Vorstoss aus Portugal

Neuer Anlauf für eine EU-weite Börsensteuer

Die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft hat eine neue Initiative zur Einführung einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer (FTT) gestartet. Laut eines Medienberichts sollen dazu die bereits existierenden Börsensteuer-Modelle aus Frankreich und Italien kombiniert werden. Doch gegen den Plan regt sich bereits Widerstand.
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Olivier Matthys
Bis Ende Juni hat Portugal unter Premier António Costa die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Seit 2011 wird auf EU-Ebene nun schon über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer (FTT) verhandelt – bislang ohne Erfolg. Jetzt unternimmt die derzeit amtierende portugiesische Ratspräsidentschaft einen neuen Anlauf. Wie das Handelsblatt berichtet, hat der Europäische Rat dazu ein Papier mit der Überschrift „Finanztransaktionssteuer – der Weg nach vorne“ erarbeitet. Die Vorlage für die 27 Finanzminister sieht demnach vor, die bereits existierenden Steuermodelle aus Frankreich und Italien miteinander zu kombinieren.

Italien und Frankreich als Vorbilder

In Italien fällt seit 2013 eine Finanztransaktionssteuer beim Kauf von Aktien und ähnlichen Wertpapieren an. Sie beinhaltet auch die Besteuerung von Transaktionen mit Derivaten. Die französische Finanztransaktionssteuer wurde bereits vor neun Jahren eingeführt. Die Steuer wird auf den Kauf von Aktien oder ähnlichen Wertpapieren von Unternehmen mit Hauptsitz in Frankreich und einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Euro erhoben.

Die neue Initiative der portugiesischen EU-Spitze stößt bei Finanzexperten bereits auf Widerstand. „Das französische Modell ist die denkbar schlechteste Blaupause für eine europäische Finanztransaktionssteuer, denn sie trifft ausschließlich europäische Unternehmen und klammert Hochfrequenzhändler aus“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Europäischen Volkspartei (EVP), Markus Ferber, dem Handelsblatt. Mit dem portugiesischen Ansatz einer Finanztransaktionssteuer werde nur der Kleinsparer zur Kasse gebeten, so die Kritik.

Aufbaufonds von 750 Milliarden Euro

Das Ringen um die Einführung einer FTT dauert nun schon zehn Jahre an, scheiterte aber immer wieder am Widerstand einzelner EU-Staaten. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) konnte sich 2018 mit einem Kompromissvorschlag nicht durchsetzen.

Mit einer FTT soll der Aktienkauf besteuert und dadurch der Finanzsektor stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligt werden. In der derzeitigen Corona-Krise scheint das Begehrlichkeiten zu wecken: Denn allein das Konjunkturpaket, das die EU im Zuge der Covid-19-Pandemie verabschiedet hat, hat einen Umfang von 750 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema

Scholz will Schulden mit Finanztransaktionssteuer begleichen

Obwohl die Finanzminister der Europäischen Union (EU) sich bereits gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ausgesprochen…

GDV kritisiert Vorschlag der Finanztransaktionssteuer

Eine Finanztransaktionssteuer (FTT) – das hat sich die Bundesregierung in den Kopf gesetzt. Inkrafttreten soll…

„Junge Unternehmer“ laufen Sturm gegen Börsensteuer-Pläne

Der Gesetzentwurf von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zur Börsensteuer (wir berichteten) sorgt beim Verein „Die…

Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia