Mobile Endgeräte

Was Versicherungen für Smartphones und Tablets taugen

Versicherungen für Smartphones und Tablets sind ein wachsender Markt. Der Grund: Viele Besitzer wollen ihre Schaltzentrale des Lebens gut abgesichert wissen.
© Nadine Rehman
Das Handy ist kaputt, die Anschaffung eines neuen Smartphones recht teuer. Hier können Smartphone-Versicherungen einspringen.

Das neueste Gerät sollte es schon sein: Wer sich ein Smartphone anschafft, denkt oft nur wenige Monate später bereits an den nächsten Kauf. Jeder zweite Nutzer gibt an, sich immer das neueste Modell zu besorgen, bei der Mehrheit (61 Prozent) ist das Gerät maximal ein Jahr alt.

„Smartphones haben weiterhin einen kurzen Nutzungszyklus“, stellen die Umfragemacher vom Digitalverband Bitkom fest. Warum? Viele Verbraucher erhoffen sich vom aktuellsten Gerät eine längere Akkulaufzeit, mehr Speicherkapazität, eine bessere Kamera oder schnelleres Laden – und vor allem junge Leute wohl auch mehr Prestige in der „Community“.

Dabei kosten die modernen Alleskönner ein kleines Vermögen. Das Samsung Galaxy S9+ gibt es für schlappe 949 Euro, für ein brandneues iPhone X sind im offiziellen Apple-Shop sogar knapp 1.150 Euro zu berappen – und das auch nur, wenn man sich mit einer Speicherkapazität von 64 Gigabyte zufriedengibt. Wer 256 Gigabyte will, muss 1.319 Euro auf den Tisch legen.

Trend geht hin zu teureren Telefonen

Dabei zeigt sich, dass die Spitzengeräte der genannten Marktführer ihren Konkurrenten längst enteilt sind. Laut Bitkom zahlten die Deutschen im laufenden Jahr für ein Smartphone durchschnittlich nämlich „nur“ 426 Euro – doch insgesamt geht der Trend zu höheren Ausgaben: So wurden 2017 im Mittel lediglich 419 Euro ausgegeben, vor zwei Jahren waren es mit 386 Euro noch einmal deutlich weniger.

Wie ist das zu erklären? „Wenn Kunden sagen, dass sie inzwischen für ein neues Smartphone mehr zahlen als für das erste Auto – und auch bereit sind dies zu tun – , zeigt dies die emotionale Bindung an das Gerät“, sagt Tobias Haff, Geschäftsführer des digitalen Assekuradeurs Massup, der Absicherungen rund ums Thema Smartphone und Tablets vertreibt.

Quelle: Clickrepair

Sollte der „Schaltzentrale des Lebens“ etwas zustoßen, sei es durch Diebstahl oder durch einen Unfall, ist der Jammer entsprechend groß. Zwar kann der „emotionale Schaden“ von keiner Versicherung ersetzt werden, wohl aber die finanziellen Folgen. Und die entsprechenden Policen treffen offenbar einen Nerv: Laut einer Forsa-Umfrage aus 2017 gaben 40 Prozent der unter 30-Jährigen und 17 Prozent aller Erwachsenen an, ihr Handy versichert zu haben. Und wie ist es heute um die Nachfrage bestellt? „Konstant hoch“, antwortet Experte Haff.

Vorbehalte gegen die Spezial-Policen äußert indes der Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg. Kunden müssten nach einem Diebstahl hohe Anforderungen erfüllen, bevor sie Geld sehen, heißt es. Fast alle Anbieter verlangten demnach, dass der Versicherte das Gerät „im persönlichen Gewahrsam“ mitführt. Übersetzt: Das Smartphone müsse so nah am Körper getragen werden, dass der Diebstahlversuch ohnehin leicht zu bemerken und abzuwehren sei, so der Vorwurf.

Verbraucherschützer zweifeln am Nutzen

Die Marktwächter zweifeln daher den Nutzen einer Handy-Versicherung an – und verweisen lieber auf eine alternative Absicherung. „Bei Raub oder Einbruchdiebstahl haftet in der Regel die Hausratversicherung – und die zahlt im Gegensatz zu vielen Handy-Versicherungen sogar den Neuwert und nicht etwa den Zeitwert des Geräts“, sagt Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Der Vorteil: Im Gegensatz zur Handy-Versicherung haben viele Verbraucher bereits eine Hausratversicherung in der Schublade liegen – allerdings scheint dies mitunter dazu zu verführen, die bereits bestehende Versicherung auszunutzen beziehungsweise zu betrügen.

