Harter Markt

Map-Report: BU-Stabilität unter Druck

Der Wettbewerb in der Berufsunfähigkeitsversicherung verschärft sich deutlich. Niedrige Preise und lockerere Risikoprüfungen setzen die Stabilität der Anbieter zunehmend unter Druck. Das hat der neue Map-Report von Franke und Bornberg ergeben.
Handwerker arbeitet mit Stichsäge an Holz im Werkstattatelier.
© Freepik
Ein Tischler muss heute weniger für seinen BU-Schutz zahlen als noch vor elf Jahren.

Der aktuelle Map-Report Nr. 943 von Franke und Bornberg zeichnet ein angespanntes Bild des Marktes. Zwar bleibt die Branche grundsätzlich leistungsfähig, doch der aggressive Preiswettbewerb hinterlässt Spuren. Teilweise liegen Prämien inzwischen mehr als 40 Prozent unter den Durchschnittsprämien – ein Niveau, das Zweifel an der Nachhaltigkeit der Kalkulation aufkommen lässt.

Parallel dazu verändern viele Versicherer ihre Risikoprüfung, stellen die Analysten fest. Kürzere Abfragezeiträume und weniger strenge Gesundheitsfragen sollen den Zugang erleichtern, erhöhen aber zugleich die kalkulatorischen Risiken. Dadurch wächst laut Analyse der Abstand zwischen solide finanzierten Tarifen und solchen mit strukturellen Schwächen weiter.

Das Rating-Ergebnis

Das Rating selbst bewertet die Anbieter anhand von vier zentralen Dimensionen: Prämien, kalkulatorische Risiken, Stabilität und Finanzstärke. Entscheidend ist nicht der aktuelle Preis, sondern ob Tarifpolitik, Annahmeregeln und Unternehmenskennzahlen langfristig tragfähig sind. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, welche Versicherer ihre Leistungsversprechen auch in fünf bis zehn Jahren noch erfüllen können.

Nürnberger, HDI und Ergo Vorsorge erreichen im Rating die Bestnote FFF+ (hervorragend). Stuttgarter und Generali folgen mit FFF (sehr gut).

Unter den Anbietern mit Map-Bewertung liegt die Continentale mit 85,5 Prozent vorn, gefolgt von LV 1871 mit 83,4 Prozent, Allianz mit 82,2 Prozent, Huk-Coburg mit 81,4 Prozent und Debeka mit 80,9 Prozent.

Die Continentale punktet mit einem ausgewogenen Gesamtpaket: 88,8 Prozent in der Prämienbewertung, 73,4 Prozent bei den kalkulatorischen Risiken, 100 Prozent in der Stabilität und 77,0 Prozent in der Finanzstärke. Die LV 1871 setzt mit 93,8 Prozent den Bestwert in der Finanzstärke, die Allianz erreicht dort 85,0 Prozent bei gleichzeitig 100 Prozent in der Stabilität. Die Debeka führt das Teilkapitel kalkulatorische Risiken mit 89,2 Prozent an.

Prämien auf Talfahrt

Wie sich die Prämien über die Zeit verändert haben, zeigt folgende Auswertung des Map-Reports. Im ersten BU-Stabilitätsrating 2015 betrug die durchschnittliche Bruttoprämie für einen Bankkaufmann 108 Euro, für den Maschinenbauingenieur 103 Euro und für den Tischler 229 Euro. 2026 lagen die Werte bei 112 Euro (Bankkaufmann), 82 Euro (Ingenieur) und 218 Euro (Tischler).

„Ein Tarif, der heute im Vergleichsrechner glänzt, kann morgen im Bestand unter Druck geraten“, warnt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg und Herausgeber des Map-Reports. „Wer bei der Prämienkalkulation zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten. Gut ist wichtiger als günstig – das gilt in der BU mehr als in jedem anderen Produkt.“

In der Stabilität erreichen zehn Gesellschaften die volle Punktzahl:

  • Allianz
  • Continentale
  • Cosmos
  • Debeka
  • Ergo Vorsorge
  • Generali
  • HDI
  • LV 1871
  • Nürnberger
  • Stuttgarter

In der Finanzstärke setzt die LV 1871 mit 93,8 Prozent den Maßstab, gefolgt von Universa (91,0 Prozent), Europa (86,0 Prozent) sowie Ergo Vorsorge und Hannoversche (jeweils 85,8 Prozent).

Rating-Verfahren verschärft

Neu im aktuellen Jahrgang ist ein geschärftes Bewertungsverfahren. So fließen zusätzliche Risikofaktoren wie Nachversicherungsgarantien, Umorganisation, Verweisung und die Konsistenz der Gesundheitsfragen in die Bewertung ein.

Zudem wurde erstmals ein mehrjähriger Prämienvergleich berücksichtigt. Brutto- und Nettobeiträge des Jahres 2026 werden also den Marktmittelwerten der Jahre 2024 bis 2026 gegenübergestellt. So wollen den Analysten kurzfristiges Preisdumping sichtbar machen und entsprechend bewerten können.

Mehr zum Thema

Wie Arbeitgeber mit der betrieblichen Arbeitskraftabsicherung punkten

Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice, gutes Gehalt, Kinderbetreuung: In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels müssen sich Arbeitgeber einiges…

BU-Versicherung: Es dauert zu lange

In der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) dauert es noch immer recht lange, bis Versicherer zahlen. Wahrscheinlich sogar…

Warum die Gen Z so gestresst ist – und welche Folgen das hat

Junge Menschen in Deutschland sind besonders gestresst. Das hat eine Umfrage von Yougov unter 2.004…

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert