Pfefferminzia: Für die Wohngebäudeversicherer ist das Umfeld wahrlich kein einfaches: Die Unwettergefahr steigt als eine Folge des Klimawandels. Zugleich hat sich Baumaterial deutlich verteuert, was ebenfalls den Druck auf die Prämien vergrößert. In welchem Ausmaß hatte dies für Kunden der GEV Grundeigentümer-Versicherung Prämienanpassungen für 2023 zur Folge?
Jens van der Wardt: Dazu muss ich zunächst ein wenig ausholen: Eine Berechnungsgrundlage für den Versicherungsbeitrag in der Wohngebäudeversicherung ist der sogenannte Anpassungsfaktor. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet diesen für jedes Kalenderjahr neu. Für 2023 wurde dieser bei knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgelegt.
Wie ermittelt der GDV den Anpassungsfaktor?
Grundlage hierfür ist die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Entwicklung des Baukosten- und Lohnindexes in der Baubranche. Sinken oder erhöhen sich diese Indizes, sinkt beziehungsweise erhöht sich auch der Anpassungsfaktor – und damit der Versicherungsbeitrag.
Die Höhe der Beitragsanpassung wird damit nicht von der GEV, sondern vom Gesamtverband der Versicherer in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik bemessen und herausgegeben. Die Werte gelten als Empfehlung und werden marktübergreifend von den Versicherern eins zu eins übernommen. Man könnte auch sagen: Die Anpassung gilt als Ausgleich zu gestiegenen Bau-, Reparatur-, Material- und Lohnkosten.
Zugleich ist durch diese Anpassung für die Kunden gewährleistet, dass sie im Schadenfall zum aktuellen Neuwert entschädigt werden. Es wird also sichergestellt, dass der Versicherungsnehmer immer voll versichert ist und nicht in die Unterversicherung rutscht.
Wohlgemerkt: Bei einigen Risikoträgern wurde darüber hinaus auch der Tarif nach oben angepasst. Wir als GEV haben außer der Baukostenanpassung in Höhe der eingangs erwähnten rund 15 Prozent keine weiteren Anpassungen vorgenommen.
Wie wirkte sich die Anpassung auf das Stornoverhalten bei der GEV aus?
Im Vergleich zu den Vorjahren konnten wir bei der GEV kein erhöhtes Stornoverhalten feststellen. Wir haben sowohl bei unseren Vertriebspartnern als auch bei unseren Kunden frühzeitig und hinreichend für Transparenz gesorgt. Mit der Beitragsrechnung haben wir jeweils über den Anpassungsfaktor und dessen notwendige Erhöhung informiert.
Stimmen im Markt werfen Wohngebäudeversicherern vor, dass die Prämien „auf Kante genäht“ seien, die mitunter „viel zu günstig kalkuliert“ seien. Was entgegnen Sie dieser kritischen Sicht?
Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sind wir unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet, durchdachte Produkte zu einem fairen Preis anzubieten und gesamtunternehmerisch zum Wohl der Versichertengemeinschaft zu handeln. Die Erträge der GEV werden ausschließlich zur langfristigen Preisstabilität und zur Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verwendet.
Seite 2: Wie Kunden ihre Beitragslast und ihr Schadenrisiko drücken können
Gerade wenn ein großer Schwerpunkt des Neugeschäfts und Bestandes auf der Wohngebäudeversicherung liegt, ist eine risikogerechte Prämienfindung von besonderer Bedeutung. Die Beiträge zur Wohngebäudeversicherungen sollen das individuelle Risiko einer Immobilie widerspiegeln: Je größer das Risiko eines Schadens für die Versichertengemeinschaft, desto höher der Beitrag des Versicherungsnehmers.
Was können die Kunden selbst unternehmen, um ihre Beitragslast zu drücken?
Die Kunden der GEV können günstigere Beiträge durch Selbstbeteiligungen sicherstellen – sinnvolle Möglichkeiten für eine individuelle Risikoabdeckung, die nicht jeder Versicherer für Privatkunden bereithält. Außerdem erhalten schadenfreie Immobilien einen Sofortrabatt – und bei Schadenfreiheit sinkt der Jahresbeitrag von Jahr zu Jahr weiter.
Die GEV verfügt außerdem über ein umfassendes Netzwerk aus Partnern zur Schadenbegutachtung und Schadensbehebung, das sich über viele Jahre vertrauensvoll entwickelt hat. Schlanke Prozesse helfen uns bei einer sehr effizienten Schadenbearbeitung, die sowohl Kosten spart als auch die Versicherungsnehmer im Schadenfall schnellstmöglich unterstützt. Infolgedessen wird die GEV seit Jahren immer wieder als „Fairster Schadenregulierer Wohngebäude“ ausgezeichnet.
Wie kann es darüber hinaus gelingen, die Schadenzahlen in der Wohngebäudeversicherung einzudämmen?
Die Wohngebäudeversicherung sollte den Eigentümer rundum absichern. Besonders wichtig ist dies natürlich bei existenzbedrohenden Feuerschäden sowie Schäden durch Extremwetter und Leitungswasser.
Durch das System der Selbstbeteiligung können wir günstigere Tarife anbieten, weil die GEV nicht das gesamte Schadensrisiko tragen muss. Die Versicherten werden auf diese Weise dazu angehalten, sich umsichtig zu verhalten, kleinere Schäden zu vermeiden oder selbst zu tragen. Wir als Versicherer müssen uns im Gegenzug nicht um Klein- und Kleinstschäden kümmern und können dadurch die Schadenregulierungs- beziehungsweise Bearbeitungskosten in Grenzen halten.
Schadenprävention spielt in diesem Zusammenhang auch eine wichtige Rolle – Eigentum ist schön, verpflichtet aber auch. Jeder Eigentümer sollte seine Immobilie im Blick haben, zum Beispiel: Wie ist der Zustand des Daches und der Regenrinnen? Gibt es Risse in Wänden und Fassaden? Wie sehen die Fugen im Bad aus? Dadurch lassen sich viele Schäden frühzeitig erkennen und teilweise vermeiden.
Eine Antwort
Generell halte ich die Äußerung „Partnern zur Schadenbegutachtung und Schadensbehebung, das sich über viele Jahre vertrauensvoll entwickelt hat“ für einen Witz, insgesamt auf die Versicherer bezogen. In jedem zweiten Fall erleben wir eine Kostenerhöhung druch falswche EInschätzung, zu spätes Kommen, schlechte Ausführungen. Das ist kontraproduktiv. Aber wer es glauben mag, soll weiter glauben. Man soll ja nichts hinterfragen.