Das Gesundheitssystem in Deutschland ist zurzeit offenbar noch sehr in Ordnung. Zumindest fühlt sich eine große Mehrheit der Menschen (81 Prozent) gut versorgt. Und sogar 89 Prozent der Ärzte äußern sich positiv. Das geht aus dem 11. MLP Gesundheitsreport hervor, für den das Allensbach-Institut im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP knapp 1.100 Bundesbürger und zusätzlich über 400 Ärzte befragte.
So schön die Erkenntnis vom Anfang auch ist, der Bericht legt auch Mängel offen. So sagen 29 Prozent der Befragten, dass sich das Gesundheitssystem schon verschlechtert hat, nur 8 Prozent finden es besser als vorher. Überdies merkt jeweils eine große Mehrheit der Ärzte Probleme an, die in der Corona-Pandemie zutage traten:
Übrigens geht auch von den befragten Nicht-Medizinern nur jeder Dritte davon aus, dass das System in den kommenden zehn Jahren besser auf Krisen und Pandemien vorbereitet ist. Im Gegenteil: Sie erwarten, dass es sich verschlechtert. Von den Ärzten sagen das sogar fast zwei Drittel.
Das könnte tatsächlich insbesondere deshalb eintreten, weil Ärzte knapper werden, vor allem in sogenannten strukturschwachen Regionen. Gut jeder dritte Befragte nimmt in der eigenen Wohngegend schon einen Mangel an Ärzten wahr. In Städten oder Regionen unter 100.000 Einwohnern sind es sogar 47 Prozent.
Noch trüber wird das Bild, wenn man die Ärzte selbst dazu befragt. 52 Prozent von ihnen nehmen einen Mangel an Kollegen in der eigenen Region wahr. In den erwähnten strukturschwachen Regionen sind es sogar 76 Prozent. Wieder auf alle befragten Ärzte bezogen, müssen 46 Prozent durch die Personalprobleme selbst mehr Patienten versorgen. Und 68 Prozent fürchten, dass es schwierig wird, einen Nachfolger für die eigene Praxis zu finden.
Die könnten zum Beispiel aus Krankenhäusern kommen, denn fast jeder zweite Krankenhausarzt könnte sich inzwischen vorstellen, sich mit einer Praxis niederzulassen. 2019 sagten das noch 37 Prozent. Das jedoch könnte wiederum die Krankenhäuser hart treffen, denn 57 Prozent der dort arbeitenden Ärzte berichten heute schon von Personalmangel. Weitere 23 Prozent erwarten das für die kommenden Jahre. Was dann wohl auch passieren wird, denn jeweils große Mehrheiten berichten davon, dass offene Stellen schwer zu besetzen sind. Es fehlen die geeigneten Leute.
Seite 2: Trend zur Zwei-Klassen-Medizin
Diese ganze Mischung lässt sich im Tagesgeschäft schon stark bemerken. 41 Prozent der Ärzte haben zu wenig Zeit für ihre Patienten. Und von denen wiederum berichten zwei Drittel, dass sie in jüngerer Vergangenheit lange auf einen Arzttermin warten mussten. 43 Prozent sogar mehrmals.
Wobei sich in dieser Frage einmal mehr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft andeutet. Denn von den gesetzlich Versicherten mussten 70 Prozent lange auf einen Termin warten, bei den privat Versicherten nur 36 Prozent. Tatsächlich erwarten ähnliche Anteile an Nicht-Ärzten und Ärzten (58 beziehungsweise 60 Prozent), dass sich die Zwei-Klassen-Medizin weiter ausbreitet. Weitere Sorgen sind, dass …:
Darüber hinaus erwartet nur eine Minderheit der Befragten, dass die Regierung das Blatt zum Guten hin wendet und die Probleme in den Griff bekommt.
Was übrigens auch durch den immer wieder diskutierten und vollzogenen Einstieg von Investoren nicht funktionieren wird, wie die Ärzte meinen. 84 Prozent lehnen es rundweg ab, medizinische Infrastruktur für Anleger zu öffnen. Die zwei wichtigsten Sorgen sind, dass es dadurch zu sehr ums Geld und weniger um die Gesundheit der Patienten geht, und dass sich Investoren auf Ballungsräume konzentrieren und dadurch ländliche Regionen noch stärker leiden.
Den kompletten Bericht nebst weiterem Material können Sie hier herunterladen.
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