Über 17 Millionen Einpersonenhaushalte gibt es in Deutschland. Allein zu leben hat oft viele Vorteile – es kann dabei aber auch recht einsam zugehen, und das wiederum belastet. Das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des Finanzberatungsunternehmens Swiss Life Select. 62 Prozent der Singles hierzulande klagen danach über psychische Belastungen.
Am häufigsten trifft es die 18- bis 29-jährigen Singles (74 Prozent). Singles leiden damit deutlich häufiger als Menschen, die in einer Beziehung leben (58 Prozent) – das zeigt sich auch, wenn man sich den Zeitraum der Corona-Krise anschaut. 52 Prozent der Singles mit seelischen Problemen sagen, dass es ihnen seit Beginn der Pandemie schlechter geht.
Dies geht wohl vor allem auf die Konten der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. So wurde aus dem Alleinleben schnell wochenlange Einsamkeit. Zum Vergleich: Menschen in Partnerschaften, die ebenfalls unter psychischen Problemen leiden, sagten nur in 45 Prozent der Fälle, dass es ihnen wegen der Pandemie schlechter ging.
„Unsere Erfahrung in der Kundenbetreuung zeigt: Gerade wenn Menschen allein leben, ist eine gute Vorsorge wichtig, weil kein Partner im Ernstfall finanziell unterstützend eingreifen könnte“, kommentiert Stefan Kuehl, Geschäftsführer bei Swiss Life Select. „Für 63 Prozent der befragten Singles spielt eine gute Finanzberatung eine wesentliche Rolle bei ihren Vorsorgeüberlegungen. Die Ergebnisse der Studie deuten auf einen hohen Nachholbedarf der Singles in Vorsorgefragen hin.“
Das Problem daran: Singles sichern ihr Einkommen seltener ab, als es Menschen in einer Beziehung tun (11 Prozent versus 17 Prozent). Sie sorgen auch seltener privat fürs Alter vor (21 Prozent) als Paare (32 Prozent). Und: Wenn Singles doch mal Geld für ihre Vorsorge in die Hand nehmen, investieren sie meist weniger als Menschen in einer Partnerschaft. Zwar denken 51 Prozent der Alleinlebenden und 57 Prozent der Paare, dass ein Betrag von über 150 Euro für die private Altersvorsorge nötig ist, um die gewünschte Lebensqualität im Alter zu realisieren. Doch nur 33 Prozent der Paare beziehungsweise 23 Prozent der Singles investieren diese Summe tatsächlich. „Wunsch und Wirklichkeit für den Lebensabend klaffen sowohl bei Singles als auch bei Partnern auseinander. Nur ist die Lücke bei Singles größer. Darauf gilt es in einer Beratung hinzuweisen“, appelliert Kuehl an die Berater.
Die Studie zeigt aber auch: Single ist nicht gleich Single. „Viele Alleinlebende befassen sich proaktiv mit ihrer Altersvorsorge und setzen sich sehr bewusst mit ihrer Zukunft auseinander. Die Einstellung zum Single-Dasein selbst scheint dabei eine Rolle zu spielen“, so Kuehl. Alleinlebende, die sich selbstbestimmt fürs Single-Dasein entschieden haben, sorgen dabei häufiger vor (25 Prozent) als Singles wider Willen (21 Prozent), die sich einen Partner wünschen und aktiv auf der Suche sind.
Selbstbestimmte Singles investieren insgesamt auch höhere Summen in ihre Vorsorge, um sich damit ihren Wunschtraum vom Lebensabend zu erfüllen. 25 Prozent von ihnen nehmen über 150 Euro in die Hand (Singles wider Willen: 21 Prozent).
Die bewusste Entscheidung fürs Single-Dasein scheint darüber hinaus auch ein wichtiger Resilienzfaktor gegen psychische Leiden zu sein. Dazu Kuehl: „91 Prozent der selbstbestimmten Singles leben gern allein und nur 17 Prozent klagen über Einsamkeit.“
Die überzeugten Singles sind in der Folge auch psychisch stabiler. In dieser Gruppe leiden mit 55 Prozent deutlich weniger unter psychischen Problemen als in der Gruppe der Singles wider Willen (69 Prozent). „Wobei hier nicht der fehlende Kontakt zu Menschen die Hauptursache ist, sondern der Zeitdruck bei der Arbeit“, ergänzt Kuehl. Anders sieht es laut Studie bei den Singles wider Willen aus: Hauptauslöser für deren Leiden ist tatsächlich der fehlende Kontakt zu Menschen. 57 Prozent klagen über Einsamkeit und bei 69 Prozent treten als Folge seelische Leiden auf.
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