamen begründeten Stellungnahme. Darin schreiben sie, dass die Nürnberger als Marke und Identität erhalten bleiben soll. Auch der Hauptsitz in Nürnberg soll bleiben. Der Versicherer soll eine Einheit in der VIG-Gruppe sein.

Weitere Sätze lesen sich dann zwar klangreich, aber auch schwammig. Man wolle der Nürnberger-Gruppe „nachhaltiges und profitables Wachstum“ ermöglichen, heißt es etwa. Von Skaleneffekten ist – natürlich – auch die Rede und von partnerschaftlicher Zukunftsperspektive. Beides soll „Kapitalbasis, Vertriebsstärke, Markenwert und Unternehmenserfolg auf ein hohes Niveau“ heben.

Und dann folgen Pläne wie aus dem Managerhandbuch: in ausgewählten Marktsegmenten skalieren, komplementäre Fähigkeiten nutzen, operative Effekte realisieren, organisatorische Kapazitäten stärken und selbstverständlich Regionen und Geschäftsbereiche diversifizieren. Von solchen Absichten stehen noch einige mehr im Text, das hier ist nur eine Auswahl.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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