Betrug bei Elektronikgeräten

Immerhin 5 Prozent der Deutschen gaben laut einer Yougov-Umfrage an, schon einmal Versicherungsbetrug begangen zu haben, 10 Prozent haben bereits darüber nachgedacht. Besonders gern wird demnach bei angeblichen Versicherungsschäden mit Unterhaltungs- und Haushaltselektronik geschwindelt – bevorzugt bei der eigenen Hausrat- sowie Privathaftpflichtversicherung.

So stellt sich beispielsweise die Gothaer Versicherung auf „extra viel Post“ ein, wenn bei beliebten Smartphone-Modellen ein Nachfolgemodell rauskommt. Betrüger sollten aber nicht nur aus moralischen Gründen Abstand nehmen von ihrem Tun – es lohnt sich meist einfach nicht. Zwar bestätigt die Gothaer, dass die Hausratversicherung den Neupreis von beschädigten Sachen bezahlt. Aber: Betrüger stehen dann vor dem Problem, dass eine klassische Hausratpolice nur die Risiken Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser und Vandalismus abdeckt. Die häufigste Betrugsmasche, wonach „ein Freund“ das Gerät demoliert habe, ist also nicht erfasst.

Und was passiert, wenn die „Schusseliger-Freund“-Masche bei der formell zuständigen Haftpflichtversicherung platziert wird? Diese schaut laut Gothaer zunächst, ob eine Reparatur möglich ist. Gerade bei Elektrogeräten mit meist schnell sinkenden Preisen sei die Reparatur aber vielfach teurer als das, was das Gerät zum Zeitpunkt des Schadens wert war – den sogenannten Zeitwert. Diesen bekommt der Kunde auch nur erstattet. Der betrügerische Smartphone-Besitzer bekommt von der Haftpflichtversicherung daher nicht mehr, als er ohnehin beim Verkauf seines gebrauchten Geräts bekommen würde, erklären die Experten der Gothaer.

Gefahr für den Haftpflichtschutz

Auch Versicherungsexperte Haff warnt: „Kunden begehen damit nicht nur Versicherungsbetrug, sondern gefährden auch ihren wichtigen privaten Haftpflichtschutz.“ Denn wird der Betrugsversuch entdeckt, kündigt die Versicherung in jedem Fall den Vertrag – bei einer neuen Versicherung unterzukommen, ist dann so gut wie unmöglich. Und sollte die Akte an die Staatsanwaltschaft gehen, droht eine Anklage und Verurteilung wegen Betrugs.

Welchen Nutzen ehrliche Kunden von einem separaten Versicherungsschutz für Handys und Tablets haben, erklärt Experte Haff so: „Die Schadenfrequenz ist bei den Bruchschäden, die das Gros ausmachen, weiter hoch, und die Geräte werden insgesamt hochwertiger, das heißt, im Einzelfall steigt die Belastung für den Kunden.“

Von Beratern gut aufgenommen

Massup setzt dabei seit 2017 auf einen Smartphone-Schutz „für den ganzen Haushalt“, der in der Basisvariante mit 15 Euro pro Monat zu Buche schlägt. Die bisherige Bilanz sei erfreulich. „Das Produkt lebt von der persönlichen Beratung und wird vom Vermittler, der seinen Kunden eine passende und einfach abzuschließende Handy-Absicherung anbieten möchte, sehr positiv angenommen“, so Haff.

Sein Haus profitiert dabei von dem Umstand, dass viele Kunden ihre Geräte nicht mit einer Hülle schützen, da sie diese schlichtweg hässlich finden – so auch der Student Philip Frenzel. Er hat daher einen Smartphone-Airbag entwickelt. Und der geht so: Im freien Fall fährt das Gerät blitzschnell acht schützende Beine aus. Sollte sich der Airbag durchsetzen, hätte die Handy-Versicherung ein Problem, denn Smartphones mit Schutz gehen nur halb so häufig kaputt wie die ohne Schutz.

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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