Handwerk hat goldenen Boden, sagt der Volksmund – und tatsächlich empfinden Menschen, die in handwerklichen Berufen arbeiten, eine höhere Lebenszufriedenheit als die Durchschnittsbevölkerung (siehe Grafik). Glücklich zu sein mit dem, was man tut, fördert das seelische Wohlbefinden – es schützt aber nicht vor den Risiken, die mit der Ausübung der Tätigkeit einhergehen.
„Bei den Handwerkerberufen, bei denen insbesondere die Kniegelenke stark beansprucht werden, ist die vorzeitige Verrentung häufig: Vier von jeweils zehn Pflasterern, Estrich- oder Fliesenlegern werden berufsunfähig“, sagt Michael Matz, Leiter Fachbereich Produktmanagement/Marketing der Münchener Verein Versicherungsgruppe. Generell hätten Handwerker und alle, die körperlich arbeiten, „viel höhere Risiken“ für eine Berufsunfähigkeit (BU), so Matz.
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„Im Vergleich zu Akademikern ist ihr Risiko, aus dem Berufsleben aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aussteigen zu müssen, dreimal höher“, sagt der Biometrie-Experte. Vor allem bei Unfällen und Erkrankungen des Bewegungsapparats sei das BU-Risiko für Handwerker doppelt so hoch wie bei Akademikern, schildert Matz auf Basis hauseigener Statistiken. Bei Gerüstbauern und Dachdeckern werde sogar mehr als jeder Zweite berufsunfähig.
Aus diesem Grund sollten insbesondere Handwerkerinnen und Handwerker danach streben, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. „Wer trotz Berufsunfähigkeit ein sicheres Einkommen haben möchte, fährt mit einer BU immer noch am besten“, betont Matz. Allerdings ist es für körperlich Tätige oft schwierig, eine solide und zugleich bezahlbare BU zu bekommen – denn das höhere Eintrittsrisiko lassen sich die Gesellschaften über höhere, für die Zielgruppe oft zu hohe, Prämien entlohnen.

„Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sicherlich die Königsklasse“, sagt Versicherungsmaklerin Christina Jasmer. Denn hier seien die Prämien für die meisten handwerklichen Berufe, im Vergleich zu den Berufsgruppen mit rein administrativen Aufgaben, „sehr hoch“, weiß die Expertin, die als Geschäftsführerin des Maklerunternehmens Proma im schwäbischen Jettingen-Scheppach schon viele Handwerker und Handwerkerinnen beraten hat. Es gebe zwar Stellschrauben bei der Preisgestaltung, wie etwa die Rentenhöhe und die Leistungsdauer – trotzdem schrecken einige Handwerker davor zurück, den Preis zu zahlen.
Welche Prämien der Zielgruppe abverlangt werden, rechnet Jan Haug, Produkt- und Service-Entwickler Lebensversicherung bei der Signal Iduna Gruppe, beispielhaft vor: Für einen 30-jährigen Tischler, der eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.000 Euro bis zum Endalter 67 absichern möchte, liegt der Beitrag im Tarif „SI WorkLife Exklusiv-Plus“ bei 93 Euro monatlich (Netto-Beitrag) – und das dürfte noch ein vergleichsweise preiswert gerechnetes Angebot sein. Maklerin Jasmer sieht die Beiträge für die Absicherung einer „angemessenen Rentenhöhe“ im Bereich von 150 bis 200 Euro. Aufgrund ihres beruflichen Risikoprofils sei es für Handwerker oft schwer, eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsabsicherung zu erhalten, räumt auch Signal-Iduna-Manager Haug ein.
Und weil das so ist, bespricht Jasmer mit ihren Kunden Alternativen zur klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung. Hier sei es ihr wichtig, ihren Kunden „einen Überblick zu geben, welche Möglichkeiten es gibt“. Unter anderem gehören die Unfallversicherung, die Dread-Disease-Versicherung, die Erwerbsunfähigkeits- und die Grundfähigkeitsversicherung (GFV) dazu, zählt die Maklerin auf. Dabei gilt, dass körperlich Tätige, je nach Beruf, unterschiedliche Prioritäten setzten. Gerade für LKW-Fahrer könne eine alternative Absicherung zur BU beinhalten, dass zumindest der „Verlust der Fahrerlizenz“ abgedeckt ist, bei anderen Mandanten ist wiederum der Einschluss von Depressionen und psychischen Erkrankungen ratsam. „Als Versicherungsmaklerin habe ich die Möglichkeit, unabhängig zu beraten, und wir finden daher immer eine für den Kunden passende Lösung“, sagt Jasmer.
