Ganzheitlich planen

Die Ruhestandsplanung als zukunftsfähiger Beratungsansatz

Der Ruhestand wird komplexer – und verlangt mehr als einzelne Vorsorgeprodukte. Ganzheitliche Planung stellt Ziele, Wünsche und Lebensrealitäten in den Mittelpunkt. So entsteht echter Mehrwert für Kunden und Berater, schreibt Thomas Nierhaus, Geschäftsführer von GN Finanzpartner, in seinem Gastbeitrag.
Alter Mann in Businesskleidung vor modernem Büro.
© GN Finanzpartner
Thomas Nierhaus ist Geschäftsführer von GN Finanzpartner.

In vielen Beratungsansätzen dominieren Produkte und Einzellösungen. Dabei lässt sich die persönliche Vision vom Ruhestand selten durch isolierte Vorsorgebausteine verwirklichen. Eine ganzheitliche Ruhestandsplanung nutzt stattdessen die Ziele und Wünsche als Ausgangspunkt und schafft so Mehrwert für Kunden und Berater.

 

#1 Warum das Thema Ruhestand an Komplexität zunimmt

Der Ruhestand entwickelt sich für viele zum komplexen Lebensabschnitt, in dem verschiedenste Themen und Fragen relevant werden.

  • Kann der Lebensstandard im Ruhestand gehalten werden?
  • Wie flexibel lässt sich der Übergang gestalten?
  • Ist ein Rentenbeginn vor 67 bei Teilzeit möglich?
  • Wie flexibel kann auf Vermögen zugegriffen werden?

Diese Wünsche und Vorstellungen erhöhen die Komplexität der Ruhestandsplanung deutlich, da individuelle Lebensentwürfe berücksichtigt und gleichzeitig Flexibilität bei Rentenbeginn, Einkommenshöhe und Kapitalverfügbarkeit erforderlich ist.

In der Praxis werden auf diese komplexen Fragestellungen jedoch häufig standardisierte Lösungen oder einzelne Finanzprodukte präsentiert. Gleichzeitig fehlt vielen Menschen der Überblick darüber, welche Fragestellungen oder Herausforderungen im Ruhestand überhaupt relevant werden können.

Eine ganzheitliche Planung schafft hier Klarheit und kann dabei helfen, mögliche Fragen und Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, statt sie erst dann zu adressieren, wenn Handlungsdruck entsteht.

#2 Neue Anforderungen an die Beratung

Aus den individuellen Ruhestandsvorstellungen erwächst heute der Bedarf nach ganzheitlichen Antworten statt isolierter Produktempfehlungen. Diese Entwicklung verändert auch das Berufsbild des Finanzberaters.

Eine ganzheitliche Ruhestandsplanung geht dabei weit über das bloße Erfassen von Daten hinaus. Neben der Auseinandersetzung mit persönlichen Zielen müssen steuerliche, rechtliche und familiäre Aspekte berücksichtigt werden. Ebenso gehören die Analyse des Gesamtvermögens sowie der Risikoneigung stets in den Kontext der individuellen Lebenssituation.

Auch Sorgen und Unsicherheiten der Kunden rücken in den Mittelpunkt der Beratung. Gerade bei langfristigen Finanzentscheidungen neigen Menschen dazu, auf „vereinfachte“ Denkmuster zurückzugreifen, etwa Risiken zu unterschätzen, Verluste stärker zu fürchten als Gewinne, oder gar die Auseinandersetzungen mit dem eigenen Ruhestand aufzuschieben.

Diese typischen Entscheidungsverzerrungen zu erkennen und offen anzusprechen, ist ein wichtiger Bestandteil einer professionellen Ruhestandsplanung.

Gleichzeitig entwickeln sich digitale Prozesse wie Finanzplanungssoftware, Videoberatungen und Online-Reportings zum Standard und erfordern entsprechende Kompetenz.

#3 Ruhestandsplanung als Differenzierungsmerkmal

Auch wenn in Deutschland noch häufig angenommen wird, Finanzberatung sei kostenfrei, wächst das Verständnis für den Wert einer unabhängigen Ruhestandsplanung. Viele Kunden wünschen sich heute vor allem unabhängige Empfehlungen, die nicht an einen bestimmten Anbieter oder ein Produkt gebunden sind.

Honorarbasierte Beratung gewährleistet diese Unabhängigkeit am besten. Menschen sind bereit ein angemessenes Honorar zu zahlen, wenn Transparenz und Mehrwert erkennbar sind.

Erwartet werden dabei eine nachvollziehbare Kommunikation der Kosten sowie konkrete Antworten auf individuelle Fragen rund um den Ruhestand. Werden diese Erwartungen transparent und verständlich erfüllt, etabliert sich Ruhestandsplanung als Fundament einer verantwortungsvollen Beratung.

Ruhestandsplanung ist somit Ausdruck einer klaren Haltung, die Berater vom Wettbewerb abhebt. Beratung wird als strukturierter Prozess verstanden, der Menschen und ihre Lebensziele in den Mittelpunkt stellt und nicht den Produktabschluss. Diese Positionierung schafft Vertrauen und grenzt professionelle Ruhestandsplanung vom klassischen Produktverkauf ab.

#4 Mehrwert für Kunden und Berater

Der Mehrwert einer strukturierten Ruhestandsplanung zeigt sich für beide Seiten.

Für Kunden bedeutet sie Orientierung, Sicherheit und Planbarkeit. Eine honorarbasierte Ruhestandsplanung trennt Beratung und Produkt, macht Kosten transparent und stellt individuelle Ziele, Wünsche und Gestaltungsfreiheiten in den Mittelpunkt.

Für Berater wird sie zur langfristigen Dienstleistung, die Vertrauen schafft und echte Beziehungen ermöglicht.

Besonders interessant ist dabei die Kundengruppe der Babyboomer. Als geburtenstärkste Generation erleben sie einen langen, flexiblen Ruhestand mit wiederkehrenden Anpassungen – bei Erbschaften, Abfindungen, auslaufenden Versicherungen, Immobilienverkäufen oder veränderten Lebensumständen. Diese große Kundengruppe sucht nach Orientierung und schafft damit enormes Beratungspotenzial.

Berater dürfen sich daher die Frage stellen: Warum nicht durch konsequente Ausrichtung auf diesen ganzheitlichen Mehrwert vom Wettbewerb abheben, statt Produkte in den Mittelpunkt zu rücken?

Über den Autor

Thomas Nierhaus ist seit 2018 Geschäftsführer von GN Finanzpartner sowie unabhängiger Honorarfinanzanlagenberater und Versicherungsmakler. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzberatung. Zu seinen Kunden gehören Privatkunden, Unternehmer und Selbstständige mit Interesse an honorarbasierter Beratung.

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