Im ersten Halbjahr 2023

Krankenstand erreicht neuen Rekordwert

Im ersten Halbjahr 2023 sind so viele Menschen schon mindestens einmal im Job ausgefallen wie noch nie zuvor. Das zeigt eine Analyse der DAK-Gesundheit. Das Problem: Besonders stark betroffen sind Berufe, in denen ohnehin schon Personalmangel herrscht.
Krankenstand
© picture alliance / dpa-tmn | Benjamin Nolte
Eine Frau wartet im Wartezimmer einer Hausarztpraxis: Am häufigsten waren Beschäftigte im ersten Halbjahr 2023 wegen Atemwegserkrankungen krankgeschrieben.

Laut einer Analyse der DAK-Gesundheit hat es im ersten Halbjahr dieses Jahres hierzulande ungewöhnlich viele krankheitsbedingte Arbeitsausfälle gegeben. So hat sich die Hälfte (50,1 Prozent) der Beschäftigten bis Ende Juni mindestens einmal krankschreiben lassen – eine Quote, die normalerweise erst zum Jahresende erreicht wird.

Laut der Analyse ist die Zahl der Krankschreibungen im Vergleich zum Vorjahr um 61 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt brauchten Beschäftigte von Januar bis Juni fast zehn Tage, um sich auszukurieren. Insgesamt lag der Krankenstand im ersten Halbjahr bei 5,5 Prozent – und damit deutlich höher als im Vorjahreszeitraum (2022: 4,4 Prozent). Tatsächlich ist es der höchste Wert, den die Kasse für ihre 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten seit dem Start der Halbjahresanalysen 2013 gemessen hat.

Schaut man genauer hin, so zeigt sich: In Berufen, in denen ohnehin schon Personalmangel herrscht, gibt es besonders häufig krankheitsbedingte Ausfälle. So betrug der Krankenstand in der Altenpflege von Januar bis Juni 7,4 Prozent. In der Kitabetreuung waren es 7,1 Prozent.

„Teufelskreis, der durchbrochen werden muss“

Im Anbetracht dieser Ergebnisse betonte DAK-Vorstandschef Andreas Storm die Notwendigkeit, Berufsgruppen mit Personalmangel im Blick zu behalten, „weil Stress und Überstunden den Krankenstand hochtreiben“ könnten. So drohe „ein Teufelskreis“, der durchbrochen werden müsse.

Vor diesem Hintergrund bekräftigte Storm seine Forderung nach einem Runden Tisch zum Thema Fachkräftemangel und Gesundheit unter Beteiligung von Politik, Sozialpartnern und Krankenkassen. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützten und gleichzeitig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig zu sichern, so der DAK-Chef.

Mehr Atemwegserkrankungen

Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Die meisten Ausfälle gingen auf das Konto von Atemwegserkrankungen. Und mehr noch: Sie haben sich fast verdoppelt; von 17,2 auf 34,1 je 100 Beschäftigte. Aber auch Krankschreibungen wegen Muskel-Skelett- und psychischen Erkrankungen sind um 59 beziehungsweise 60 Prozent gestiegen.

Die DAK-Gesundheit führt den Anstieg auf Nachholeffekte nach der Corona-Pandemie und ein gesteigertes Bewusstsein für das Ansteckungspotenzial von Krankheiten zurück. Aber auch das neue elektronische Meldeverfahren spiele eine Rolle, schreibt die DAK. Es stelle sicher, dass Krankschreibungen automatisch und zuverlässig in die Statistik der Krankenkassen eingingen.

„Der hohe Krankenstand im ersten Halbjahr 2023 macht deutlich, dass sich beim Thema Arbeit die gesundheitliche Dimension nicht wegblenden lässt“, so Andreas Storm abschließend. Sein Appell: „Firmen und Betriebe in Deutschland sollten auch im eigenen Interesse verstärkt auf den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeitenden achten und weitere Ressourcen ins Betriebliche Gesundheitsmanagement investieren.“

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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