BU-Schutz in jungen Jahren

„Abschluss als Azubi kann bereits zu spät sein“

Wann sollte man sich um eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kümmern? „So früh wie möglich“, stellt Versicherungsmakler Gerd Kemnitz im Interview mit Pfefferminzia klar. Darin erläutert er die knifflige Sache mit dem Zielberuf, die Tücken bei Verweisung oder auch Azubi-Klauseln und sagt, warum er von reduzierten Anfangsbeiträgen nichts hält.
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Ist Versicherungsmakler und Experte im Bereich Berufsunfähigkeit: Gerd Kemnitz.

Pfefferminzia: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sollte man so früh wie möglich abschließen, weil sich dann die eigene Gesundheit noch in einem guten Zustand befindet und somit auch die Beiträge noch günstig sind, lautet der einhellige Rat von Experten. Was müssen speziell Auszubildende beachten, wenn sie diesen Rat beherzigen wollen?

Gerd Kemnitz: Wichtig zu wissen ist, dass der Abschluss als Auszubildender bereits zu spät sein kann. Denn die Berufsgruppeneinstufung erfolgt bei Azubis nach dem Zielberuf. Insbesondere für Jugendliche in einem körperlich oder psychisch anstrengenden Ausbildungsberuf kann dadurch der Beitrag trotz niedrigen Eintrittsalters und bester Gesundheit hoch bis unbezahlbar werden.

Aber auch Vorerkrankungen machen einen Abschluss zu Normalkonditionen häufig unmöglich. Laut einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse haben sich beispielsweise Depressionen von 13- bis 18-jährigen Schülern in den vergangenen zehn Jahren um 120 Prozent erhöht. Mit solch einer Diagnose in der Patientenakte wird der Abschluss auch als Azubi problematisch.

Deshalb mein ausdrücklicher Hinweis: „So früh wie möglich“ beginnt für Schüler ab dem 10. Lebensjahr. Und wer nach Abschluss der Schule einen sogenannten Risikoberuf erlernen will, sollte seine Versicherung unbedingt noch als Schüler beantragen.

Was gilt es bei der Höhe der BU-Rente zu beachten?

Die maximal versicherbare BU-Rente ist bei Azubis niedrig und meist nicht für das gesamte Berufsleben ausreichend. Gute Möglichkeiten zur Erhöhung während der Vertragslaufzeit sind deshalb wichtig. Damit meine ich nicht nur Nachversicherungsgarantien sondern auch die Möglichkeit einer Dynamik, um den jährlichen Kaufkraftverlust durch die Inflation ausgleichen zu können. Auf Ratings der Analysehäuser kann man sich hierbei nicht verlassen. Diese vergeben ihre Bestnoten auch für Tarife, die bei BU-Renten in üblicher Höhe keine Dynamik ermöglichen.

Ich kann jungen Leuten beziehungsweise deren Eltern nur empfehlen, sich umfassend von einem Spezialisten beraten zu lassen. Es ist ein Irrglaube, man könne die optimale Berufsunfähigkeitsversicherung mit wenigen Klicks online abschließen.

Gibt es rechtliche Fallstricke beziehungsweise bestimmte Klauseln, über die Makler womöglich stolpern könnten, wenn sie Auszubildende beraten?

Da gibt es schon einige Punkte zu beachten. Selbstverständlich ist es wichtig, dass der Azubi auch guten Schutz während der Ausbildung genießt. Aber genauso wichtig ist ein umfassender BU-Schutz für die Zeit danach. Deshalb sollte der Makler auch die beruflichen Ziele des Interessenten – beispielsweise anschließendes Studium, Schritt in die Selbstständigkeit oder beabsichtige Beamtenlaufbahn – erfragen und in seiner Empfehlung berücksichtigen.

Außerdem darf der empfohlene Tarif keine benachteiligende Azubi-Klausel enthalten. Es gibt immer noch Tarife, die bei Berufsunfähigkeit während der Ausbildung abstrakt verweisen oder nur bei Erwerbsunfähigkeit Leistungen erbringen.

Entscheidend für Leistung oder Nicht-Leistung kann auch sein, ob während der Ausbildungszeit der angestrebte Zielberuf oder die Ausbildungstätigkeit versichert ist. Die Vor- und Nachteile sollte der Makler kennen.

Aber auch ein berufsunfähig gewordener Azubi wird nicht sein ganzes Leben untätig bleiben wollen. Wenn er dann eine andere Ausbildung beginnt oder eine ungelernte Tätigkeit aufnimmt, wird wichtig, ob der Versicherer im Rahmen seiner konkreten Verweisung die niedrigere Lebensstellung (soziale Wertschätzung und Einkommen) des Azubis heranzieht – oder die höhere Lebensstellung, die regelmäßig mit dem Zielberuf erreicht wird. Doch spätestens hier wird es knifflig, denn die meisten Versicherungsbedingungen lassen diese Frage unbeantwortet.

Naturgemäß ist das Budget von Berufsanfängern besonders eng bemessen. Wie gehen die Versicherer auf diese Problematik ein und wie bewerten Sie diese?

Viele Versicherer bieten BU-Tarife mit reduzierten Anfangsbeiträgen. Das kann zwar das Budget von Berufsanfängern in der Anfangsphase schonen, macht den BU-Schutz nach Ablauf der Startphase aber überdurchschnittlich teuer. Nach meiner Erfahrung ist diese Variante für Azubis meist uninteressant. Denn sie werden bei der Beitragszahlung ohnehin von den Eltern unterstützt. Und welche Eltern wollen bei ihrem Sponsoring von niedrigen Anfangsbeiträgen profitieren, wenn ihr Kind später umso mehr bezahlen muss?

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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