Gut zu wissen

Wie es zu Beitragserhöhungen in der PKV kommt

In den kommenden Wochen informieren die privaten Krankenversicherer ihre Kunden über die Beiträge ab dem kommenden Jahr. Maklerinnen und Makler sollten auf mögliche Beitragsanpassungen vorbereitet sein und deren Hintergründe verständlich erklären können.
Mann spricht am Telefon, hält Rechnung in der Hand.
© gpointstudio / Magnific
Ein Mann telefoniert verärgert mit einer Rechnung in der Hand: Makler sollten die Gründe für Beitragserhöhungen verständlich erklären.

Wann PKV-Beiträge erhöht werden

Versicherer dürfen ihre Beiträge nicht willkürlich anpassen. Sie müssen Regeln folgen, und nötige Neuberechnungen prüft ein von der Bafin überwachter Treuhänder. Jedes Jahr wird kontrolliert, ob die tatsächlichen Ausgaben in einem Tarif noch der ursprünglichen Kalkulation entsprechen. Erhöht werden darf der Beitrag erst, wenn die Leistungen den kalkulierten Wert um einen bestimmten Prozentsatz übersteigen. Liegen die Ausgaben um mindestens 10 Prozent darüber, muss der Beitrag neu berechnet werden. In einigen Tarifen gilt ein niedrigerer Schwellenwert von 5 Prozent. 

Ein wesentlicher Treiber für die Ausgaben ist der medizinische Fortschritt. Neue Medikamente, Behandlungen und Geräte verbessern die Versorgung, erzeugen aber auch Kosten. Auch die allgemein steigenden Preise im Gesundheitswesen spiegeln sich in den Beiträgen wider. Hinzu kommt die steigende Lebenserwartung, die dazu führen kann, dass Alterungsrückstellungen in den Verträgen angepasst werden müssen, was die Beiträge erhöht. Wichtig zu wissen: Keine Rolle für eine Beitragsanpassung spielt der persönliche Gesundheitszustand. Wer krank geworden ist und besonders viele Leistungen in Anspruch nehmen musste, wird dafür nicht mit einer Beitragserhöhung bestraft.    

Warum Beitragsanpassungen in der PKV oft nicht jährlich erfolgen

Die beschriebene Schwellenwert-Systematik bei den Beitragsanpassungen hat häufig einen Nebeneffekt: Der Kostendruck staut sich über mehrere Jahre auf und entlädt sich dann sprunghaft. Sie kann also dazu führen, dass es in einem Tarif mehrere Jahre keine Beitragserhöhung gibt, dann aber einen deutlichen Aufschlag, der für Versicherte auf den ersten Blick überraschend erscheinen kann. Da ist hilfreich erklären zu können, wie ein solcher Beitragssprung zustande kommt. Auch ein Blick auf die langfristige Entwicklung der Beiträge und ein Vergleich mit der Situation in der gesetzlichen Krankenversicherung kann den Schock abmildern. In beiden Systemen steigen die Beiträge, und die Entwicklung ist sogar recht ähnlich. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der PKV sind die Beitragseinnahmen in der PKV je Versicherten zwischen 2006 und 2026 um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr gestiegen. In der GKV liegt der Wert bei 3,9 Prozent. 

Entscheidend ist dabei die langfristige Perspektive. Sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung steigen die Kosten für medizinische Leistungen seit Jahren. Beitragsanpassungen sind daher kein Zeichen für ein schlecht kalkuliertes System, sondern ein Instrument, um die vereinbarten Leistungen dauerhaft finanzieren zu können. Für Maklerinnen und Makler besteht die Herausforderung häufig weniger darin, die Anpassung selbst zu erklären als die Ursachen dahinter einzuordnen.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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2 Kommentare

  1. Hört auf, die PKV schön zu reden. Es ist ein Bereicherungsmodell für die Pharmaindustrie und Finanzinvestoren, die inzwischen Augenarztpraxen als Cash Cow entdeckt haben und bald folgen die nächsten medizinischen Disziplinen.

    Eine gesetzliche Krankenversicherung für alle und die PKV als Zusatzversicherung. Und nicht Ärzte als Unternehmer. Das wäre eine richtige Reform. Ich zahle inzwischen für einen Hausarzttarif fast 10.000 € pro Jahr und bin gefangen bei meinem Versicherer. Auf der anderen Seite hört und liest man nur davon, wie marode Krankenhäuser in ihrer finanziellen Ausstattung sind und dass Ärzte „Mangelware“ sind. PKV Versicherte werfen gutes Geld dem Schlechten hinterher. Sie sind die Melkkühe des Systems.

    Das mögen Beamte, insbes. Regierungsbeamte, anders sehen, denn die brocken es dem Rest der Versicherten ja ein. Sie nennen Reformen, was eigentlich nur Kostenerhöhumgen sind. Zu mehr reicht es bei ihnen nicht.

    Und wozu Unternehmertum in der Ärzteschaft führt, kann man wunderbar an den verzockten Hunderten Millionen der GKV sehen.

    Und wer badet das alles aus? Die Versicherten, die Lämmige…

  2. Warum überhaupt Beitragsanpassungen erfolgen und prozentual höher als 5 oder 10 Prozent ausfallen können, ist noch gut zu erklären. Schwieriger wird es, wenn Anpassungen um 30 Prozent und mehr erfolgen. Die Versicherung wird es nicht im Einzelnen bei einer Beschwerde offenlegen, denn die genaue Berechnung tangiert streng geheime interne Berechnungsgrundlagen. Diese werden aber von einem mehr oder weniger unabhängigen mathematischen Treuhänder vor dessen erforderlicher Zustimmung geprüft. Da tritt dann leicht das Gefühl des Ausgeliefertseins auf.

    Jedoch hat der BGH bestimmt, dass zwar die Unabhängigkeit des Treuhänders nicht gerichtlich geprüft wird. Es aber auf diese auch gar nicht ankommt, weil jeder Versicherte seine Anpassung vollumfänglich gerichtlich überprüfen lassen kann, auch noch Jahre zurück. Gründe für Zweifel an der Korrektheit der Anpassungen müssen für eine Klage dagegen nicht angegeben werden.

    Vielmehr muss der Verscherer dann seine vollständigen Berechnungsgrundlagen und alle genutzten Statistiken und Herleitungen daraus vorlegen, die dann das Gericht durch einen beauftragten neutralen Gerichtssachverständigen prüfen lässt. Auch der Kläger erhält diese Unterlagen, nachdem er vom Gericht zur Geheimhaltung verpflichtet wurde, und später das gerichtliche Sachverständigengutachten dazu.

    Der Versicherer muss dabei die Berechtigung und die korrekte Höhe der Beitragsanpassungen vollständig nachvollziehbar beweisen. Niemand kann also sagen, er sei einem nicht überprüfbaren Mechanismus von Beitragsanpassungen der PKV ohne Überprüfungsmöglichkeit ausgeliefert – das Gegenteil trifft zu.

    Damit wird das Vertrauen darin gestärkt, dass Beitragsanpassungen in der PKV in aller Regel korrekt ablaufen und zulässig berechnet sind.

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