Für 2022

Kreditversicherer erwarten bis zu 17.000 Unternehmensinsolvenzen

Die deutschen Kreditversicherer sehen die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin bedroht. So sei lediglich der unmittelbare Schock durch Corona überwunden, nicht aber die mittel- und langfristigen Folgen. Eine davon könnte eine steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen sein.
© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt
Ein KFZ-Mechatroniker in einem Audi-Werk: Die Kreditversicherer sehen die größten Risiken in der Automobilindustrie.

Der Beginn der Corona-Pandemie ist zwar schon bald zwei Jahre her. Ihre mittel- und langfristigen Folgen für die Wirtschaft sind aber noch lange nicht überwunden. Das meint Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für 2022 erwarten die Kreditversicherer daher eine Trendwende bei den Unternehmenspleiten.

„Im kommenden Jahr wird die Zahl der Insolvenzen das erste Mal seit 2009 wieder steigen. Im besten Fall rechnen wir mit 15.500, im schlechtesten mit bis zu 17.000 Pleiten“, so Langen. Ein erstes Indiz für das Zutreffen dieser Prognose könnten aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts sein. Diese belegten kürzlich einen sprunghaften und plötzlichen Anstieg der beantragten Insolvenzverfahren im November 2021 (wir berichteten).

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Gleichzeitig könnten die Insolvenzen selbst zu höheren Schäden führen, schreibt der GDV weiter. „Die Forderungen aus einer Insolvenz lagen im ersten Halbjahr 2021 bei über 4 Millionen Euro – doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum“, so Langen. Die vergleichsweise geringe Zahl von 15.000 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2021 würde den volkswirtschaftlichen Schaden daher nur unzureichend widerspiegeln.

Als besonders hoch schätzen die Kreditversicherer das Risiko für die Automobilindustrie ein. So führe vor allem der anhaltende Mangel an Autochips bei Zulieferern zu Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Auf der anderen Seite erfordere der Strukturwandel gleichzeitig hohe Investitionen. In nahezu allen Branchen sei zudem die Gefahr durch Cyber-Kriminalität gestiegen, da viele Unternehmen das mobile Arbeiten unzureichend abgesichert hätten, schreibt der GDV.

Gute Bilanz des Lieferketten-Schutzschirms

Positiv falle die Bilanz für den Mitte des Jahres ausgelaufenen Schutzschirm für die Lieferketten der deutschen Wirtschaft aus. Im Gegenzug für eine Garantie des Bundes hatten die Kreditversicherer trotz der pandemiebedingt gestiegenen Risiken ihre Deckungszusagen in Höhe von über 400 Milliarden Euro durchgehend aufrechterhalten.

„Damit haben die Kreditversicherer einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise geleistet und das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität gestärkt“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Die Entwicklung der Deckungssummen zeige gleichzeitig, dass die Rückkehr zu einem Versicherungsschutz auf rein marktwirtschaftlicher Basis richtig war.

Aktuell sichern die Warenkreditversicherer dem GDV zufolge Lieferantenkredite in Höhe von 458 Milliarden Euro ab – also 5 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 35 Milliarden Euro mehr als zu Beginn der Pandemie.

Quelle: GDV

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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