Pfefferminzia: Herr Blaich, das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz ist nach langen Diskussionen und viel Kritik inzwischen beschlossene Sache – Ende gut, alles schlecht? Oder sehen Sie auch positive Aspekte?
Günther Blaich: Immer nur alles schlechtzureden ist nicht sinnvoll. Es gibt einen guten Grund für Reformen: Die Krankenversicherungsbeiträge sind in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen und belasten Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das neue Gesetz stellt mit seiner einnahmenorientierten Ausgabenpolitik die Frage in den Fokus: Was können wir uns leisten? Die demografische Entwicklung, die medizinische Inflation und generell die Ausgabensteigerungen sind in den Griff zu bekommen. Nicht nur bei der GKV auch bei der PKV müssen wir schauen, wie sich eine gute medizinische Versorgung darstellen lässt, die aber auch finanzierbar ist.
Ein positiver Effekt der Reform könnte sein, dass Menschen stärker für das Gesundheitswesen sensibilisiert werden, ihnen klar wird, dass Gesundheit etwas kostet. Das eröffnet eine Menge Beratungsansätze für Vermittler. Sie können jetzt ihren Mehrwert beweisen, indem sie aufklären, mit Kunden und Kundinnen die individuelle Situation im Gesundheitsbereich besprechen und Lösungen aufzeigen, wie sie auf die Reform reagieren können.
Die Auswirkungen für gesetzlich Versicherte sind enorm. Welche Änderungen sind aus Ihrer Sicht die gravierendsten?
Blaich: Zuzahlungen für Medikamente steigen, und es gibt diverse Leistungskürzungen, etwa wird Homöopathie als Satzungsleistung gestrichen. Aufgrund der geplanten Änderungen im Versorgungssystem stellt sich die Frage, wie schnell Versicherte künftig Termine erhalten.
Was aus meiner Sicht zu wenig beachtet wird, ist das Thema Lohnnebenkosten. Die Beitragsbemessungsgrenze der GKV soll zusätzlich um monatlich 300 Euro steigen, was 2,4 Milliarden Euro generieren soll. Das sind 2,4 Milliarden Euro, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlen müssen. Hinzu kommt die reguläre Erhöhung, die an die Lohnentwicklung angepasst ist. Insgesamt dürften es dann 4 bis 5 Milliarden Euro sein, die einerseits die Einnahmen für das GKV-System steigern, andererseits aber den Arbeitgebern und Arbeitnehmern fehlen.
Welche neuen Beratungsansätze ergeben sich daraus für Makler?
Blaich: Spürbar wird die Reform erst im kommenden Jahr. Schon jetzt können Kunden vorbereitet werden, die richtigen Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel wie sie sich durch Zusatzabsicherungen besser aufstellen können. Wo ergeben sich neue Lücken und wie lassen sich diese abdecken? Auch ein Wechsel von der GKV in die PKV könnte sinnvoll sein. Eine solche Entscheidung sollte jedoch nicht leichtfertig getroffen werden. Makler können die beiden Systeme gegenüberstellen und die bessere Lösung entsprechend der Bedürfnisse des Kunden oder der Kundin herausarbeiten.
Wichtig ist eine ganzheitliche Beratung. Aus dem Thema Gesundheit abgeleitet gibt es jede Menge Beratungsbedarf. Etwa wie sich eine längere Krankheit auf das Einkommen und die Altersvorsorge auswirken würde und welche Absicherungen hier sinnvoll sind. Und dazu natürlich das Thema Pflege.
Viele Fachleute rechnen mit einer steigenden Wechselbereitschaft gesetzlich Versicherter zur PKV. Sie auch? Und welche Kundengruppen sollten Makler gezielt ansprechen?
Blaich: Es gibt schon vermehrt Nachfragen, einen richtigen Run auf die PKV erleben wir jedoch derzeit nicht. Angesprochen werden können gesetzlich Versicherte, die über der Jahresentgeltgrenze liegen sowie selbstständige Unternehmer, die ihre Krankenversicherung frei wählen können. Mit Kunden, die bereits Zusatzversicherungen haben oder mit denen schon einmal über das Thema gesprochen wurde, kann jetzt ausgelotet werden, ob sich ihre Bedürfnisse und die Sensibilität fürs Thema Gesundheit geändert haben.
Wie unterstützt die Inter Maklerinnen und Makler bei der Vermittlung?
Blaich: Wir bieten diverse Online-Seminare und unsere Maklerorganisation führt Schulungen und Workshops mit Vertriebspartnern durch. Zudem erarbeitet unsere Inter-Akademie nicht nur Themen für unsere Ausschließlichkeitsorganisation, sondern stellt diese auch Makler und Maklerinnen bereit, damit sie qualifiziert beraten können. Zum Beispiel haben wir aufgeklärt, was zu tun ist, wenn das Einkommen eines PKV-Kunden unter die Jahresentgeltgrenze sinkt.
Die Gesundheitsreform könnte der PKV neue Kunden bringen. Aber was kommt danach: Wo will die Inter 2027 zusätzlich wachsen?
Blaich: Wir haben eine lange Historie im Beamten-Bereich, dieser ist in den letzten Jahren aber etwas aus dem Fokus geraten. Jetzt schärfen wir diesen Fokus wieder und bringen diesen Oktober eine neue Beihilfe-Produkt-Familie an den Markt. Mit dem Inter BeMed sprechen wir insbesondere Beamtenanwärter, Referendare sowie junge Beamte an. Wir haben uns für einen sehr leistungsstarken Tarif entschieden und bieten eine umfassende Gesundheitsversorgung zu einem attraktiven Preis. Unser Fokus liegt aber auf der Leistung, nicht auf dem Preis.