Studie der Bertelsmann Stiftung

Unternehmen müssen beim digitalen Arbeiten noch nachbessern

Nach anderthalb Jahren Pandemie vermissen viele Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber noch immer einen klaren Plan für die Zukunft. Das zeigt eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung. Nur jeder zweite Arbeitnehmer sieht das eigene Unternehmen für die neue digitale Arbeitswelt gerüstet. Vor allem Frauen beklagen eine Verschlechterung ihrer beruflichen Situation.
© picture alliance / Zoonar | lev dolgachov
Eine Frau im Homeoffice mit Baby: Wer zu Hause arbeitet, hat oft Schwierigkeiten, Privates und Berufliches zu trennen.

Nach Ansicht ihrer Beschäftigten verfügen noch immer zu wenige Unternehmen in Deutschland über eine erkennbare Strategie für die neue Arbeitswelt. Wie eine repräsentative Ipsos-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt, sind mit 52 Prozent nur rund die Hälfte der Arbeitnehmer der Auffassung, dass ihr Unternehmen eine klare Position zur Gestaltung künftiger Arbeitsprozesse habe.

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„Offenbar sind sich viele Unternehmen auch nach anderthalb Jahren Pandemie noch immer nicht darüber im Klaren, wie das Arbeiten unter den flexiblen und digitalisierten Bedingungen erfolgen soll. Diese Unentschlossenheit verunsichert einen großen Teil der Belegschaft und kann das Fundament der Unternehmenskultur erschüttern“, sagt Jörg Habich, Experte für Führungsfragen bei der Bertelsmann Stiftung.

Wachsende Entgrenzung

In den Umfragedaten spiegeln sich auch die negativen Auswirkungen wider, die mit der Arbeit im Homeoffice einhergehen. Die große Mehrheit der Befragten hat sich damit zwar längst arrangiert, zugleich fällt es vielen aber schwer, die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz zu pflegen sowie den Kontakt zu anderen Teams aufrechtzuerhalten.

Vor allem jüngere Arbeitnehmer unter 35 Jahren berichten außerdem verstärkt von höherem Leistungsdruck und einer Verschlechterung der Work-Life-Balance im Homeoffice. Knapp jeder Zweite hat demnach Probleme damit, nach der Arbeit abzuschalten sowie Beruf und Privatleben zu trennen. „Die Unternehmen sind gefordert, auf diese wachsende Entgrenzung zu reagieren. Sie können ihre Beschäftigten beispielsweise durch Informations- und Coaching-Angebote unterstützen“, sagt Ingrid Feinstein, Director für Employee Research bei der Ipsos GmbH.

Frauen zweifeln an Gleichbehandlung

Wie die Befragung weiter zeigt, bringt der Wandel der Arbeitsbedingungen insbesondere für Frauen Schwierigkeiten mit sich. Sie geben öfter als Männer an, dass sich Arbeitsbelastung, Wohlbefinden und Produktivität verschlechtert hätten. Zudem äußern sie häufiger Zweifel, ob die Gleichbehandlung in ihrem Unternehmen weiter vorangetrieben wird. Bereits Ende 2020 hatte eine Befragung der Bertelsmann Stiftung ergeben, dass Frauen in der Corona-Situation in die traditionelle Aufgabenteilung zurückzufallen drohen.

Führungskräfte werden zu Moderatoren

„Die Unternehmen können die neu gewonnene Flexibilität nicht zurücknehmen. Daher müssen sie sich endlich konsequent mit der Frage beschäftigen, wie zukunftsfähige Modelle der Zusammenarbeit in ihrer jeweiligen Organisation gestaltet sein müssen und wie sie umzusetzen sind“, sagt Jörg Habich.

Aus Sicht des Experten sind dabei weniger die Technik und die Prozesse ausschlaggebend für den Erfolg, sondern vielmehr die unternehmenskulturellen und strategischen Weichenstellungen. Von zentraler Bedeutung sei es auch, Führungskräfte gezielt für die veränderten Aufgaben in einer mobilen und digitalen Arbeitswelt sowie für ihre wichtiger werdende Rolle als Moderator zu befähigen.

Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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