Kommentar

Man muss als Vertriebler nicht dauernd erreichbar sein

Durch das Smartphone sind viele Menschen ständig online – und beschäftigen sich manchmal denn auch abends um 23 Uhr oder am Wochenende mit dem Thema Versicherungen. Muss man als Versicherungsvertriebler also ständig für seine Kunden erreichbar sein? Nö, meint Unternehmensberater Sebastian Heithoff in seinem Gastkommentar.
© Bianca Thomas Fotografie
Sebastian Heithoff ist selbstständiger Unternehmensberater.

Smartphone und Tablet sind in den vergangenen zwölf Jahren Schritt für Schritt die alltäglichen Begleiter fast aller Menschen in der Altersklasse zwischen 10 und 80 geworden. Selbst die Senioren ab Mitte 60 legen hier stetig zu und auch Kinder unter 10 können heute virtuos mit den elterlichen Geräten hantieren und allerlei Dinge anstellen, für die sie eine Generation früher schief angeschaut worden wären. Tanzen auf TikTok, zum Beispiel. Oder stundenlang sinnlos Zeit totschlagen mit Candy Crush & Co.

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Man wird es vermutlich schon in den ersten Zeilen unmissverständlich spüren, ich bin ein scharfer Kritiker einer uneingeschränkten Smartphone-Nutzung – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Denn weder die einen, noch die anderen sind mehrheitlich in der Lage, ihr Verhalten reflektiert zu betrachten und noch bewusst ohne die Hilfe eines Smartphones den Alltag zu bestreiten. Bis hin zur krankhaften Ausprägung, wie etwa der Nomophobia, der Angst, kein Smartphone dabei zu haben.

Lösung und Gefahr zu gleichen Teilen

Durch das Zusammenfassen zahlreicher Geräte in einem – Mobiltelefon, MP3-Player, Navigationsgerät, Uhr, Kalender, Freundschaftsbuch, Klatschzeitschrift und vieles mehr –, haben wir mit den modernen Smartphones eine mächtige Lösung für unseren Alltag immer griffbereit, können auch darüber arbeiten, Mails verschicken, Präsentationen erstellen und unsere Bankgeschäfte tätigen. Grundsätzlich erstmal alles gut und praktisch. Doch aus diesen unendlichen Möglichkeiten erwachsen eben auch eine große Zahl von Gefahren.

Auf alle werden wir heute nicht eingehen können, deshalb konzentrieren wir uns auf eine, die ich für Versicherungsmakler und Ausschließlichkeitsvermittler für besonders diskussionsrelevant ansehe: Die durch das internetfähige Mobiltelefon realisierte Dauererreichbarkeit für Kunden, Kollegen, Kooperationspartner und Co. Es gibt tatsächlich eine nicht unerhebliche Zahl von Vertriebskollegen, die selbst in der Nacht ihr Telefon nicht aus- oder stummschalten – es könnte ja irgendwas sein oder passieren. Und die vom Aufwachen morgens bis zum Einschlafen ständig bei Facebook, WhatsApp, Instagram und Co. online sind und auf jede Benachrichtigung reagieren.

Dass solch ein Verhalten absolut ungesund ist, dass brauche ich wohl nicht nur denjenigen zu erzählen, die Hypertonie, ihren ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Krankenakte haben. Dauerndes „on fire“-sein macht selbst den krassesten Workaholic krank, auch wenn man es über Jahre – vorerst – nicht merkt. Und das Schlimme bei ganz vielen Krankheiten ist, anders als bei Corona, das sehr langsame Anschleichen, das Monate und Jahre dauern kann. Und dann ist man schlimmstenfalls weg vom Fenster oder hat den Denkzettel fürs Leben. Doch das muss uns nicht passieren! Vorschlag: Wir fangen heute mit den folgenden sieben Tipps damit an, hier etwas zu ändern.

Ein gesundes Verhältnis zwischen Online und Offline

Wichtig ist hierfür zuallererst, dass wir uns bewusst machen, dass wir ein Problem haben. Bloß weil 8 von 10 Menschen dieses Problem auch haben, ist es absolut kein Grund, das heutige durchschnittliche Mobiltelefon-Verhalten als „normal“ oder gar als „gesund“ anzusehen. Wenn Sie bereit sind, hier in ruhigere und dennoch Ihre Vertriebszeit nur marginal schmälernde Gewässer zu fahren, betrachten Sie bitte die folgenden sieben Punkte.

