Pfefferminzia: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auszeichnung als Fondsmanagerin des Jahres. Wie sieht denn dieser Preis aus?
Carolin Preuß: Herzlichen Dank. Es ist wirklich ein toller Preis – auch optisch: rot und mit Glas gestaltet. Er hat einen Ehrenplatz bekommen und steht jetzt bei uns im großen Besprechungsraum.
Muss man sich für den Titel bewerben?
Preuß: Ja, man muss auf der Homepage der „Fondsfrauen“ nominiert werden. Bei mir war es so, dass im August ein Kollege auf mich zu kam. Er hatte von dem Preis gelesen und meinte, er werde mich nominieren. Allein darüber hatte ich mich schon riesig gefreut.
Sie arbeiten nicht bei solchen Platzhirschen wie DWS oder Deka. Fühlten Sie sich als Außenseiterin?
Preuß: Total. Denn als Hanse-Merkur-Trust gehören wir zu den eher kleineren Asset Managern. Und mit Jeanette Bruns von der Deka und Stella Ma von Vontobel Asset Management standen zwei super Fondmanagerinnen namhafter Unternehmen mit mir auf der Shortlist.
Jahrelang sah man auf Investmentkonferenzen inmitten grauer oder anthrazitfarbener Anzüge nur wenige Frauen. Hat sich das geändert?
Preuß: Nein, die Frauenquote im Fondsmanagement liegt wohl nur knapp über 10 Prozent und ist nicht gestiegen. Ich weiß aber nicht, warum das so ist. Es ist ein toller und total spannender Beruf.
War es denn schwierig für Sie, ihn zu ergreifen?
Preuß: So habe ich das nie empfunden. Ich habe Betriebswirtschaft im Studienbereich Investmentbanking & Capital Markets studiert und ein Praktikum im Portfoliomanagement absolviert. Und ich wusste, dass ich genau das gerne machen möchte. Direkt nach dem Studium bekam ich meinen ersten Job als Junior-Portfoliomanagerin. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich es schwerer habe als andere, nur weil ich eine Frau bin.
Für wie viel Geld sind Sie bei Hanse-Merkur-Trust verantwortlich?
Preuß: Ich manage vier Strategiefonds. Das sind Dachfonds, die unser Mutterhaus, die Hanse-Merkur in fondsgebundenen Versicherungen einsetzt und in denen knapp 200 Millionen Euro liegen. Neben dieser Aufgabe betreue ich auch Spezialfonds für Drittkunden und die Kapitalanlagen der Hanse-Merkur. Dort entwickeln wir weitere Strategien, die aber nicht zwingend in Publikumsfondsmänteln stecken.
Das sind recht ordentliche Zahlen.
Preuß: Stimmt. Aber selbst wenn es „nur“ 10 Millionen Euro wären, wäre es eine riesige Verantwortung. Es ist ja schließlich fremdes Geld beziehungsweise das Geld unserer Kunden.
Seite 2: „Wir sind lieber nicht so gierig“
In der Pressemitteilung zitierte Hanse-Merkur-Trust Ihr Motto: „Geist vor Gier“. Nun gibt es aber auch das geflügelte Wort „Gier ist gut“ – muss man nicht in Ihrem Job ein bisschen gierig sein?
Preuß: Grundsätzlich hat sicherlich beides seine Daseinsberechtigung. Hedgefonds gehen zum Teil extreme Wetten ein, um außergewöhnliche Renditen zu erzielen. Wer dort investiert, kann aber auch höhere Kursrückgänge gut verkraften. In unseren Strategiefonds steckt die Altersvorsorge unserer Kunden. Das ist mühsam verdientes Geld, das wir erhalten und mehren wollen. Deshalb reduzieren wir das Risiko und lassen dabei vielleicht auch die eine oder andere Renditechance liegen. Wenn wir dann aber zum Beispiel gut durch die Corona-Krise kommen, stehen die Anleger am Ende nicht schlechter da. Das ist einfache Mathematik:
Sind 100 Euro im Aktienmarkt investiert und der fällt um 50 Prozent, dann bleiben 50 Euro übrig. Steigt er anschließend um 50 Prozent dann habe ich 75 Euro. Das gleiche Beispiel mit 30 Prozent statt 50 Prozent liefert mir am Ende 91 Euro.
Verluste, die man nicht erleidet, muss man auch nicht aufholen.
Preuß: Weshalb wir lieber nicht so gierig sind, sondern das Geld unserer Kunden mit kontrollierten Risiken vermehren.
Dann beschreiben Sie doch bitte mal Ihren Investmentansatz!
Preuß: Es ist ein sehr ausgewogener Ansatz mit kontrolliertem Risiko. Die Strategiefonds sind Multi-Asset-Fonds, enthalten also immer zugleich zahlreiche Anlageklassen, die sich gegenseitig ergänzen. Um diese Anlageklassen in die Portfolios zu holen, nutzen wir überwiegend Indexfonds oder ETFs. Wir suchen keine Einzeltitel heraus.
Der ETF-Markt ist ziemlich kleinteilig geworden und bildet alle möglichen Branchen, Faktoransätze, Länder und Unternehmensgrößen in Produkten ab. Was davon nutzen Sie, und was ist Ihnen zu speziell?
Preuß: Einen Großteil der Quoten bilden wir über breite Indizes ab. Das ergänzen wir dann um Faktorstrategien wie zum Beispiel Low Volatility, Value oder Growth. Wir haben für verschiedene Portfoliobausteine Bandbreiten definiert, innerhalb welcher wir uns bewegen. Mit Hilfe des HMT Kapitalmarkt-Research beurteilen wir monatlich sowohl quantitativ als auch qualitativ Volkswirtschaft, Inflation, Aktien- und Rentenmarkt. Anhand der Ergebnisse legen wir dann fest, wo wir uns innerhalb der Bandbreiten positionieren. Ergibt sich ein sehr negativer Research-Ausblick, würden wir die Portfolios über Termingeschäfte absichern, indem wir Protective Puts aufbauen.
Mit welcher Aufstellung gehen Sie ins neue Jahr?
Preuß: Moderat-offensiv. Wie viele andere rechnen auch wir 2023 mit einer Rezession der US-Wirtschaft. Das wird voraussichtlich die Inflationsraten reduzieren und die Zinserhöhungsschritte der wichtigen Zentralbanken beenden. Wir sind der Meinung, dass der Aktienmarkt diese negative konjunkturelle Entwicklung zum Großteil bereits eingepreist hat. Natürlich kann es noch den einen oder anderen Rücksetzer geben, diese würden wir aber als Chancen begreifen, da wir generell optimistisch für das kommende Jahr sind.
Dann wünsche ich Ihnen fürs neue Jahr alles Gute und danke Ihnen für das Gespräch.
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