Pfefferminzia: Eine Investition in Aktien oder Fonds an der Börse scheitert bei vielen Sparern an der Angst vor Verlusten. Was spricht trotzdem dafür, Geld in Fonds anzulegen?
Guntram Overbeck: Zunächst einmal gibt es beim Thema Angst aus meiner Sicht zwei Aspekte. Einerseits ist da das Risiko und andererseits die Gefahr. Die Gefahr bei einer Aktienfondsanlage einen Verlust zu erleiden, ist grundsätzlich gegeben. Bei der Betrachtung des Risikos, also der Wahrscheinlichkeit einen Verlust zu erleiden, gilt es jedoch zu unterscheiden: Bei einer kurzen Laufzeit ist das Verlustrisiko hoch. Bei Laufzeiten von 15, 20 Jahren oder länger – und dieser Zeitraum ist bei Altersvorsorgeprodukten erstrebenswert – mussten Anleger bei einem beispielhaften Sparplan in DAX-Werten bisher keine Verluste verzeichnen.
Betrachte ich nun im Vergleich dazu Gefahr und Risiko bei Festgeld oder Sparbuch, ergibt sich Folgendes: Die Verlustgefahr ist auf den ersten Blick gering, allerdings ist das Risiko, tatsächlich Geld zu verlieren, sehr hoch. Denn bei minimalen Zinsen und gleichzeitiger Inflation sinkt der Wert des Geldes Jahr für Jahr. Genau diese Problematik macht die Anlage in Investmentfonds so attraktiv im Vergleich zu den niedrigverzinsten Alternativen.
Warum können Kursschwankungen sogar gut für die Wertentwicklung des Investments sein?
Kursschwankungen sind notwendig, um Rendite zu erwirtschaften. Würde es kontinuierlich aufwärts gehen, müsste der Sparer seine Anteile stetig teurer einkaufen. Ohne Kursschwankungen, gäbe es keinen Cost-Average-Effekt und die Renditeerwartungen wären deutlich geringer, als sie es heute tatsächlich sind. Selbst Finanzkrisen sind für Sparverträge gigantisch gut.
Dennoch besteht die Angst vor einem Verlust. Wie kann sich der Kunde davor sinnvoll absichern?
Über die Teilabsicherung seines Guthabens. Möchte der Kunde bisher angespartes Kapital, aus welchen Gründen auch immer, sichern, kann er das selbstverständlich auch. Wir raten jedoch dazu, nur das vorhandene Vertragsguthaben in eine weniger volatile Anlage wie das Sicherungsguthaben umzuschichten. Empfehlenswert ist es, die monatlichen Beiträge dagegen weiter in Fonds zu investieren. Auch das gesicherte Vermögen kann auf Wunsch nach und nach wieder zurück in den Markt investiert werden. Das wird allerdings unserer Erfahrung nach oft vergessen und Renditechancen werden damit vertan.
Was kann dem Kunden helfen, Risiken besser einzuschätzen?
Eine Möglichkeit ist unser Zukunftssimulator. Dieses Tool haben wir für Berater entwickelt, die ihren Kunden im persönlichen Gespräch die Auswirkungen bestimmter Parameter zeigen möchten. Natürlich kann kein Tool die Zukunft vorhersagen, jedoch lassen sich verschiedenste Szenarien damit simulieren
Notwendig sind dazu lediglich drei Angaben seitens des Kunden, wie gewünschte Vertragslaufzeit, erwarteter Dax-Wert sowie der maximal befürchtete Verlust. Mithilfe von den daraus 60 zufällig generierten Szenarien lässt sich anschaulich zeigen, dass sich Kapitalmarktschwankungen in der Regel positiv auf die Rendite auswirken.
Wie lange muss Geld angelegt werden, damit es eine gute Rendite bringt?
In der Altersvorsorge liegt der kürzeste Anlagehorizont bei 8 Jahren. Besser sind 10 bis 15 Jahre und noch besser 20 oder mehr Jahre. Je mehr Zeit zur Verfügung steht, umso mehr Schwankungen können für eine Renditesteigerung genutzt werden
Welche Anlagestrategien empfehlen Sie, um die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes möglichst gering zu halten?
Bei der Anlagestrategie kommt es auf den jeweiligen Kunden und dessen Risikoneigung an. Grundsätzlich sollten Sparverträge volatiler investiert werden, weil sie langfristig angelegt sind und dabei, wie gesagt, von Schwankungen des Finanzmarktes profitieren können. Aber auch bei Einmalanlagen kann über ein Anlaufmanagement nach und nach in die Fondsanlage investiert und somit die Gefahr eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts reduziert werden. Auf diese Weise lässt sich auch bei der Einmalanlage ein besseres Chance-Risiko-Profil erreichen.
Was geschieht, wenn der Kunde unerwartet Kapital aus der Police abziehen muss?
Entnahmen sind selbstverständlich jederzeit möglich. Das können planmäßige Entnahmen sein ebenso wie Teilentnahmen oder Auszahlungen als Rente. Ohnehin war es uns bei der Gestaltung unserer Fondspolice wichtig, so flexibel wie möglich zu sein. Das heißt, es gibt keine feste Laufzeit. Denn wer weiß heute schon, ob in 15, 20 oder 30 Jahren das Renteneintrittsalter tatsächlich noch bei 67 Jahren oder doch eher bei 70 Jahren liegen wird. Sie brauchen also mit 65 oder 67 Jahren das Geld aus ihrem Vertrag sehr wahrscheinlich noch nicht und wenn, dann nur zum Teil. Wie auch immer die Lebenssituation sein wird, der Tarif sollte sich in jedem Fall an das Leben des Kunden anpassen lassen und nicht umgekehrt. Tarife mit fester Laufzeit, gehören ins Museum.
Warum kann das Einschalten eines Ablaufmanagements sinnvoll sein?
Wenn das Sicherheitsbedürfnis des Kunden im Alter steigt, ist es sinnvoll, das Kapital in sicherere Anlagen umzuschichten, beispielsweise in den Deckungsstock.
Bei uns legt der Kunde fest, wie hoch die Sicherheit sein soll. In der Folge wird nur dann umgeschichtet, wenn die Märkte (antizyklisches Handeln) oder der Anteil des Sicherungsguthabens steigt. Ein zyklisches Umschichten bei fallenden Märkten wird somit möglichst vermieden.
Auch bei der Ausgestaltung des Ablaufmanagements haben wir also darauf geachtet, dass Flexibilität und Renditechancen so weit wie möglich erhalten bleiben – und nicht standardmäßig über eine feste Laufzeit mit einer festen Quote völlig unabhängig von der Marktentwicklung womöglich prozyklisch umgeschichtet wird.
Ab welchem Zeitpunkt ist es ratsam, das investierte Geld in das Sicherungsguthaben umzuschichten?
Das hängt unter anderem davon ab, wie groß das Sicherheitsbedürfnis im Alter ist. Eine grundsätzliche Empfehlung lautet allerdings, nie alles ins Sicherungsguthaben zu packen. Etwa 30 Prozent könnten in Aktien investiert bleiben. Meist endet die Beitragszahlungsdauer mit 60 bis 65 Jahren. Danach werden Zuzahlungen z. B. aus Erbschaften geleistet und die Police wie das Depot bei einer Direktanlage genutzt. Da wir in unserem Produkt, wie beschrieben, eben kein festes Laufzeitende vereinbart haben, kann die Police das ganze Leben geführt werden. Einzahlungen und Entnahmen sind je nach Kundenwunsch möglich. Auch vor dem steuerlichen Hintergrund ist diese Gestaltung optimal.
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