Betriebliche Krankenversicherung

„Das Kern-Verkaufsargument ist die Mitarbeiterbindung“

Die Corona-Pandemie hat die Gesundheit überall stark in den Fokus gerückt – auch im Vertrieb. Helmut Hofmeier, Vorstand Kranken- und Lebensversicherung im Continentale Versicherungsverbund, über den Markt der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) und die Hintergründe zum Start eines neuen bKV-Produktkonzepts.
© Continentale
Helmut Hofmeier ist Vorstand Kranken- und Lebensversicherung im Continentale Versicherungsverbund.

Pfefferminzia: Wie verbreitet sind betriebliche Krankenversicherungen bisher? Wo bestehen die größten Potenziale?

Helmut Hofmeier: Laut PKV-Verband haben aktuell 10.500 Unternehmen mit mehr als 800.000 Mitarbeitern eine arbeitgeberfinanzierte bKV eingerichtet. Vor fünf Jahren waren es lediglich 4.000 Unternehmen mit rund 500.000 Mitarbeitern. Das Geschäftsfeld ist gewachsen und verfügt weiterhin über großes Potenzial, denn die Mehrzahl aller Betriebe in Deutschland verfügt noch nicht über eine bKV. 33 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte könnten profitieren. Als Makler lohnt es sich daher, insbesondere kleine und mittelständische Betriebe ab zehn Mitarbeiter anzusprechen.

Die Corona-Pandemie hat das Thema Gesundheit stark in den Fokus gerückt. Kann die bKV davon profitieren?

Das ist in der Tat der Fall. Denn für viele Firmen ist es gerade jetzt besonders wichtig, ihre Mitarbeiter zu motivieren, bei ihnen zu bleiben und darüber hinaus neue Mitarbeiter zu gewinnen. Die Pandemie hat die Bedeutung der Mitarbeiterbindung in vielen Branchen verstärkt. Die bKV hilft den Unternehmen nachhaltig, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Denn mit einer bKV spürt ein Arbeitnehmer sehr schnell, dass sich der Arbeitgeber aktiv um sein Wohl kümmert.

Beiträge zur bKV galten zuvor als Barlohn, nun aber seit Jahresbeginn 2020 bis 44 Euro pro Monat als steuerfreier Sachlohn. Welche Bedeutung hat diese Änderung für den Vertrieb?

Wir haben mit vielen institutionellen Maklern darüber gesprochen, die diese Änderung begrüßen. Sie haben die steuerliche Einstufung zuvor durchaus als ein kleines Hemmnis im Vertrieb gesehen. Allerdings richtet nur wegen steuerfreiem Sachlohn kein Arbeitgeber eine bKV ein. Das Kern-Verkaufsargument bleiben die Mitarbeiterbindung und das Recruiting.

Die Continentale hat mit Concept Choose ein neues bKV-Angebot auf den Markt gebracht, das auf einem festen Budget pro Mitarbeiter basiert, aber flexible individuelle Leistungen ermöglicht. Was ist der Hintergrund für dieses Konzept?

Wir haben Arbeitgeberkunden ebenso wie große Maklerbetriebe zur bKV befragt und aufgrund der Erkenntnisse beschlossen, einen Budgettarif mit weitreichenden Wahlmöglichkeiten zu lancieren. Das bedeutet, der Arbeitgeber stellt jedem Mitarbeiter ein Gesundheitsbudget von 400, 800 oder 1.200 Euro zur Verfügung. Jeder Mitarbeiter bestimmt individuell, welche Leistungen er innerhalb dieses Budgets und dem versicherten Leistungspaket – ambulant, stationär oder beim Zahnarzt – in Anspruch nehmen möchte. Das ist auch interessant für diejenigen, die bereits über zusätzliche Gesundheitsabsicherungen verfügen. Sie können das Budget für andere Leistungen verwenden.

Welche Merkmale weist der Tarif neben den Wahlmöglichkeiten auf?

Einmal die Möglichkeit der Mitversicherung von Familienangehörigen. Das ist ein vielfach nachgefragter, echter Mehrwert. Dann die Übertragung der bKV bei einem Wechsel des Arbeitgebers. Der Vertrag kann in diesem Fall zu einem etwas höheren Preis privat übernommen werden oder – falls der neue Arbeitgeber bei der Continentale einen Vertrag besitzt – übertragen werden. Und schließlich die Chance, das Gesundheitsbudget systematisch zu erhöhen. Wird ein bKV-Budget nicht wahrgenommen, wird ein Teil automatisch dem Budget des kommenden Jahres hinzugefügt. So können auch deutlich höhere Kosten über die bKV abgedeckt werden; in der Spitze kann ein Arbeitnehmer sein Budget um 50 Prozent erhöhen.

Welche Bedingungen gelten für die Mitversicherung von Familienangehörigen?

Es gelten die gleichen Leistungen wie für den Mitarbeiter, auch das Budget ist das gleiche. Der Mitarbeiter ist der Beitragszahler, seine Familienangehörigen können drei Monate nach Abschluss der bKV ohne Gesundheitsfragen mitversichert werden.

Inwieweit erhöht sich der Verwaltungsaufwand für Arbeitgeber bei einer solch individuellen Lösung?

Gar nicht. Der Arbeitgeber hat durch die Budgets keinen zusätzlichen Aufwand. Auch insgesamt hält sich der zusätzliche Verwaltungsaufwand durch die bKV in Grenzen. Um die Arbeitgeber mit schlanken Prozessen zu unterstützen, haben wir eine Portallösung unter dem Namen Concorp entwickelt. Der Arbeitgeber hat dort stets einen aktuellen Überblick über alle bestehenden Verträge und kann alle An- und Abmeldungen vornehmen. Auch bKV-Leistungen von Familienangehörigen können über das Portal verwaltet werden. Gerade für kleinere Unternehmen ist es wichtig, dass die bKV-Verwaltung einfach und ohne zusätzliche Kosten leistbar ist. Der Arbeitnehmer und deren Familienangehörige können Leistungen und Schadenfälle über unsere Continentale Rechnungs-App einreichen.

Wie lautet Ihre Prognose für die nächsten Jahre?

Die bKV wird sich sehr stark weiterverbreiten. Jeder Makler mit Firmenkundenkontakten sollte sich damit beschäftigen. Das Produkt ist wesentlich einfacher zu verstehen als etwa eine betriebliche Altersversorgung, der Aufbau von Kompetenz in diesem Bereich vergleichsweise unkompliziert. Was die gesetzliche Förderung anbelangt, würde ich es sehr begrüßen, wenn die arbeitgeberfinanzierte bKV ebenso gefördert würde wie die bAV. Derzeit sehe ich allerdings keine Anzeichen dafür. Als Versicherer gehören wir zu den Leistungserbringern in der Gesundheitsvorsorge und werden uns auf der politischen Ebene dafür einsetzen, dass sich hier spätestens nach Abklingen der Pandemie etwas verändert.

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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