D&O-Versicherungen

Warum der Markt für Managerhaftpflicht-Policen derzeit schwierig ist

Der Markt für Managerhaftpflichtversicherungen wird schwieriger. Bestimmte Haftungsfälle werden kaum noch abgedeckt, für andere werden die Prämien deutlich erhöht. Die Hintergründe.
Elon Musk
© picture alliance / AP Photo / Jae C. Hong
Auch der Autobauer Tesla sah sich bei der D&O-Versicherung für Chef Elon Musk hohen Prämien gegenüber.

Verhärtet ist er, der Markt für Directors and Officers Liability Insurance, zu Deutsch D&O-Versicherung oder Managerhaftpflichtversicherung genannt. Sie greift dann, wenn zum Beispiel Vorstände, Geschäftsführer oder Aufsichtsräte eines Unternehmens fahrlässig ihre Pflichten verletzen und dabei Schäden verursachen. Wenn Aktionäre, andere Anteilseigner oder das Unternehmen selbst sie zur Haftung ziehen, übernimmt die D&O-Versicherung den Schaden. Wenn die Ansprüche denn berechtigt sind. Ist das nicht der Fall, zahlt der Versicherer die Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichtsverfahren, um die unberechtigten Ansprüche abzuwehren.

Und inwiefern ist der Markt nun verhärtet? Nun, es wird schwieriger für Manager, eine solche Versicherung zu bekommen, beobachtet Mario Hartmann, Underwriting Manager Berufshaftpflicht und D&O bei Hiscox Deutschland. „Dies kann je nach Versicherer Folgendes bedeuten: Prämienerhöhungen, Reduzierungen der Versicherungssumme, Aufnahme von Ausschlüssen und andere Bedingungseinschränkungen und letztlich auch eine Verknappung von Versicherungsschutz für bestimmte Branchen“, berichtet er. Es erfolge auch eine eingehendere Prüfung durch die Versicherer – „dies betrifft in erster Linie die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, aber auch einen möglichen Einfluss von Corona auf die Geschäftsentwicklung und auch einen Ausblick auf Geschäftszahlen und -aktivitäten“.

Da haben wir es also wieder, das omnipräsente C-Wort. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beobachtet Folgen der Corona-Pandemie für den Markt: „Das Problem ist nicht in erster Linie der wirtschaftliche Abschwung. Problematisch sind hingegen manche Sonderregelungen, mit denen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bekämpft werden sollen. So ist bis Ende September die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt, und es gelten modifizierte Regeln zur persönlichen Haftung für Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife. Das führt zu erheblichen Rechtsunsicherheiten für Geschäftsführer und Vorstände. Die zu erwartenden Rechtsstreitigkeiten bergen für die D&O-Versicherer das Risiko hoher Schadenzahlungen“, führte der Verband schon im Juni 2020 auf seiner Website aus.

Pandemie-Aufschläge en masse

Das aktuelle Vorgehen vieler D&O-Versicherer stößt selbst in der eigenen Branche auf Kritik. Franz Held, Prokurist beim Kölner D&O-Anbieter VOV, verurteilt zum Beispiel aktuelle Pandemie-Aufschläge und die zu diesem Zweck verschickten Corona-Fragebögen, die häufig pauschal an alle versicherten Unternehmen gingen. „Die meisten Daten liegen ja bereits aus dem Underwriting vor“, so D&O-Fachmann Held. „Wer jetzt plötzlich mit ellenlangen Fragebögen kommt und Informationen mehrfach abfragt, trägt dazu bei, die Unternehmen unnötig zu verunsichern.“ Auch hart von der Pandemie getroffene Branchen einfach pauschal auszuschließen, lehnt Held ab: „Ganze Branchen unter Generalverdacht zu stellen schadet dem D&O-Markt.“

Schäden, die eigentlich keine sind

Dass es im Markt momentan nicht allzu rosig aussieht, ist aber auch von den Versicherern selbst verschuldet. In der Vergangenheit haben die versicherten Unternehmen immer mehr Leistungen in die D&O-Verträge hineinverhandelt. Selbst solche Schäden, für die ein Manager gar nicht hätte haften müssen, ließen einige Unternehmen vom D&O-Versicherer erstatten, beobachtet Held. „Eigenschäden aus der Deckungssumme zu bezahlen zielt am Schutzzweck einer D&O-Versicherung vorbei und benachteiligt die versicherten Personen unangemessen.“

Daher zeichne sich jetzt eine Trendumkehr ab mit abgespeckten Leistungen und zum Teil drastisch steigenden Preisen. „Größere Unternehmen müssen teilweise mit Aufschlägen von mehreren Hundert Prozent rechnen, wenn sie ihre D&O-Verträge verlängern oder neu abschließen wollen“, berichtet Held. Im klein- und mittelständischen Bereich seien die Prämien dagegen einigermaßen stabil. Doch auch hier stünden die mitunter sehr umfangreichen Bedingungswerke auf dem Prüfstand.

Kosten von 33.333 Dollar – am Tag

Das ist übrigens kein rein deutsches Problem. Prominentes Beispiel: Elon Musk. Sein Autounternehmen Tesla verkündete im Mai 2020, die D&O-Versicherung für ihren exzentrischen Manager – die übrigens laut eines Berichts des Fachportals insurancebusinessmag.com 33.333 Dollar am Tag kostet – nicht verlängern zu wollen. Der Grund: die „unverhältnismäßig hohen Prämien“, die die Versicherer verlangten.

Stattdessen wollte das Unternehmen Musks Angebot annehmen, in dem er selbst für den Versicherungsschutz aufkommt – mit 3 Millionen Dollar für 90 Tage Schutz. Inzwischen ist das Unternehmen aber doch zu dem klassischen D&O-Schutz zurückgekehrt. Denn der Deal mit Musk barg unter anderem das Risiko, dass andere Manager Entscheidungen des Tesla-Chefs potenziell nicht mehr kritisch infrage stellen könnten, da ihr Versicherungsschutz von ihm abhängt.

Weiter viel Potenzial im Mittelstand

Auch wenn der D&O-Markt aktuell vor Problemen steht, sehen Marktexperten optimistisch in die Zukunft – gerade was den Mittelstand betrifft: „Hier sehen wir weiterhin sehr viel Potenzial“, sagt Hiscox-Underwriter Hartmann. „Die Wirtschaftskrise, Pandemie und auch Szenarien wie bei Volkswagen und Wirecard haben auch im Mittelstand zu einer weiteren Schärfung des Bewusstseins für die Risiken im Management und für die Vorteile einer D&O-Versicherung geführt“, erklärt er.

Gerade Vermittlern komme eine zentrale Bedeutung zu, dieses Potenzial zu erschließen, indem sie „professionell die Bedürfnisse der Unternehmen und Entscheidungsträger ermitteln, die Risiken und Versicherungsmöglichkeiten aufzeigen, die Besonderheiten der Marktentwicklung erörtern, beim Transfer von Risikoinformationen unterstützen und letztlich risikoadäquaten Versicherungsschutz vermitteln“, fasst Hartmann zusammen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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