Es sind oft Details, an denen man merkt, dass ein Megatrend immer mehr um sich greift. So auch im Bereich der Nachhaltigkeit. Anfang des Jahres etwa kündigte die Fast-Food-Kette McDonald’s an, bis 2025 in allen 37.000 Restaurants weltweit nur noch Verpackungen aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen nutzen zu wollen und sämtliche Verkaufsverpackungen wiederzuverwerten.
Der Shampoo-Hersteller Head & Shoulders hat derweil eine Shampoo-Flasche entwickelt, die zu 20 Prozent aus recyceltem, an europäischen Stränden gefundenem Plastikabfall besteht. Und der Discounter Lidl hat mit dem Jahreswechsel alle Kunststoffkorken aus seinem Sortiment verbannt und durch eine Variante aus nachhaltig angebautem Zuckerrohr ausgetauscht, die außerdem mithilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird.
Die Unternehmen reagieren damit auf den Wunsch vieler ihrer Kunden, bewusster und nachhaltiger zu leben und den Planeten zu schonen. So lassen sich beispielsweise 82 Prozent der Deutschen beim Einkaufen keine Plastiktüte mehr geben, zeigt eine repräsentative Studie im Auftrag von Natur-Energie-Plus. 80 Prozent der Befragten machen das aus Umweltgründen. Auch Ökostrom beziehen immer mehr Bundesbürger. 2017 waren es 10,5 Millionen Personen hierzulande – drei Jahre zuvor hatten sich erst rund 8 Millionen Menschen hierzu entschieden.
„Die Menschen werden immer mehr sensibilisiert für einen nachhaltigen Konsum. Steigende Energiepreise, wiederkehrende Extremwetterlagen – die Menschen merken, dass sie selbst einen nachhaltigen Beitrag leisten können“, erklärt Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV Versicherungen, diese Entwicklung.

„Grün“ ist auch bei Finanzdienstleistungen angesagt
Und auch im Bereich der Finanzdienstleistungen sei dieser Trend zu beobachten, ergänzt Fabrice Gerdes: „Die nachhaltigen Banken in Deutschland wachsen entgegen dem Markttrend seit Jahren stetig“, so der Geschäftsführer des Versicherungsmaklers „grün versichert“. Eine Entwicklung, die sich seiner Ansicht nach auch auf Versicherungen übertragen lässt. „Ich persönlich schätze das Potenzial für grüne Versicherungen in Deutschland als sehr groß ein, da die Themen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“
Mit dieser Ansicht steht Gerdes nicht alleine da. Derzeit nutzten über 16 Millionen Kunden nachhaltige Angebote aus dem Banken-, Lebensmittel- und Versorgersektor, erklärt auch Micha Hildebrandt, Vorstand der Vigo Krankenversicherung: „Wir gehen davon aus, dass das Kundenpotenzial für nachhaltige Versicherungen ähnlich groß ist.“ Das Problem dabei bisher: „Diesem bestehenden Kundenpotenzial steht derzeit ein sehr begrenztes ‚grünes‘ Versicherungsangebot zur Verfügung“, sagt Hildebrandt.
Und auch in der Beratung werde das Thema nachhaltige Versicherungen eher stiefmütterlich behandelt, findet Fabrice Gerdes. „Untersuchungen und die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre legen nahe, dass der überwiegende Teil der Kunden nicht weiß, dass es nachhaltige Tarife am Markt gibt, und daher nicht gezielt danach sucht oder seine Makler danach fragt“, sagt er. Vermittler sprächen das Thema nur selten bei ihren Kunden von sich aus an.

Wenn sie es jedoch machten, seien das Kundeninteresse und die Abschlusswahrscheinlichkeit sehr hoch, berichtet Gerdes von Maklererfahrungen, die an ihn herangetragen werden. Ein Gesprächseinstieg sei für Makler dabei gar nicht schwer. Gerdes: „Eine einfache Frage wie beispielsweise ‚Ist Ihnen wichtig, wo der Versicherer Ihre Beiträge anlegt?‘ reicht hierfür schon aus.“
Raus aus der Preisdiskussion
Für den Makler hat das Thema Nachhaltigkeit einige Vorteile, findet auch Arend Arends. Er gehöre regional damit zu den Ersten, der sich mit nachhaltigen Produkten profiliere. Er grenze sich zudem positiv von anderen Angeboten und Vermittlern ab und werte sein Image auf. „Das Wichtigste ist aber“, so Arends „dass der Makler aus der Preisdiskussion raus ist und mit dem Kunden über Mehrwerte der jeweiligen Produkte spricht.“
Welche „grünen“ Versicherungsprodukte gibt es aber überhaupt? Auch hier sieht man einige Bewegung im Markt. Immer mehr Versicherer werden aktiv und bringen neue Tarife auf den Markt, neben denen, die sich das Thema Nachhaltigkeit schon länger auf die Fahnen geschrieben haben.
Pro Vertrag ein Baum
Mit „grün versichert“ arbeiten gleich mehrere Versicherer zusammen. Die Itzehoer bietet zum Beispiel eine „grüne“ Kfz-Versicherung an. Allen Grün-versichert-Produkten sind dabei zwei Dinge gemein. „Wir garantieren, dass ein Betrag in Höhe des Jahresbeitrags des Kunden in eine ökologische und nachhaltige Anlageform investiert wird“, sagt Frederik Waller, Leiter Maklervertrieb der Itzehoer.
Das Kapital fließt also ausschließlich in Anlagen, bei denen bestimmte Negativkriterien ausgeschlossen sind und die ökologische und soziale Belange berücksichtigen. Zu den K.o.-Kriterien gehören dabei etwa Investitionen in die Herstellung von Kriegswaffen, gesundheitsschädigende Technologien, Tierversuche, Kinderarbeit und vieles mehr. Waller: „Darüber hinaus wird je Vertrag ein Baum in Indien zur Wiederaufforstung gepflanzt.“ Das Projekt soll durch die Bäume auch Wasser, andere Pflanzen und Tiere wieder in die Dürregebiete bringen, die durch Klimawandel, Bergbau und Abholzung entstanden sind.
Zum Teil bieten die Versicherer, die mit „grün versichert“ zusammenarbeiten, aber auch noch einige nachhaltige Details in ihren Produkten an. Die NV Versicherungen haben gleich mehrere nachhaltige Produkte im Angebot – Privathaftpflicht, Hausrat, Tierhalterhaftpflicht, Unfall und Wohngebäude.

