Erst mal abwarten und nicht aktiv werden – so könnte man aktuell wohl die Haltung vieler Mittelständler in Sachen betriebliche Altersversorgung (bAV) beschreiben. Das legt auch die Studie „Kubus Gewerbekunden bAV“ der Unternehmensberatung MSR nahe. Eine Umfrage im ersten Halbjahr 2021 unter 750 Firmen mit 6 bis 250 Mitarbeitern ergab nämlich, dass Vertriebler zwar bei den Firmenkunden aktiv waren und um diese Absicherung warben. Sie stießen dabei aber auf einen gedrosselten Bedarf.
Die Personalverantwortlichen in den Unternehmen waren auch deutlich seltener daran interessiert, sich aktiv Informationen zur bAV einzuholen. Nur 28 Prozent haben sich laut Umfrage diesbezüglich beraten lassen. Das sind satte 12 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Der Anlass für solche Beratungen war in zwei Dritteln der Fälle darauf zurückzuführen, dass Mitarbeiter sich nach einer bAV erkundigten. In etwa jedem zweiten Fall war das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ausschlaggebend.
Das pandemiebedingt geringere Interesse machte sich auch in der Neuabschlussquote von Rahmenverträgen der bAV bemerkbar, heißt es von MSR weiter. Im Vergleich zum Vorjahr lag sie um ein Drittel niedriger als 2020. Gerade Kleinstunternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern wiesen weniger Neuabschlüsse auf (minus 37 Prozent) und Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern auch (minus 55 Prozent).
Die Studienautoren sind trotz dieses Einknickens bei der Nachfrage aber überzeugt, dass die bAV „perspektivisch ein hochrelevantes Wachstumsfeld für die Versicherer“ ist – und für die Unternehmen ein „relevantes Instrument zur Mitarbeitergewinnung und bindung“. So gaben denn auch 63 Prozent der Befragten an, dass die bAV für sie ein geeignetes Instrument zur Mitarbeitergewinnung sei. Und drei Viertel meinten dies für die Bindung von Mitarbeitern.
Dass die Unternehmen beim Personal Gas geben müssen, liegt am immer heftiger werdenden Fachkräftemangel. Laut Bundesagentur könnten 2025 rund 6,5 Millionen Menschen weniger in der Arbeitswelt aktiv sein also noch 2015. Ein Grund: Die Babyboomer-Generation geht nun langsam in Rente, und es kommen zu wenige Arbeitskräfte aus den jüngeren Jahrgängen nach, um das auszugleichen. Außerdem führen die zunehmende Digitalisierung und der häufigere Einsatz von künstlicher Intelligenz zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen.
„Wir sind auf dem Weg in die Vollbeschäftigung, mit all den positiven Auswirkungen für Arbeitnehmer und den ‚katastrophalen‘ Auswirkungen für die Unternehmen“, fasste Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky die Entwicklung in einem Interview mit Pfefferminzia zusammen. In den Branchen IT und Unternehmensberatung etwa herrsche schon jetzt ein extremer Mangel an Fachkräften.
Diese Situation erhöht natürlich den Wettbewerb unter den Betrieben nach den besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man will sich als spannender Arbeitgeber präsentieren, der sich um seine Belegschaft kümmert. Und wie kann das gelingen? Nun, die betriebliche Altersversorgung kann hier neben der betrieblichen ein geeignetes Mittel sein. Das belegen auch immer wieder Umfragen.

So geben in einer Befragung des Versicherungsmaklers Aon aus dem Herbst 2021 knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer zwischen 18 und 29 Jahren an, dass sie bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes auf eine bAV achten. Dabei sei das Potenzial der betrieblichen Altersversorgung auch deshalb so wichtig, weil das Sicherheitsbedürfnis der jüngeren Generation groß sei. 80 Prozent stimmen dem zu. Zudem wünschen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allen Altersstufen mehr Kommunikation und Transparenz.
„Gerade in Zeiten von Zinstief und reduzierten Garantien ist es dringend geboten, der jüngeren Generation attraktive Angebote zu machen“, sagt Simon Mayer von Aon. Einige Unternehmen würden bereits wertpapiergebundene Zusagen mit guten Renditeaussichten nutzen. „Wer die bAV gezielt für eine gerechtere Altersversorgung nutzt, sichert sich motivierte Arbeitnehmer aller Generationen und damit nachhaltigen Unternehmenserfolg“, so Mayer weiter
Die Nachfrage ist also durchaus da – nur bieten viele Unternehmen oft noch nicht eine bAV an, die richtig sexy ist für die potenziellen neuen Arbeitnehmer. Ein Beispiel: der Arbeitgeberzuschuss. Seit Anfang dieses Jahres hat jeder, der über eine bAV im Rahmen einer Entgeltumwandlung verfügt, ein gesetzlich verankertes Recht auf einen Zuschuss vom Arbeitgeber – unabhängig davon, wann er den Vertrag abgeschlossen hat. „Mit der neuen Regelung verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, die bAV weiter zu stärken und die Leistung zu erhöhen“, erklärt Ralf Raube, Bereichsvorstand bAV beim Finanzdienstleister MLP.
Das Problem dabei: Viele Firmen bieten hier nur das geforderte Minimum von 15 Prozent an. „Die bAV kann keine Wertschätzung und keine Zuwendung transportieren, wenn sie seitens des Arbeitgebers fehlt“, erklärte bAV-Expertin Cordula Vis-Paulus jüngst in einem Interview mit Pfefferminzia. „15 Prozent Pflichtzuschuss empfinden Mitarbeiter nicht als Wertschätzung – hier wird es mit dem Abschluss und der Akzeptanz schwierig“, sagt sie. Hier liegt es an den Beraterinnen und Beratern, dem Arbeitgeber klarzumachen, dass er mit einem höheren Zuschuss an Attraktivität bei potenziellen Bewerbern gewinnt – und den knauserigen Wettbewerber ausstechen kann.
Ein weiterer Punkt, in dem sich was tun sollte: Die betriebliche Altersversorgung sollte ein Stück weit digitaler werden. Die große Mehrheit der bAV-Experten äußert aktuell einen steigenden Bedarf an digitalen Lösungen für die Administration der Altersvorsorge. Das hat eine Umfrage der Generali unter 200 bAV-Verantwortlichen aus dem deutschen Mittelstand offenbart. Mehr als drei von vier bAV-Experten nennen mindestens einen digitalen Prozess, den der eigene Betrieb inzwischen nutzt, beziehungsweise benötigt.
Auch bAV-Expertin Vis-Paulus sieht hier Chancen: „Wird die digitale bAV richtig gespielt, kann sie einem guten Berater noch besseren Zugang verschaffen, launigen Chefs eine Möglichkeit sein, überhaupt das Thema anzunehmen, die Chance bieten, aus ausgelutschten Firmenbelegschaften doch noch ein paar Verträge herauszuholen und für Berater mit wenig bAV-Erfahrung, aber willigen bAV-Kunden, eine gewinnbringende Geschichte sein.“
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