Kolumne

Wo sind eigentlich diese ganzen Ökosysteme?

Wo sind eigentlich die Ökosysteme geblieben? Das fragt sich Versicherungsfan und Insurtech-Investor Daniel Feyler. Statt echter Kundennähe dominierten oft teure, wenig relevante Eigenlösungen – vorbei an den Lebenswelten der Nutzer. Wofür Feyler stattdessen plädiert, beschreibt er in seiner Kolumne.
Versicherungsfan und Insurtech-Investor Daniel Feyler.
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Versicherungsfan und Insurtech-Investor Daniel Feyler.

Ich kann mich gut erinnern. Vor zehn Jahren gab es keine Versicherungskonferenz, auf der nicht Unternehmensberater und Versicherer gleichermaßen heiß gelaufen sind. Das Thema: Ökosysteme in der Versicherungsbranche.

Consultants haben Versicherer darauf vorbereitet, dass sie eigene Lebenswelten entwickeln müssen, um in Zukunft noch relevant zu sein. Versicherer sind auf den Zug aufgesprungen und wollten Plattformen für Mobilität, Gesundheit, Wohnen und Firmenkunden erschaffen. Bis heute gibt es nichts von nachhaltiger Relevanz.

Ihr wisst, dass ich immer versuche, aus Sicht des Kunden zu denken. Beispiel: Versicherungs-Apps. Kein Kunde hat Lust, sieben verschiedene Apps seiner sieben Versicherer auf dem Smartphone zu nutzen. In der ersten findet er seine KFZ-Versicherung, in der zweiten die Haftpflicht, in der dritten die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wirklich?

So ist es auch mit Ökosystemen. Ich habe mir damals schon immer gedacht: Kunden bewegen sich in Lebenswelten und Communities des Alltags. Auf Plattformen wie jenen von Meta, im Apple-Kosmos, bei Google oder auch in regionalen Ökosystemen (die nicht immer digital sein müssen). Niemand würde auf die Idee kommen, sich für sein Interesse an Haus und Wohnen wöchentlich auf der Seite eines Versicherers auszutoben. Schon gar nicht, wenn 100 Versicherer auf die Idee kommen, diese parallel aufbauen zu wollen. Ich will auch gar nicht an die Millionen von Euro denken, die der Aufbau eines einzelnen Ökosystems einen Versicherer kosten würde.

Aus meiner Sicht spielen hier unter anderem zwei Gedanken eine Rolle. Erstens meinen viele, dass sie es selbst am besten können. Manch einer würde vermutlich sogar Windows gerne nachprogrammieren, wenn es nicht so teuer wäre. Und zweitens: Der Wunsch, die Kundenschnittstelle zu besitzen. Was in der Realität kaum einem Versicherer gelingt.

Ist das Ökosystem in vielen Fällen vielleicht also eher ein Ego-System?

Als Versicherer würde ich versuchen, Teil bestehender Kollaborationsplattformen zu werden. Denn diese haben bereits Relevanz beim Kunden. Möglicherweise kann ein Erfolg der Initiative „Frida“ diesen Weg auch etwas beschleunigen.

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