Kolumne

Cyber – die unsichtbare und zerstörerische Gefahr

Die Cyberversicherung ist eines der schwergewichtigen Themen innerhalb der Assekuranz in den nächsten Jahren – vielleicht sogar einer der wichtigsten Versicherungszweige der Zukunft. Und dabei geht es nicht nur um die Absicherung von Cyberrisiken, sondern auch und insbesondere um Prävention und das Schaffen von Risikobewusstsein, erklärt Karsten Körwer, Geschäftsführer des Bildungsdienstleisters Perspectivum, in seiner Kolumne.
© picture alliance/Henning Kaiser/dpa
Mitarbeiter verfolgen im Cyber Defense Center der Telekom während einer Pressekonferenz zur Cyber-Sicherheit mögliche Cyber-Bedrohungslagen: Für Versicherungsmakler hat das Thema Cyber immenses Potenzial.

Cyber ist nur etwas für Großunternehmen?

Weit gefehlt. Die Frage lautet vielmehr nicht mehr ob, sondern nur noch wann ihr Kunde gehackt wird. Insofern bedarf es weder der Schaffung des Marktes, noch der besonderen Bedarfsdeckung – jeder vierte Bundesbürger ist in den vergangenen zwei Jahren bereits betroffen gewesen. Und es geht beileibe nicht nur um das sogenannte Hacken, sondern auch und insbesondere um Schadsoftware, Datenklau und – man höre und staune – Erpressung. Hier wird mit der vermeintlichen Veröffentlichung von beispielsweise sensiblen Fotos gedroht, was durch Zahlung von Bitcoins vermieden werden kann.

Neben einem adäquaten Versicherungsschutz bedarf es daher auch einer Fülle von Präventivmaßnahmen, die zu ergreifen sind. Und hier tappen viele Menschen sprichwörtlich noch im Dunkeln. Der Besitz und Einsatz von Virenscanner-Programmen ist dabei noch nicht einmal mehr Basisanforderung. Nehmen wir als Beispiel den kleinen Handwerker, der im eigenen Haus auch noch ein Arbeitszimmer hat. In der Regel hat er aber für seinen Betrieb kein eigenes Netzwerk, sondern hält sich im Hausnetzwerk auf – in dem parallel seine Kinder online zocken.

Die Versicherungslandschaft

In einer noch sehr jungen Produktwelt sehen wir uns zwar geeigneten Konzepten gegenübergestellt, jedoch sind diese zumeist noch völlig untertarifiert. Hier wird zu schon fast unrealistisch guten Prämien Versicherungsschutz angeboten. Die Sorge ist demnach, dass bei allen vertrieblichen Aktivitäten und dem Einsammeln von Geschäft, uns dies – hoffentlich nicht in absehbarer Zeit – nach einem entsprechenden Schaden um die Ohren fliegt.

Insofern ergibt es Sinn, Inhalte, Leistung und Preis durchaus im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten zu vergleichen. Teuer ist nicht die unbedingte Empfehlung, aber ein genaues Hinsehen auf die Prämie ist ein unabhängiger Rat. Zu empfehlen ist in jedem Falle auch zu prüfen, welche Zusatzleistungen über den eigentlichen Versicherungsschutz hinaus, quasi als Assistance-Leistung mitversichert ist. Hier sprechen wir von Krisenmanagement, Datenforensik, Datenwiederherstellung und dergleichen.

Krisenmanagement als treffsicheres Argument

Krisenmanagement – häufig unterschätzt und in der konkreten Situation doch unerlässlich. Denn welche sind die konkreten und vor allen Dingen schnellstmöglich erforderlichen Handgriffe und Schritte? Und welche Maßnahmen sind auch gegenüber den eigenen Kunden und Partnern erforderlich? Hier geht es um zunächst kaum einschätzbare Schadenhöhen, wenn zum Beispiel der Geschäftspartner des Kunden durch die Weitergabe von Schadsoftware im Korrespondenzverkehr geschädigt wird – einmal abgesehen von der eigenen Reputation.

Daher hat Krisenmanagement auch ein Präventivstadium – und hier fehlt es zumeist an konkreten Inhalten. Also zum Beispiel, was ist wann und in welcher Form zu tun, wenn der Fall der Fälle eintritt? Hier gilt es zu Bedenken, dass der oder die Verantwortlichen ebenfalls im Zweifelsfall einer Schrecksekunde unterliegen. Und dann ist es schon ziemlich sinnvoll zu wissen, wo man nachzuschauen und entsprechend den Anweisungen zu handeln hat.

Die Weiterbildung

Kaum ein Thema wird uns in Zukunft noch so ausgeprägt beschäftigen, wie das Thema Cyber. Hier bedarf es einer Menge Kompetenz, Strategie und vor allem guter Konzepte. Das betrifft insbesondere die Berater vor Ort. Und natürlich auch uns als Bildungsdienstleister. Denn um eine solche Komplexität zu händeln, ist mehr als nur ein Grundwissen notwendig – hier wird Expertenwissen benötigt. Zudem reden wir hier nicht nur von Vorsorge durch Versicherung – es geht auch und insbesondere um Präventivmaßnahmen – und natürlich um Einschätzung des Risikos.

Es ist also folgerichtig, dass hier adäquate Weiterbildungen angeboten werden – Persprectivum wird hier gleich mehrere Formate anbieten. Zunächst lautet die Empfehlung, sich mit dem Thema vertraut zu machen. Dabei muss man nicht gleich der Experte für das Darknet werden – aber um die Art der Cyberangriffe und -schäden zu wissen, macht es am Ende einfacher, die Sprache des Kunden zu sprechen.

Cyber als Türöffner

In jedem Falle ist Cyber einer der ultimativen Türöffner. Aus der vertrieblichen Sicht gibt es eine Vielzahl von sehr effektiven Beratungsansätzen, die nicht nur die Tür öffnen und den Berater blitzschnell ins Gespräch mit dem Kunden bringt. Cyber ist um ein Vielfaches mächtiger und damit auch ein zentrales Thema, bei dem es sich lohnt, es unbedingt in das Tagesgeschäft mit einzubinden. Nicht nur, dass hier mehr Geschäft droht – vielmehr eignet sich wohl kaum ein Thema so gut um nahezu beispiellos Cross-Selling erfolgreich zu betreiben. Selbst die Brücke zu einer anderen Sparte ist vertrieblich traumhaft.

Wenn nicht Cyber, was dann?

Fazit: Wer auf dieses Pferd nicht aufspringt, verpasst nicht nur Gelegenheiten. Im Zweifelsfall wird er/sie sich gegenüber dem Kunden durch Tun oder Unterlassen positionieren. Und das kann wohl in Zukunft schon zur Frage führen, ob der Kunde bleibt oder eben nicht. Und dann geht es bei der Frage der Betreuung des Kunden wohl nicht mehr nur um das Thema Cyber. Zudem ist es ein brisantes Thema mit einer Menge an Zündstoff und auch jeder Menge Haftungspotenzial. Und apropos Haftung – die Maklerhaftung macht auch vor einem solchen Thema nicht halt. Das gilt im Übrigen auch bei der Auswahl eines geeigneten Produktes. Hier sollte ein Vergleich in jedem Falle zu den üblichen Handgriffen gehören.

Wer also das Thema auf seine Agenda hieven möchte der ist gut beraten, sich über qualifizierte Weiterbildungsmaßnahmen zu informieren, und diese auch in Anspruch zu nehmen – Sie lassen sich ja auch nicht von einem Hobbyfahrschullehrer das Fahren beibringen. Einen Punkt haben wir in diesem Zusammenhang noch gar nicht beleuchtet – nämlich die Visitenkarte, die mit einem entsprechenden Bildungsabschluss versehen gerade bei einem derartig sensiblen Thema Vertrauen schafft/schaffen kann.

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Autor

Karsten Körwer ist Direktor Versicherungen der Apella AG und Inhaber der PERSPECTIVUM GmbH.

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