BU-Leistungspraxisstudie von Franke und Bornberg

Junge Leute schummeln häufiger bei Gesundheitsfragen

Zu 16. Mal hat das Analysehaus Franke und Bornberg die größten deutschen Berufsunfähigkeitsversicherer unter die Lupe genommen. Überzeugen konnten sie vor allem mit einer hohen Leistungsquote und vergleichsweise wenigen Ablehnungen. Nachholbedarf herrscht hingegen in Sachen Digitalisierung. Hier kommen die Details.
© Neuenhausen
Michael Franke ist Geschäftsführer von Franke und Bornberg.

Im Rahmen ihrer alljährlichen Leistungspraxisstudie haben sich die Experten von Franke und Bornberg wieder den Markt der BU-Versicherer angeschaut. Teilnehmer der Untersuchung waren Generali Deutschland, Ergo Vorsorge, HDI, Nürnberger und Zurich – und bei keinem von ihnen stellten die Analysten Anhaltspunkte für eine Leistungsverweigerung mit System fest.

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Denn: Knapp 80 Prozent aller abgeschlossenen Regulierungen endeten laut der Studie in einer Anerkennung der Leistungspflicht. Zieht man nur Fälle heran, bei denen die versicherte Monatsrente mindestens 300 Euro beträgt, liegt die Leistungsquote bei 76,4 Prozent – und diese Zahlungsbereitschaft sinkt auch bei höher ausgehandelten Renten nicht erkennbar. Insgesamt gingen mehr als 625 stichprobenartige Leistungsfälle in die Studie mit ein – laut dem Analysehaus lag der Fokus dabei auf komplizierteren Regulierungen.

Die Analysten wollten auch wissen, woran es lag, wenn Versicherer Leistungsanträge ablehnen. Das Ergebnis:

Die meisten Ablehnungen erfolgen, weil der vertraglich vereinbarte BU-Grad (in der Regel 50 Prozent) nicht erreicht wird. Mehr als die Hälfte aller negativen Entscheidungen (55 Prozent) sind auf diesen Grund zurückzuführen. Schaut man auf die verschiedenen Altersklassen, so zeigt sich: Besonders häufig bewilligt werden Berufsunfähigkeitsrenten für Versicherte zwischen dem 46. und 58. Lebensjahr.

Bei jungen Erwachsenen im Alter von 17 bis 35 Jahren hingegen kommt es überdurchschnittlich häufig zu Ablehnungen: Das sei vor allem auf die vorvertragliche Anzeigepflicht zurückzuführen, schreibt Franke und Bornberg. Fast die Hälfte aller Ablehnungen (47 Prozent) wegen Verletzung der Anzeigepflicht entfallen auf diese Altersgruppe.

Welche Krankheiten machen berufsunfähig?

Am häufigsten waren erneut psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen verantwortlich für einen frühzeitigen Berufsausstieg (rund 26,6 Prozent). Darauf folgten Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems auf dem zweiten (23,8 Prozent) und Krebserkrankungen auf dem dritten Platz (19,11 Prozent).

Wenig digitale Unterstützung für Kunden

In Sachen Digitalisierung müssen sich die BU-Versicherer hingegen noch etwas mehr anstrengen, wie die Studie zeigt. Zwar gibt es heutzutage kaum noch Anbieter ohne Digitalisierungsprojekte auf der To-Do-Liste. Diese fokussiere sich aber meist auf interne Prozesse wie die Kundengewinnung. Bei der digitalen Unterstützung im BU-Leistungsfall gebe es Nachholbedarf, findet Michael Franke, Mitgründer und Geschäftsführer von Franke und Bornberg.

Immerhin: Etabliert habe sich mittlerweile das Telefoninterview zwischen Sachbearbeiter und Anspruchsteller. Video-Chat, Desktop-Sharing oder Telefonkonferenz blieben jedoch zumindest in der Zeit vor Corona hinter ihren technischen Möglichkeiten zurück. 

„Die Versicherer haben die Chancen der Digitalisierung für den Leistungsfall zwar erkannt“, schlussfolgert Franke. „Sie müssen aber zunächst die oft betagten Bearbeitungssysteme modernisieren, um überhaupt für neue Techniken offen zu sein. Kostbare Zeit, die jetzt fehlt“, so Franke weiter. „Seit Corona ist beispielsweise die traditionelle Außenregulierung kaum noch möglich.“

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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