Viele haben Pläne und Träume für ihren Ruhestand. Wenn es aber um die finanzielle Planung geht, ist man schnell überfordert. Professionelle Ruhestandsplanung wird aufgrund steigender Lebenserwartung immer wichtiger.
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Pfefferminzia: Cordula, du hast das German Equal Pension Symposium ins Leben gerufen, warum?
Cordula Vis-Paulus, bAV-Expertin: Ich merke in Workshops, die ich regelmäßig gebe, dass die Themen gleiche Bezahlung und gleiche Rente für Frauen – Neudeutsch Equal Pay und Equal Pension – bei vielen Beratern einfach noch nicht präsent sind. Und da wurde mir klar: Das müssen wir ändern. Denn wenn die Berater das Problem nicht kennen, können sie ihre Kunden natürlich auch nicht darauf hinweisen. Und es gibt ein Problem.
Hast du ein paar Zahlen für uns?
Vis-Paulus: Klar! Nehmen wir zum Beispiel welche aus dem aktuellen Altersvorsorgebericht: 1.226 Euro beträgt die durchschnittliche Rente von Männern, die der Frauen liegt bei 803 Euro. Was mich aber aus den High Heels gehauen hat, ist ein Wert aus dem Demografieportal zum Thema Teilzeit. Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass Frauen heute sehr viel kürzer in Elternzeit gehen. Ganz viele sind nach einem Jahr schon zurück im Job. Eine Statistik zeigt aber, dass über die Hälfte der Frauen noch in Teilzeit sind, wenn die Kinder ihren Führerschein kriegen! Und dann gibt es noch die 16 Prozent, die gar nicht erwerbstätig sind.
Und kaum ist man bei den Kindern aus dem Gröbsten raus, steht die Pflege der Eltern an, die auch überwiegend Frauen übernehmen. So viel zur Teilzeit. Kommen wir zu anderen Versorgungsformen: 34 Prozent der Männer bekommen eine betriebliche Altersversorgung, aber nur 26 Prozent der Frauen. Gleichzeitig haben rund 70 Prozent der Menschen Angst vor Altersarmut oder fühlen sich unterversorgt. Aber sie machen eben oft auch nichts, um diese Lücke zu füllen.
Ute Thoma, die Bayerische: Dieser Begriff der Versorgungslücke, der stört mich übrigens gewaltig dabei. Eine Lücke ist ein fehlender Zahn bei 32 Zähnen. Hier fehlt der ganze Oberkiefer, mehr als 50 Prozent. Das ist keine Lücke, sondern ein Scheunentor. Meiner Ansicht nach müsste man weg von diesem verniedlichenden Begriff der Lücke und einen wählen, der die Dramatik tatsächlich verdeutlicht.
Heinke Conrads, Allianz: Schon wenn wir aber von einer Lücke sprechen, entsteht oft dieses Ohnmachtsgefühl: „Es hat eh keinen Sinn vorzusorgen“ oder „Wie mache ich das am besten, wie komme ich an die Produkte heran?“ Das ist ein Grund, warum viele aufgeben, bevor sie richtig begonnen haben mit ihrer Altersvorsorge.
Sandra Mekler, MRH Trowe: Ein anderer Grund ist, dass das Geld fehlt. Ich sehe das gerade im Bekanntenkreis meiner Söhne. Da haben einige Eltern auf 520-Euro-Basis einen Zweitjob angenommen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Da ist es völlig utopisch, sich mit der Altersvorsorge zu beschäftigen. Besonders oft trifft das auch typische Frauenberufe wie Kindergärtnerinnen, Friseurinnen oder Pflegekräfte.
Wie kann man das denn lösen?
Martina Pophal, Aktuarin: Das ist genau das Thema. Es geht um a) zu wenig Geld, b) das fehlende Verständnis und c) ist es aber auch entscheidend, wen ich anspreche. Ich mache es in meinen Beratungsgesprächen so: Wenn mir ein Paar gegenüber sitzt, frage ich beide, wie sie das gemeinsam regeln wollen. Wenn die Frau in die Kinderbetreuung einsteigen möchte, muss die Familie insgesamt für einen Ausgleich ihres Einkommens sorgen.
Thoma: Genau richtig, die Denke muss stärker in Richtung eines Familieneinkommens gehen. Das sorgt für Verständnis und so manchen Aha-Effekt – auch beim Mann.
Vis-Paulus: Wobei ich mir um diejenigen, die zu einem Berater oder einer Beraterin gehen, eigentlich keine großen Sorgen mache. Prekär ist es eher bei denen, die das nicht können. Deshalb finde ich die betriebliche Altersversorgung so charmant. Weil dort die Hürde, etwas zu tun, geringer ist – und die Menschen Zugang zu einer Beratung bekommen.