Signal-Iduna-Produktmanager Haug empfiehlt, dass insbesondere körperlich arbeitende Handwerker über den Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung nachdenken sollten. „Diese zahlt, wenn die Betroffenen elementare geistige oder körperliche Fähigkeiten verlieren – also beispielsweise nicht mehr heben und tragen, sich nicht mehr hinknien und erheben oder ihre Hände nicht mehr gebrauchen können“, erklärt Haug – alles häufige Gründe, warum etwa Fliesenleger oder Dachdecker ihren Beruf noch vor dem Renteneintrittsalter aufgeben müssten.
Damit sei der Verlust einer Grundfähigkeit, „häufig damit gleichzusetzen, dass der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann“, so Haug. Daher sei eine GFV für körperlich Arbeitende „ein sehr guter Schutz zu bezahlbaren Beiträgen“. Der besagte 30-jährige Tischler, der 1.000 Euro Rente im Monat bis zum Endalter 67 absichern möchte, zahlt demnach bei der Signal Iduna für die Absicherung von 20 Grundfähigkeiten 48 Euro monatlich – umfasst der Schutz nur 12 Grundfähigkeiten, sinkt die Prämie auf 35 Euro.
Alternativ bietet der Versicherer Handwerkern auch die Möglichkeit, ihren Beitrag in der BU zu senken – zumindest theoretisch. Denn dafür muss die versicherte Person in drei Bereichen bestimmte Bedingungen erfüllen: berufliche Qualifikationen, Anteil der Bürotätigkeit und Personalverantwortung. Wird zum Beispiel eine berufliche Zusatzqualifikation erworben – im Handwerk ist das häufig der Meisterbrief –, sinkt der monatliche BU-Beitrag für den 30-jährigen Tischler von den zuvor genannten 93 auf 82 Euro.
„Nur noch“ 72 Euro zahlt der Tischlermeister, wenn er mindestens zwei Drittel seiner Arbeitszeit mit Bürotätigkeiten verbringt. Ebenfalls beitragssenkend kann es laut Produktmanager Haug sein, wenn die versicherte Person Personalverantwortung für mindestens fünf sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter trägt. Darunter fallen auch Auszubildende und Teilzeitmitarbeiter.
Auch beim Münchener Verein wird versucht, Handwerker in der BU zu halten. Ein wichtiger Baustein hierfür soll die sogenannte Aktiv-Variante der Mitte 2018 gestarteten „Deutschen Handwerker Berufsunfähigkeitsversicherung“ (DHBU) sein. Die Police sei nicht nur noch einmal rund 30 Prozent günstiger als ein klassischer DHBU-Schutz, wie Produktmanager Matz sagt. Der Vorteil sei hier auch, dass der Vermittler „in der BU-Beratung bleibt, denn die Aktiv-Variante ist eine BU“.
Nun ja, das mag formell so sein – doch ohne Kompromisse geht es auch hier nicht. So deckt die Aktiv-Variante zwar die Hauptrisiken der Handwerker – Erkrankungen des Bewegungsapparats und Unfälle – ab. Das heißt, in diesen Fällen leistet sie 100 Prozent BU-Rente – in allen anderen BU-Fällen aber nur 50 Prozent der vereinbarten Leistung. Immerhin planen die Münchner für Januar 2022, das Scoring-Verfahren insbesondere für Meister zu verbessern, um „auch hier nochmals die Prämien reduzieren zu können“, so Matz.
Und wenn das immer noch nicht ausreicht? Nun, Maklerin Jasmer glaubt zumindest, dass die GFV in Zukunft weiter an Attraktivität gewinnt: „Als ich vor 15 Jahren mein BWL-Studium, Fachrichtung Versicherung und Finanzen, begonnen habe, standen wir am Anfang der Weiterentwicklung der Berufsunfähigkeitsversicherung. Ähnlich sehe ich aktuell den Markt der Grundfähigkeitspolicen.“ Es werde notwendig sein, so Jasmer, dass Versicherer ihre Bedingungen „nach und nach konkretisieren und verbessern. Es gibt bereits Anbieter mit unterschiedlichen Zusatzbausteinen, das wird sicherlich weiter zunehmen.“
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