Energiebranche

Die größten Risiken für Stromerzeuger – und wie man diese absichern kann

Unternehmen aus den Branchen Stromerzeugung und Stromversorgung stehen zahlreichen Veränderungen und Risiken gegenüber. Die Versicherungswirtschaft kann helfen, diese abzufedern.
© picture alliance / dpa | Jan Woitas
Die Masten einer Hochspannungsleitung liegen nach einem Sturm im Jahr 2015 umgeknickt am Boden: Stürme sind mit ihren Folgen für Strommasten, Windräder & Co. ein Risiko für die Energiebranche.

Nicht viele Branchen stehen aktuell vor so großen Veränderungen wie die Energiebranche. Zum einen gibt es von rechtlicher Seite her immer neue Rahmenbedingungen: das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Gesetz zur Entwicklung und Förderung der Windenergie auf See (WindSeeG), das Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (BimSchG) – um mal nur einige Gesetzesinitiativen zu nennen.

„Zeitgleich steht die Energiewirtschaft vor gewaltigen technologischen Umwälzungen weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien“, sagt Andreas Knoblauch, Experte für Kommerzielle Risikolösungen im Bereich Erneuerbare Energien beim Versicherungsmakler Aon. „Herausfordernd ist dabei der Umstand, dass gewaltige Strommengen, die bisher von Atom- und Kohle-Kraftwerken produziert wurden, künftig von einer großen Zahl wesentlich kleiner dezentraler Kraftwerke auf Basis von Wind, Photovoltaik & Co. bewerkstelligt werden muss“, beschreibt der Experte die Anforderungen an die Branche. Das könne nur gelingen, wenn parallel dazu der massive Ausbau der Stromtrassen landauf, landab ohne weitere große Verzögerungen gelänge. Knoblauch: „Ansonsten droht dem Industriestandort Deutschland der stromtechnische Gau.“

Diese Umwälzungen haben natürlich auch Auswirkungen auf den Versicherungsbedarf der Branche. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet einem Sprecher zufolge, dass sich gerade in dem Segment der Erneuerbaren Energien, und hier vor allem im Bereich der Windkraft- und Photovoltaikanlagen, in den kommenden Jahren noch einiges bewegen wird. Die Versicherer seien darauf vorbereitet: „Im Unterschied zu den Anfangsjahren, in denen Offshore-Parks geplant und gebaut wurden und anfänglich mit Kapazitätsengpässen auf dem Versicherungsmarkt gerechnet wurde – der jedoch nicht wirklich eintrat –, wird es entsprechende Kapazitäten und Versicherungslösungen auf dem Markt geben“, verspricht der GDV-Sprecher.

Viele mögliche Risiken

Die Risiken in der Stromerzeugung sind dabei vielfältig. Vor allem Unwetterereignisse, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen haben, können den Unternehmen zu schaffen machen. Schäden samt Betriebsunterbrechung entstehen etwa durch Hochwasser, das möglicherweise die Sicherheit des Standortes zur Energie-Erzeugung und der Transportwege durch zerstörte Bahntrassen oder Brücken gefährden kann – wie bei den letzten großen Überflutungsereignissen 2002 und 2021 geschehen. Aber auch Niedrigwasser bei einer andauernden Hitze kann den Stromerzeugern zusetzen, wenn dadurch zum Beispiel die notwendige Kühlung der Kraftwerke beeinträchtigt wird. Sturm und Hagel sind wiederrum Gift für Photovoltaik-Anlagen und Vereisungen von Hochspannungsleitungen etwa, können zum Abknicken von Stromasten führen – geschehen etwa im Jahr 2005 im Münsterland.

Aber auch neuere Risiken können den Betreibern zu schaffen machen: „Durch die stetige Vernetzung und Fernsteuerung vieler technischer Anlagen, spielt natürlich auch die Gefahr von Cyber-Attacken und damit einhergehend Stromausfälle et cetera eine nicht unwesentliche Rolle“, sagt Knoblauch. Die vergangenen Monate hätten deutlich gezeigt, wie anfällig diverse Industrien für Cyber-Attacken seien. Die Energiewirtschaft könne sich davon auch nicht freisprechen.

Welchen Schutz die einzelnen Unternehmen dabei brauchen, kommt auf deren Größe und Kapitalkraft an, weiß Aon-Experte Knoblauch. „Große Energieversorger haben ganz andere Anforderungen an die Absicherung ihrer unternehmerischen Risiken als beispielsweise Bürger-Windprojekte. Soll heißen, große Energieversorger können bestimmte Risiken aus dem Betrieb von Anlagen der Erneuerbaren Energien eher selber tragen.“

Wogegen regionale oder kommunale Energieversorger oder -erzeuger einen umfangreicheren Deckungsschutz bräuchten, da hier die Kapitaldecke meist nicht so groß sei. Oft werde auch durch die Finanzwirtschaft, die sich hier auch sehr stark engagiere, vorgegeben, auf welchem Mindestlevel eine Absicherung der gemeinsamen Interessen erfolgen müsse.

Maßgeschneiderte Versicherungskonzepte

Geht es dann an die eigentlichen Produkte, hat die Versicherungswirtschaft schon seit vielen Jahren maßgeschneiderte Versicherungskonzepte zur Hand. Basis solcher Konzepte bilden kombinierte Maschinen- und Maschinen-Betriebsunterbrechungsversicherungen, im Bereich der Photovoltaik kombinierte Elektronik- und Elektronik-Betriebsunterbrechungsversicherung. „Bei allen diesen Konzepten handelt es sich um sogenannte Allgefahren-Versicherungen“, erklärt der Aon-Experte. „Diese haben nur wenige Ausschlüsse und sind speziell für technische Anlagen entwickelt worden.“

Auch für die Dauer der Installation oder Errichtung der Anlagen gebe es passende Deckungskonzepte im Rahmen einer Montage- und Montage-Betriebsunterbrechungsversicherung, die einen umfangreichen Versicherungsschutz gewährleisten. Speziell im Offshore-Wind-Sektor würden diese Package-Policen meist noch um Transport- und/oder Haftpflicht-Komponenten erweitert, da dieses im internationalen Kontext von den Beteiligten gefordert werde.

Neues Segment: Wasserstofftechnologie

Ein spannendes Feld, das sich in der Branche gerade auftut, ist die Wasserstofftechnologie. Das Gas gilt als Hoffnungsträger für die Energiewende, weil es als Speicher für grünen Strom dienen kann. Derzeit plant Siemens zum Beispiel eine neue Offshore-Turbinengeneration, an der Wasserstoff direkt an der Windkraftanlage von Stromüberkapazitäten erzeugt werden kann.

„Dieser muss dann entsprechend transportiert oder über Pipelines an die Verbraucherstellen weitergeleitet werden“, erklärt der GDV-Sprecher. „Also wird auch dazu in Kürze über entsprechende Anbindungsmöglichkeiten für den Transport nachgedacht werden und infolgedessen nach Versicherungskapazitäten nachgefragt werden“, meint er. Wasserstoff könnte also nicht nur für die Stromindustrie ein lukrativer Zweig werden, sondern auch für die Versicherungswirtschaft.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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