Riester-Papst Joachim Haid

„70 Prozent aller Erkrankungen, die zu Zuschlägen & Co führen, sind vermeidbar“

Joachim Haid, Riester-Experte und Softfin-Chef, über sein neues Gesundheitsprogramm PaleoMental, vermeidbare Zivilisationskrankheiten, die Gesundheit von Maklern, und Versicherungen als Gesundheitsmanager des Kunden.
© Joachim Haid
Joachim Haid ist Riester-Experte, Softfin-Chef und nun auch Urheber seines eigenen Gesundheitsprogramms PaleoMental.

Pfefferminzia: Sie gelten als ausgewiesener Riester-Experte. Jetzt haben Sie das Gesundheitsprogramm PaleoMental ins Leben gerufen. Hatten Sie keine Lust mehr auf die Finanzbranche?

Joachim Haid: In den 20 Jahren meiner Maklertätigkeit, habe ich viele Anträge mit Gesundheitsfragen aufgenommen. Zu Beginn meiner Tätigkeit Mitte der neunziger Jahre gingen diese, bis auf wenige Ausnahmen, auch meistens glatt durch. 15 Jahre später ergab sich ein völlig anderes Bild. Der Gesundheitszustand meiner Mandanten schien sich nach und nach verschlechtert zu haben – nahezu unabhängig vom Alter. Immer häufiger musste ich zum Beispiel Allergien erfassen, der Body Mass Index nahm zu, so wie auch die Angabe psychischer Behandlungen. Dafür musste es doch einen Grund geben.

Heute kenne ich die Hintergründe dazu und weiß, dass rund 70 Prozent aller Erkrankungen, die zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder Ablehnungen führen, vermeidbar sind. Gleiches gilt übrigens für die meisten der Erkrankungen, die zum Leistungsfall führen. Die Entwicklung meines Seminarprogramms PaleoMental hat damit einen sehr großen Bezug zur Versicherungsbranche.

Das Programm beruht auf einer eigenen Challenge, die Sie durchgeführt haben. Was haben Sie geändert und welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?

Mit Anfang 30 war ich bereits sehr erfolgreich, fühlte mich allerdings erschöpft und ausgebrannt. Heute würde man sagen, ich war mit Vollgas auf dem Weg zu Burnout. So kam ich in Kontakt mit Michael Spitzbart und der Orthomolekular-Medizin. Ich kam aus meinem Loch heraus. Im Winter 2016/2017 kamen meine Familie und ich von einem Infekt zum nächsten. Ich hatte drei Jahre zuvor wieder mit sportlichen Aktivitäten begonnen und konnte mein Gewicht bereits von über 120 Kilogramm auf 105 bis 109 Kilo einpendeln. Weiter runter kam ich aber nicht.

Da erinnerte ich mich wieder an die Gespräche mit Herrn Spitzbart und beschloss, mich noch einmal intensiv mit dem Immunsystem zu beschäftigen. Ich kaufte mir ein Buch von Ulrich Strunz. Dadurch lernte ich die Wirkungen des heutigen hohen Zuckerkonsums auf den Körper kennen. Sollte es etwa daran liegen? War ich vielleicht zuckersüchtig? Es gab für mich nur einen Weg, das heraus zu finden – harter Entzug. Ich beschloss also, sechs Wochen lang jeglichen Zucker wegzulassen, wo es mir möglich war. Ich kaufte nur noch Lebensmittel, wenn diese maximal 5 Prozent Zuckeranteil hatten. Außerdem vermied ich konsequent alle weißen Kohlenhydrate und Getreide wie Brot, Gebäck, Nudeln, Reis, Kartoffeln.

Und?

Im Laufe dieser sechs Wochen verbesserte sich mein Gesundheitszustand enorm. Ich schlief tiefer, war konzentrierter und leistungsfähiger, sodass ich die sechs Wochen freiwillig auf sechs Monate ausdehnte. Nicht nur, dass zum Beispiel mein Zahnarzt feststellte, dass plötzlich meine Zahnfleischtaschen komplett ausgeheilt waren – zuvor hatte ich jahrelang damit zu kämpfen. Auch mein Gewicht reduzierte sich nach drei Jahren Stillstand endlich wieder und ich verlor während meiner persönlichen Challenge 15 Kilogramm Fettmasse. Heute ist aus dieser Challenge eine neue Ernährungsweise geworden. Außerdem habe ich inzwischen weit über 100 Fachbücher rund um die Themen Ernährung, Stoffwechsel, Medizin und Zivilisationskrankheiten gelesen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte ich PaleoMental.

2017 machte ich eine sportliche Ausbildung, habe seitdem die A-Lizenz Fitnesstrainer und bin als Personal-Trainer und Ernährungsberater im Rahmen von PaleoMental tätig. Weitere Ausbildungen im Gesundheitswesen plane ich derzeit.

Welche sind die Eckpfeiler von PaleoMental?

Mein Team und ich wollen kein zweiter Detlef D Soost, oder eine zweite Sophia Thiel sein. Wir wollen den Menschen als Ganzes und vor allem auch sehr individuell betrachten. Geist, Körper, Ernährung und Bewegung gehören zusammen. Genau darum geht es bei PaleoMental. Deshalb besteht mein Team neben mir aus Gordana Frank, einer Heilpraktikern Psychotherapie, Jürgen Gesierich, Buchautor, Intuitions- und Kochcoach und Peter Krauss als Profikoch im Hintergrund. Ich decke die Themen Orthomolekulare Medizin, Stoffwechsel, Sport und Ernährung ab. Das Paleo steht bei uns nicht für die bekannte Paleo-Diät – diese sehe ich in ihrer strengen Auslegung eher kritisch –, sondern für alt im positiven Sinn, also ursprünglich. Die Ergänzung Mental zeigt, wie stark die Verbindung zwischen Körper und Geist ist.

Ernährungsumstellung klingt ja immer ein bisschen nach Lebensmittel weg lassen müssen, nach Verzicht. Ist das bei Ihrem Programm auch so?

Hier möchte ich ein Zitat meines Co-Trainers, Jürgen Gesierich bemühen. Er sagt: „Der Mensch ist nicht das, was er isst, sondern er ist, was er verdauen kann“. Natürlich kann es sein, dass der eine oder andere bestimmte Lebensmittel nicht so gut verträgt und diese besser weglassen sollte. Ich bin hier selbst ein Beispiel, da ich an Unverträglichkeiten litt und glutenhaltiges noch immer nicht gut vertrage – obwohl ich keine Zöliakie habe. Es gibt auch Zusätze, die heute in fast allen industriell gefertigten Produkten stecken, die wir allgemein reduzieren sollten – der Zucker in seinen vielen Ausprägungen ist hier zum Beispiel zu nennen.

Im Seminar wollen wir aber zeigen, dass es nicht im Sinn irgendwelcher Illustrierten-Diäten darum geht, Kalorien zu reduzieren, oder nur noch Kohlsuppe zu essen. Wir wollen zeigen, dass nachhaltiger und gesunder Genuss im Einklang der Gene möglich ist – ganz ohne nachteilige Folgen des Konsums für unsere Gesundheit. Ganz im Gegenteil. Es muss einfach sein und vor allem ist eines wichtig: Es muss schmecken.

Vom 13. bis 15. Juli findet das erste Wochenend-Seminar zu PaleoMental statt. Was können die Teilnehmer dabei lernen?

Am ersten Tag vermitteln wir viel Wissen zu den Hintergründen und wie alles zusammen hängt. Wieso funktioniert unser Körper heute so, wie er es tut? Wieso nehmen Zivilisationskrankheiten immer mehr zu, und wie kann dies vermieden werden? Wie kann ich, wenn ich bereits an den ersten Zipperlein, oder auch an ernsthaften Krankheiten leide, diese wieder heilen, oder zumindest so weit in den Griff bekommen, dass es mein Leben nicht einschränkt? Dabei haben wir viele spannende Experimente eingebaut, die für Aha-Effekte sorgen werden.

Am zweiten Tag wird es praktisch. Hier werden wir uns zum einen mit der Psyche beschäftigen und die Teilnehmer arbeiten heraus, wie sie Veränderungen vornehmen können. Weiterhin werden wie eine Sporteinheit machen, bei der jeder dabei sein kann und niemand überfordert wird. Als Highlight werden wir gemeinsam in Teams kochen. Dabei können die Teilnehmer das Wissen des ersten Tages in die Praxis umsetzen. Das Seminar endet am Sonntag gegen 17.00 Uhr mit dem Genuss des gemeinsam Gekochten. Da am 15. Juli das WM-Finale ist, werden wir dies natürlich gemeinsam anschauen, auch wenn Deutschland dieses Mal nicht dabei ist.

Wie viele weitere Seminare soll es noch geben in diesem Jahr?

Für Herbst 2018 planen wir ein weiteres Wochenend-Seminar und für 2019 arbeiten wir an einer PaleoMental-Seminarreise, die uns auf die wunderschöne Insel Ischia führen wird.

Können auch ganz speziell Makler & Co. etwas von Ihrem Programm mitnehmen?

Die Gesundheit der Vermittler, Makler und Finanzdienstleister wird zum einen persönlich von diesem Wochenende profitieren. Zum anderen entwickeln wir auch gerade Endkundenveranstaltungen mit dem Ziel, dass die Vermittler sich Zielgruppen erschließen können, mit denen sie vorher sonst nicht ins Geschäft kommen konnten.

Sie haben vor, Ihre Erkenntnisse auch in die Gestaltung von Versicherungsprodukten einfließen zu lassen. Was können wir hier erwarten?

Da ich inzwischen über einige Erfahrung im Bereich der Konzept-, Tarif- und Produktentwicklung verfüge, liegt es auf der Hand, die Erkenntnisse der vergangenen Jahre mit diesen Erfahrungen zu kombinieren. Es gibt erste Versicherungsprodukte, die gesundheitsbewusstes Verhalten belohnen, wie Vitality der Dialog, und erste Versicherungsvorstände sagen bereits, dass Versicherer in der Zukunft keine reinen Leistungserbringer mehr sein können, sondern zum Gesundheitsmanager des Kunden werden müssen. Das sind erste Ansätze, die das volle Potenzial allerdings noch nicht ausschöpfen. Ich habe hier konkrete Vorstellungen und Konzeptideen, die ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten kann. Es laufen die ersten Gespräche, so viel kann ich sagen.

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