Henriette Meissner, Stuttgarter: Ich finde, man muss auch die Zeit vor der Familienphase stärker nutzen. Heutzutage ist es ja nicht mehr so, dass Frauen mit 18 Jahren heiraten, sondern es gibt oft eine längere Phase, in der Frauen voll berufstätig sind. Leider wird trotzdem die Planung der Altersversorgung nach hinten verschoben. Wir müssen also dahin kommen, dass die Frauen genauso wie die Männer sehr früh anfangen, vorzusorgen, um den Zinseszinseffekt voll auszunutzen. Und zwar auf den eigenen Namen und das eigene Leben, und nicht über den Mann.
Dann hat man auch eine ganz andere Gesprächsbasis, wenn es darum geht, was mit welcher Altersvorsorge passieren soll, wenn Kinder kommen. Denn es ist viel attraktiver, in einen Vertrag weiter zu investieren, in dem sich schon 15.000 Euro angesammelt haben, als in einen, der vielleicht nur 1.000 Euro enthält. Der ist dann schneller mal gekündigt.
Mekler: Ganz wichtig ist auch, dass man aus diesem Teufelskreis herauskommt, bei finanziellen Schwierigkeiten die Altersvorsorge der Frau anzugreifen – also den Vorsorge-Vertrag ruhend zu stellen oder sogar zu kündigen. Sonst muss die Frau später wieder von vorne anfangen, wieder Abschlusskosten bezahlen und schlechtere Rechnungsgrundlagen in Kauf nehmen.
Vis-Paulus: Genau dazu habe ich ein plakatives Beispiel.
Bitte sehr!
Vis-Paulus: Wir haben ein junges Paar, Mann und Frau – beide haben in der Berufsschule nebeneinander gesessen, haben die gleiche Ausbildung mit der gleichen tollen Note abgeschlossen, kommen beim gleichen Unternehmen unter. Sie bekommt ein Brutto von 2.500 Euro, er von 2.800 Euro – und ja, so ist das leider heute noch immer in Deutschland. Beide sind gut organisiert, was Vorsorge angeht. Jeder zahlt 10 Prozent des Bruttogehalts in eine Altersvorsorge. Ich habe mal mit 6 Prozent hochgerechnet, das machen bei ihr 480.000 Euro, bei ihm werden es 536.000 Euro sein, wenn er in Rente geht. Sie bekommt dann eine Rente von 1.700 Euro, er eine Rente von 1.900 Euro.
Dann kommt es, wie es kommen muss: Sie verlieben sich auf der Weihnachtsfeier, es wird ernst, das Kind kommt. Die Frau rutscht runter aufs Elterngeld, ihr Einkommen fällt also weg. Was macht sie? Sie stellt ihren Vertrag beitragsfrei, er kümmert sich weiter um die Karriere, steigt auf, verdient jetzt 3.500 Euro. 10 Prozent davon, also 350 Euro, landen in seiner Altersvorsorge. Weil sie ihren Vertrag aber beitragsfrei stellt, entsteht ihr ein Vermögensschaden in Höhe von fast 60.000 Euro. Das heißt, ihre Rente sinkt auf 1.500 Euro. Seine dagegen steigt auf 2.300 Euro.
Und das gilt nur fürs erste Kind, und die Teilzeitarbeit ist noch gar nicht berücksichtigt. Was ich damit verdeutlichen will, ist: Wer in Teilzeit arbeitet, darf nicht weniger in die Altersvorsorge einzahlen als der Vollzeit-Arbeiter, sondern sie oder er muss mehr einzahlen als ein Vollzeitler. Aus Teilzeitarbeit wird nie eine Vollzeitrente werden. Und dafür wollen wir sensibilisieren.
Ines Freiboth, Allianz: Dazu gehört meiner Ansicht nach, dass man den Wert seiner Arbeit in Euro bestimmen muss. Das fällt Frauen unheimlich schwer. Denn Mütter arbeiten nicht Teilzeit, sie werden nur für einen Teil ihrer Arbeit nicht bezahlt – etwa die Zeit, die für das Abholen der Kinder von der Schule draufgeht oder Besuche beim Kinderarzt oder Putzen oder die Pflege der Eltern oder das Essenkochen. Diesen Arbeiten einen Eurowert zu geben, stärkt das Selbstbewusstsein enorm und ist dann auch eine gute Grundlage, um eben über das Familieneinkommen zu sprechen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, die allen gerecht werden.
Was können denn Arbeitgeber leisten, um die Lage zu verbessern?
Meissner: Eine rein arbeitgeberfinanzierte bAV wäre ein sehr guter Anfang. Damit werden alle erreicht – auch Frauen, Mütter, Care-Gebende, Teilzeitbeschäftigte. Wir können Frauen nicht mehr geben als Männern, auch Teilzeitkräften nicht mehr als Vollzeitkräften. Da stehen unsere Gesetze gegen. Aber die reine Arbeitgeberfinanzierung, bei der Frauen nichts selber zahlen müssen, ist ein wichtiger Weg für die Zukunft. Unabhängig von einer Entgeltumwandlung gibt es eine bAV! Dabei ist weitgehend unbekannt, dass der Arbeitgeber – richtig gemacht – das über den Paragrafen 100 EstG zu 30 bis 50 Prozent vom Staat refinanziert bekommt.
Conrads: Eben, das Beste daran ist, dass es den Arbeitgebern auch hilft. Auch im Werben um Fachkräfte. Das muss man stärker hervorheben, wenn man die Arbeitgeber für diese Variante gewinnen will.
Meissner: Und auch noch in Richtung Politik die Botschaft: Arbeitgeberfinanzierung ist das bessere Opting-out. Denn wenn ich eine reine Arbeitgeberfinanzierung mache, bedeutet das 100 Prozent Partizipation. Wenn die Berater sich trauen, das anzusprechen, sind Arbeitgeber oft offen für die arbeitgeberfinanzierte Versorgung – schon wegen des Arbeitnehmermangels.
Mekler: Es gibt inzwischen gute Tools, die dem Arbeitgeber verdeutlichen, dass es ihn gar nicht so viel mehr kostet, wenn er den Beitrag von den vorgeschriebenen 15 Prozent Zuschuss anpasst auf 35 Prozent etwa. Insgesamt sollten wir noch dahin kommen, dass Arbeitgeberbeiträge zur bAV unabhängig von der Gehaltshöhe gewährt werden.
Wie steht es um die Versichererseite – gibt es hier genügend gute Produkte, um Frauen und andere Care-Gebende zu mehr Altersvorsorge zu motivieren?
Conrads: Meiner Ansicht nach ja. Versicherer müssen nur stärker verdeutlichen, dass wenn es um lebenslange Vorsorge geht, sie die geeigneten Ansprechpartner sind. Natürlich kann jeder ein paar ETFs kaufen und sagen, ich tue was für die Altersvorsorge. Das ist prinzipiell ja auch nicht falsch – aber es sorgt eben nicht wirklich dafür, dass man ein lebenslanges Einkommen hat. Das müsste man mehr verdeutlichen.
Freiboth: Oft wird die steigende Lebenserwartung unterschätzt. Viele Kunden sagen eher: „Ob ich dann noch lebe …“ Bei einem reinen Vermögensaufbau OHNE lebenslange Rente besteht aber eher das Risiko, dass man noch lebt, aber das Vermögen aufgezehrt ist. Frauen leben rund sechs Jahre länger als Männer. Eine lebenslange – gern auch fondsbasierte – Rente ist hier die einzige Lösung. Sie zahlt, egal was kommt und wie alt man wird.
Wie können Versicherer in die Bevölkerung einwirken, damit die betroffenen Menschen wissen: Ich muss hier was tun.
Thoma: In unserem Exklusivvertrieb haben wir das Thema dieses Jahr proaktiv angesprochen. Da wäre, glaube ich, keiner der 80 Prozent männlichen Berater von sich aus auf die Idee gekommen, dass das ein Thema ist. Die hatten alle einen Aha-Effekt und haben gesagt: „Mensch, das sehen wir jetzt mit ganz anderen Augen, wie wir das ansprechen müssen.“ Ich glaube einfach, das Thema Weiterbildung, Qualifizierung und Sichtbarkeit ist eine Aufgabe für die Versicherer. Ich glaube nicht, dass wir andere Produkte brauchen.
Freiboth: Frauen öffnen sich einfacher, wenn sie unter Frauen sind. Sie brauchen keine pinken Produkte, nur ein Forum, in dem sie ungehemmt Fragen stellen können. Daher wäre es wichtig, dass Arbeitgeber durch attraktivere Beschäftigungsmodelle mehr Frauen ermutigen, in den selbstständigen Versicherungsvertrieb zu gehen.
Meissner: Jetzt ist ja auch die digitale Rentenübersicht gestartet. In den nächsten Monaten werden immer mehr Altersvorsorge-Einrichtungen dort zu sehen sein. Leider ist der Einstieg noch nicht ganz einfach, man braucht einen elektronischen Personalausweis dazu. Aber für Berater und Beraterinnen ist das ein tolles Tool, weil man den Leuten zum ersten Mal staatlich unterstützt zeigen kann: So hoch wird deine gesetzliche Rente sein, deine private und deine betriebliche, wenn du so weiter machst wie jetzt. Und ich denke, da wird jeder und jedem dann schlagartig klar werden, wie groß die Versorgungslücke oder das Versorgungsscheunentor eigentlich ist.
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