Assekurata-Marktausblick

Entlastungen bei Krankenkassen machen es der PKV schwer

Die bevorstehenden Beitragssenkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dürften den privaten Krankenversicherern (PKV) nicht gut bekommen, erwartet das Ratingunternehmen Assekurata. Außerdem zeigt dessen Marktausblick, dass es der PKV auch 2017 nicht gelang, mehr Neu- als Abgänge in der Vollversicherung zu erzielen. Besser sieht es in der Zusatzversicherung aus.
© Assekurata
Ein Punkt der Marktanalyse: Assekurata hat die Entwicklung der Beitragsanpassungssätze in einer Grafik erfasst.

Der aktuelle PKV-Marktausblick des Ratingunternehmens Assekurata sagt ein schwieriges Jahr für die private Krankenversicherung (PKV) voraus. Ein wichtiger Grund: die Halbierung des Mindestbeitrags in der GKV für Selbstständige und Freiberufler auf 171 Euro im Jahr 2019. Daher werde es für diese Zielgruppe günstiger und somit attraktiver, im gesetzlichen Modell zu bleiben, so die Erwartung der Experten von Assekurata. Laut Marktausblick dürfte das Neugeschäftspotenzial in der PKV daher sinken.  

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Öffnung der GKV für Beamte eher ungefährlich  

Und auch die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der GKV werde wohl negative Auswirkungen auf das Neukundengeschäft der PKV haben.

Das sogenannte „Hamburger Modell“ dürfte hingegen nur wenig Gefahr für die Branche darstellen. Denn: Abgesehen von Hamburg stünden die anderen Bundesländer den Beamten-Zuschüssen in der GKV bisher eher skeptisch gegenüber, heißt es im Marktausblick.

Auch die Beamten selbst scheinen wenig von dem System zu halten:

„Wie wir im Rahmen unserer turnusmäßigen Kundenbefragungen ermitteln konnten, würden im Schnitt nur 12 Prozent der Beihilfeempfänger bei einer entsprechenden Wahlmöglichkeit einen Wechsel in die GKV anstreben. Drei Viertel hingegen lehnen einen solchen Schritt ab“, so Gerhard Reichl, Autor der Untersuchung und Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata. Das Einkommen spiele dabei keine Rolle. Das Alter dafür schon: In der Altersklasse 65 und darüber würden nur noch 6,5 Prozent der Beamten in die GKV wechseln.

„Neben der Tatsache, dass ein Wechsel rein Gesetzes wegen nur für unter 55-Jährige möglich ist, dürfte dies ganz wesentlich damit zusammenhängen, dass sich die Beitragslast der Beihilfeempfänger im Alter stark reduziert “, meint Reichl. „Mit der Pensionierung steigt die Beihilfe üblicherweise von 50 Prozent auf 70 Prozent, wodurch der Versicherungsschutz auf 30 Prozent verringert werden kann.“

Beitragsanpassungen eher geräuschlos

Da es sich um eine Restkostenversicherung handelt, liegen die Anpassungssätze im Beihilfebestand laut Assekurata deutlich unter denen im Normalgeschäft. Die 2018er Anpassung sei, anders als im Vorjahr, „relativ geräuschlos“ vonstattengegangen. Sie hätten mit 4,3 Prozent (Nicht-Beihilfe) beziehungsweise 2,3 Prozent (Beihilfe) ziemlich genau dem langjährigen Assekurata-Durchschnitt entsprochen.

Bestandsabrieb setzt sich fort

Unter dem Strich dominieren allerdings Themen, die sich für die PKV als nicht sehr motivierend erweisen. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 musste die Branche in der Vollversicherung mit minus 0,2 Prozent „erneut einen Bestandsabrieb hinnehmen“, berichten die Autoren.

Zwar setzte sich im Beihilfesegment der Trend steigender Zuwachsraten (plus 0,9 Prozent) weiter fort, allerdings mussten die Unternehmen bei den Normalversicherten mit minus 1,3 Prozent erstmals seit 2014 wieder einen höheren Bestandsverlust als im Vorjahr (minus 0,9 Prozent) verkraften.

„Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nichts ändern, da der Gesetzgeber mit dem Versichertenentlastungsgesetz die Wettbewerbsposition der Vollversicherung weiter geschwächt hat“, fasst Reichl zusammen.

Immerhin: In der Zusatzversicherung hat sich die Wachstumsrate leicht von 1,3 auf 1,7 Prozent verbessert, obwohl das Nettowachstum beim Wachstumstreiber Pflegetagegeld im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausfiel, wie es heißt.

Und dennoch: Der Rucksack, den die Branche zu schultern hat, wiegt schwer. Das zeigt auch der Blick auf die weiteren Herausforderungen, die es zu lösen gilt:

Treuhänderstreit

Zum Jahreswechsel 2017 haben viele Krankenversicherer die Beiträge in den von einer Anpassung betroffenen Tarifen zum Teil deutlich erhöhen müssen. Laut Marktanalyse zweifeln einige Versicherte jedoch an der Rechtmäßigkeit von durchgeführten Beitragsanpassungen und in diesem Zusammenhang an der Unabhängigkeit der Treuhänder. Diese war wohl nach Auffassung der Gerichte im Fall von Axa und DKV nicht gegeben, sodass bestimmte Beitragsanpassungen für unwirksam erklärt wurden.

Dies sorge für Verunsicherung, bemerken die Analysten, sodass als Reaktion hierauf erste Gesellschaften bereits überlegten, den Treuhänder nicht mehr bei der Überprüfung der Erstkalkulation einzusetzen. Diese sei aber aus Versichertensicht wünschenswert. Wichtig sei nun vor allem eine gewisse Sorgfalt der Verantwortlichen.

Rechnungszins

Assekurata schaute sich auch die Beitragsanpassung zum Jahresbeginn an. Hier reduzierte sich der durchschnittliche unternehmensindividuelle Rechnungszins bei der von der Ratingagentur geratenen Krankenversicherern von 3,06 Prozent auf 2,90 Prozent. Den Versicherern gelinge es bis heute nicht, die Lücke zwischen Rechnungszins und Unternehmenszins (AUZ) zu verringern. Grund dafür ist die seit 2012 stetig sinkende laufende Durchschnittsfinanzierung der Kapitalanlage.

Laut Assekurata ist der AUZ-Durchschnitt im Jahr 2018 von 2,87 Prozent auf 2,70 Prozent gesunken. Der Rechnungszins müsste also ebenfalls um rund 20 Basispunkte sinken, um diesen Wert zu erreichen. „Allein dieser Umstand zieht nach unseren Erfahrungen eine Beitragssteigerung von 2 Prozent bis 3 Prozent nach sich“, so Reichl. „Die Niedrigzinspolitik wird auch in den kommenden Jahren für Beitragsanpassungen durch weitere Rechnungszinsabsenkungen sorgen. Nachhaltige Ruhe an der Beitragsfront ist also vorerst nicht in Sicht“, erklärt der Experte.

Pflegeversicherung wird teurer

Dazu trage auch die angekündigte Anpassung in der Pflegepflichtversicherung bei. Bereits 2017 gab es Beitragserhöhungen aufgrund der Pflege-Reform. Ähnlich sehe es nun auch in der Pflegergänzungsversicherung aus. Im Assekurata-Durchschnitt stiegen die Bestandsbeiträge 2017 um rund 9 Prozent und um bis zu 30 Prozent. Dies, so Assekurata, könnte mitverantwortlich sein für den Wachstumseinbruch in der Branche.

„Eine zinsunabhängige Tarifierung ohne Altersrückstellung bis zu einem bestimmten Alter könnte auch in der Pflegetagegeldversicherung künftig weitere Verbreitung im Markt finden“, sagt Reichl voraus. „Hierdurch profitieren gerade jüngere Menschen von besonders günstigen Einstiegsprämien, was den Unternehmen einen besseren Zugang zu den Altersgruppen ermöglichen würde, die bislang wenig empfänglich für das Thema Pflege sind.“

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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