Nicht nur ein hoher Krankenstand kann Unternehmen vor ernsthafte Probleme stellen. Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung wächst auch die Gruppe der Pflegebedürftigen – und mit ihr die Zahl der Arbeitnehmer, die sich neben dem Job auch um ein Familienmitglied kümmern müssen.
Nach Angaben des statistischen Bundesamtes werden acht von zehn Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt. Wie belastend das für Berufstätige ist, zeigen weitere Zahlen, die unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung erhoben haben:
Betroffen vom Doppel-Stress aus Pflege und Beruf ist schon jeder elfte Beschäftigte in Deutschland. Das Problem hat damit solche Ausmaße angenommen, dass vergangenes Jahr eine ganze Branche darauf reagierte: Gewerkschaft und Unternehmen der Chemieindustrie vereinbarten 2021 mit „Care Flex Chemie“ die erste bundes- und branchenweite, tarifliche Pflegezusatzversicherung.
Dabei handelt es sich um einen üblichen Pflegetagegeldtarif, wie ihn auch einige Versicherer im Rahmen der betrieblichen Krankenversicherung anbieten. Experten halten das grundsätzlich für einen guten Weg – hilft eine solche betriebliche Vorsorge doch, dem Pflegenotstand in Deutschland entgegenzuwirken. Es gibt aber auch Fachleute, die glauben, dass das Modell einer klassischen Pflegezusatzversicherung im bKV-Rahmen nicht weit genug geht.
„Um das Thema Pflege in die Unternehmen zu transportieren, braucht es einen anderen Ansatz“, ist beispielsweise Sascha Marquardt überzeugt, Leiter Kompetenzcenter Firmenkunden bei der Hallesche Krankenversicherung: „Ein stimmiges Konzept muss da ansetzen, wo der Bedarf aktuell akut ist, nämlich unmittelbar im betrieblichen Kontext. Im Idealfall deckt es vier Leistungsfelder ab: Beratung, Betreuung, Organisation und finanzielle Unterstützung.“
Konkret bedeute das: Eine gute betriebliche Pflegeabsicherung sollte mehr sein als die herkömmliche Pflegezusatzversicherung, wie sie im Privatkundengeschäft Standard ist. „Breit angelegte Beratungs-, Betreuungs- und Organisationsleistungen“, so Marquardt weiter, „seien unabdingbar, wenn es darum geht, das Problem der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu lösen.“
Spezialisten helfen dann etwa bei der Vermittlung von Pflege- und Haushaltsdiensten, unterstützen bei Anträgen, Formularen und Bescheinigungen, organisieren Pflegekräfte, Fahr- und Einkaufsdienste, die Begleitung zu Ärzten und Behörden und unterstützen bei der Suche nach Hospizplätzen oder sozialer Betreuung. Weil die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse für eine so umfangreiche Unterstützung kaum ausreichen, können viele Kosten aus dem Pflegebudget finanziert werden, das jedem Mitarbeiter für die Angehörigenpflege zur Verfügung steht. Kurzum: Arbeitnehmer werden in solch einer herausfordernden Situation körperlich, emotional, zeitlich und finanziell entlastet.
Worauf Maklerinnen und Makler in der Beratung ebenfalls hinweisen sollten: „Versicherer, die Tarife mit einem solchen oder ähnlichen Leistungsumfang anbieten, helfen Unternehmen natürlich auch dabei, ihre Attraktivität als sozialer und besonders familienfreundlicher Arbeitgeber zu steigern – ein wichtiges Instrument im War for Talents”, so Marquardt weiter.
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