Kinder privat krankenversichern – angesichts des umfangreichen Leistungsangebotes der PKV klingt das für viele Kunden durchaus verlockend. Viele wissen aber nicht, ob eine PKV für Familien in ihrem Fall überhaupt möglich ist. Deshalb hier zunächst noch einmal kurz die unterschiedlichen Optionen (Quelle: PKV-Verband):
- Beide Eltern sind privat versichert: Das Kind muss ebenfalls privat versichert werden. Eine Mitgliedschaft in der GKV ist nicht möglich.
- Beide Eltern sind in der GKV: Auch das Kind kommt automatisch in die GKV. Für eine höherwertige Versorgung können private Zusatzversicherungen abgeschlossen werden.
- Ein Elternteil ist privat, der andere gesetzlich versichert: Das Kind kann entweder privat oder gesetzlich versichert werden.
Einschränkung laut PKV-Verband: „Beitragsfreie Familienversicherung in der GKV ist nicht möglich, wenn der privatversicherte Elternteil mehr als der gesetzlich versicherte verdient und ein Einkommen über Jahresarbeitsentgeltgrenze hat (2026: 77.400 Euro). Dann muss für das Kind ein monatlicher Krankenkassenbeitrag gezahlt werden. Bei nicht verheirateten Eltern gilt diese Einschränkung nicht.“
GKV oder PKV für Familien? Viel spricht für private Absicherung
Für Maklerinnen und Makler ist besonders die letztgenannte Gruppe interessant: Eltern, die für ihr Kind zwischen GKV und PKV wählen können. Die Frage, die in einem solchen Fall meist als erste gestellt wird: Lohnt sich das? Für den PKV-Experten Berndt Schlemann, Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Finanzberatung, führt diese Fragestellung aber in die Irre. Er rät Vermittlern, zurückzufragen: „Was ist Ihnen bei einer Erkrankung Ihres Kindes wichtiger? Eine finanzielle Ersparnis von einigen Euro oder die bestmögliche medizinische Versorgung?“
Kunden, die (wie zu erwarten) eine optimale Behandlung wünschen, sollten wissen, dass sie diese als GKV-Versicherte in der Regel nicht im selben Umfang bekommen wie in der PKV – oder aus eigener Tasche zuzahlen müssen. Das betrifft zum Beispiel die Unterbringung im Einbettzimmer im Krankenhaus inklusive Rooming-In für Eltern, die Behandlung durch einen Spezialisten, schnellerer Zugang zu Fachärzten, hohe Zuzahlungen, etwa bei kieferorthopädischen Leistungen oder die Kostenerstattung Sehhilfen und bei alternativen Heilmethoden.
PKV für Familien oft nicht teurer als GKV-Lösung
Hinzu kommt: In vielen Fällen ist eine PKV für Familien nicht oder nur unwesentlich teurer als die gesetzliche Absicherung. Natürlich: „Für Ehepaare mit einem dauerhaft nicht erwerbstätigen Partner und vielen Kindern kommen auf Dauer die Vorteile der GKV-Familienversicherung zum Tragen“, so Experte Schlemann. „Solche Familienmodelle werden heutzutage aber immer seltener praktiziert. Üblicherweise arbeitet auch der zweite Ehepartner nach einigen Jahren oder Monaten wieder sozialversicherungspflichtig und zahlt einen eigenen Beitrag zur PKV oder GKV. Für eine gutverdienende Familie mit bis zu zwei Kindern ist die PKV dann häufig nicht teurer als die gesetzliche Krankenversicherung.“
Berücksichtige man zusätzlich die Leistungsunterschiede zwischen GKV und PKV, entfällt der Beitragsvorteil in der gesetzlichen Kasse nach seiner Berechnung oft sogar noch mit einem dritten Kind. „Denn um eine annähernde Leistungsgleichheit herzustellen, muss man mit diversen Zuzahlungen und Beiträgen für private Zusatzversicherungen rechnen“, so Berndt Schlemann. Selbst bei vier oder mehr Kindern stelle sich noch immer die Frage, ob die Gesundheit der Familie nicht einen gewissen Mehrbetrag wert sei. Schlemann: „Natürlich nur, sofern eine PKV für die Familie finanziell dann noch zu stemmen ist.“