Bei der NV Hausrat „grün versichert“ etwa beteiligt sich der Versicherer an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung über nachhaltige Unternehmen beziehungsweise an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung von nachhaltigen Geräten. Wer also den kaputten Kühlschrank, Geschirrspüler oder Trockner durch einen mit hoher Energieeffzienz ersetzt, bekommt von den NV Versicherungen eine Mehrleistung von bis zu 60 Prozent.
Beitragsnachlass von 10 Prozent
Das ist ein Service, den auch die Barmenia in ihrer Hausratversicherung anbietet. „Haushaltsgeräte können im Schadenfall zur höchsten Energieeffizienzklasse aufgewertet werden, normalerweise hätte man nur Anspruch auf ein gleichwertiges Gerät“, sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Eurich. Außerdem erhalten Menschen, die bestimmte Organisationen mit einer ökologischen und nachhaltigen Ausrichtung durch ihre Mitgliedschaft unterstützen, einen dauerhaften Beitragsnachlass von 10 Prozent.
Die Vigo, die seit Oktober 2017 Partner von „grün versichert“ ist, hat ebenfalls gleich mehrere grüne Versicherungsprodukte im Angebot. Die Tarifreihe „grün versichert-VZ“ beinhaltet die einzeln abschließbaren Tarife Klinik-Arzt, Klinik-1Bett, Klinik-2Bett, Krankenhaustagegeld, Zahn-Ersatz, Zahn-Behandlung und den Zusatz Naturheilkunde/Sehhilfen/Reiseimpfung.
Keine Risikozuschläge
Auch hier wird das Kapital nur nachhaltig angelegt und für jeden Vertrag ein Baum gepflanzt. Für die Zahntarife ist im Antragsprozess darüber hinaus nur eine Gesundheitserklärung abzugeben. Für die Klinik-Tarife und die Naturheilkunde-Ergänzung müssen Kunden neben der BMI-Abfrage nur eine Gesundheitsfrage beantworten. Außerdem gibt es keine Risikozuschläge. Der Auslandsreisekrankenversicherungstarif Auslandsreise.Nachhaltigkeit (ARN) sieht zudem im Versicherungsfall einen Bonus für emissionsarmes Reisen vor. Hildebrandt: „Die Nutzung CO2-armer Verkehrsmittel sowie nachhaltiger Unterkünfte wird somit gefördert.“

Der Versicherer die Bayerische, der im vergangenen Jahr die grüne Marke Pangaea Life gestartet hat, bietet dabei ebenfalls Produkte an. Es gehe darum, mit „sinnvollen Produktmerkmalen und einer fairen und attraktiven Kapitalanlage einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas und für einen aktiven Umweltschutz zu leisten“, erklärt das zuständige Vorstandsmitglied der Bayerischen, Martin Gräfer, das Konzept.
Eines dieser Angebote ist etwa die Kfz-Versicherung für Elektroautos und Hybridfahrzeuge „Pangaea Life E-Drive“. Der Versicherungsschutz deckt Ladestation und Ladekabel ab, ebenso Kurzschlussschäden und Folgeschäden an der Verkabelung und dem Antriebsakkumulator. Der Versicherer kommt auch für Tierbissfolgen am Akku auf und übernimmt bei dessen nicht vorsätzlich herbeigeführter Entladung die Kosten für die Pannenhilfe.
20 Prozent mehr Erstattung bei ökologisch fairer Herstellung
Ein weiteres Produkt der Pangaea Life ist die nachhaltige Hausratversicherung. Müssen nach einem versicherten Schaden beschädigte Gegenstände wie Möbel, Haushaltsgegenstände, Teppiche und so weiter neu angeschafft werden, ersetzt die Bayerische 20 Prozent mehr als in der klassischen Hausratversicherung, wenn die neu beschafften Objekte aus ökologisch fairer Herstellung stammen.
Ebenfalls neu dabei auf der Liste der Versicherer, die auf Nachhaltigkeit setzen, ist die Waldenburger. Neben einer grünen Haftpflicht- und Hausratversicherung gibt es dort auch einen nachhaltigen Wohngebäude-Tarif. Er leistet beispielsweise Mehrkosten für klimafreundliche Heizsysteme und stellt zur Schadenregulierung die Fachberatung durch Energieberater zur Verfügung.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.