  1. Analysieren Sie mit einer App, wie lang Sie am Tag Ihr Smartphone nutzen und wofür. Bei WhatsApp und anderen Messengern analysieren Sie bitte grob, wieviel Anteil auf geschäftliche und wieviel auf private Nutzung entfällt.
  2. Führen Sie eine Woche ein Tagebuch, wann Sie Ihr Smartphone morgens erstmalig in die Hand nahmen (im Verhältnis zum Wachwerden) und wann Sie es zur Nacht abgelegt haben (im Verhältnis zum Augenschließen und Schlafen).
  3. Finden Sie heraus, wann die Stoßzeiten sind, zu denen bei Ihnen dienstliche Kommunikation stattfindet. Bei manchen ist das tatsächlich abends, das müssen wir wissen. Notieren Sie das.
  4. Fertigen Sie auf einem großen Blatt Papier, Whiteboard oder am PC auf einer Seite eine Grafik an, auf der Sie eine Woche wie einen Stundenplan eintragen, aber mit 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Darin tragen Sie nun alle Werte aus den ersten drei Punkten ein. Erkennen Sie ein Muster? Falls noch nicht, wiederholen Sie dies ein oder zwei weitere Wochen, die möglichst typisch für Ihren Vertriebsalltag sein sollen.
  5. Wenn Sie nun aus Ihrer Matrix herausfinden, dass Sie zu bestimmten Zeiten regelmäßig nicht dienstlich kommunizieren, überlegen Sie, ob Sie zu diesen Zeiten nicht einfach Smartphone-freie Zeit einplanen. Und stattdessen etwas für sich selbst tun oder die Zeit mit Familie, Freunden oder Ihren Liebsten verbringen.
  6. Unabhängig davon sollten Sie schauen, ob Sie nach 20 Uhr und vor 08 Uhr nicht generell Ihre dienstliche Erreichbarkeit aussetzen wollen. Wenn Ihre Kunden in genau diesen zwölf Stunden besonders aktiv sind, schauen Sie entweder, ob Sie sich dann für die Randzeiten andere Teile des Tages freihalten oder ob Sie sich um eine virtuelle Assistenz oder ein Callcenter kümmern.
  7. Auch wenn Ihnen irgendwelche Power-Tschaka-Vertriebscoaches etwas anderes erzählen: Das Wochenende gehört Ihnen! Und Ihren Liebsten. Für Ihre allerbesten Kunden kann eine Ausnahme gemacht werden, doch eben nicht für ein Mofa-Kennzeichen und auch nicht für etwas, das auch bis Montag warten kann. Respekt vor dem Privatleben des anderen muss man manchen Kunden tatsächlich noch beibringen, aber das können nur Sie selbst.

Ganz allgemein haben Sie es „in der Hand“, im wahrsten Sinne des Wortes: Sie entscheiden, wie sehr Sie Ihr Smartphone – und damit die Macht anderer über Sie – in der Hand halten, beziehungsweise im Umkehrschluss Ihre eigene Macht stärken und nicht hinter jeder noch so kleinen Möglichkeit auf Kosten Ihrer Gesundheit hinterher rennen.

Für mich ist das Wochenende und die Zeit zwischen 18:00 und 09:00 Uhr seit jeher meine Freizeit, in der allein ich die Zügel in der Hand halte. Das nennen viele verrückt. Ich nenne es souverän. Und glücklich.

Über den Autoren

Die Vorteile von Digitalisierung und digitaler Transformation in Vertrieb und Marketing nutzbar machen – das ist die Passion von Sebastian Heithoff (*1986). Der selbstständige Unternehmensberater mit zwölf Jahren Versicherungs- und Marketing-Background setzt mit Heithoff Consulting auf die Kernbereiche Digital Enablement und Digitale Positionierung.

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Eine Antwort

  1. Liebe Pfefferminzia-Redaktion, herzlichen Dank für die erneute Kooperation, insbesondere an Karen Schmidt und Matthias Heß 🙂 Bis bald, liebe Freunde! Lübeck grüßt gen Hamburg.

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