Umfrage zur Zukunft der bAV

Sozialpartnermodell fristet weiter Schattendasein

Die großen Lebensversicherer in Deutschland gehen davon aus, dass die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Das zeigt eine neue Deloitte-Studie. Das Sozialpartnermodell fristet allerdings noch immer ein Schattendasein – auch weil ein erster rechtsverbindlicher Abschluss weiter auf sich warten lässt.
© picture alliance / Neundorf/Kirchner-Media
Für einen sorgenfreien Ruhestand: Mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) sparen Arbeitnehmer für die Rente.

Die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) wird aktuell für den erweiterten Markt der Lebensversicherungen (Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen) als groß bis sehr groß eingeschätzt. Das belegt eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte, an der Vorstände und Experten von 21 Lebensversicherungen, Run-off-Plattformen und einer Pensionskasse teilnahmen.

Demnach messen 95 Prozent der Befragten der bAV eine große oder sogar sehr große Bedeutung für den Lebensversicherungsmarkt bei. Sie gehen zudem davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren die Rolle der bAV für das eigene Unternehmen weiter zunimmt: Etwa 90 Prozent der Interviewten siedeln den entsprechenden Anteil am Neugeschäft mittelfristig bei über 20 Prozent an.

Sozialpartnermodell stößt auf Zurückhaltung

Mit Blick auf das Sozialpartnermodell lässt sich allerdings noch eine gewisse Zurückhaltung ausmachen: Für Lebensversicherungen sehen lediglich 29 Prozent der Umfrage-Teilnehmer in den nächsten fünf Jahren eine große Bedeutung des Modells. Für die Pensionskassen gehen 86 Prozent sogar von einem geringen bis sehr geringen Stellenwert aus. Zumindest in Bezug auf Pensionsfonds sprechen knapp die Hälfte der Befragten Sozialpartnermodellen eine große Bedeutung zu. Immerhin: Von den Umfrageteilnehmern, die Neugeschäft betreiben, bieten 84 Prozent allein oder in einem Konsortium ein Sozialpartnermodell an beziehungsweise beabsichtigen eine Einführung.

Rente ohne Garantie

Zum Hintergrund: Mit Einführung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) Anfang 2018 haben Tarifvertragsparteien, also Arbeitgeber und Gewerkschaften, die Möglichkeit, sogenannte Sozialpartnermodelle (SPM) zu vereinbaren. Sie stellen einen Paradigmenwechsel in der betrieblichen Altersversorgung dar und eröffnen quasi eine zweite bAV-Welt.

Das Herzstück des Modells ist die Einführung einer „reinen Beitragszusage“: Der Arbeitgeber zahlt für seinen Arbeitnehmer über eine Versorgungseinrichtung, etwa ein Versicherungsunternehmen, einen bestimmten Beitrag in die bAV. Für die Höhe der daraus resultierenden Altersrente gibt es aber keine Garantie. Das schafft Spielraum für Investitionen in höher rentierte Anlageklassen, birgt aber auch das Risiko von Rentenkürzungen. Daher können die Sozialpartner eine „Zielrente“ vereinbaren und einen zusätzlichen Sicherungsbeitrag vereinbaren, den allein der Arbeitgeber bezahlt. Wie bei der Entgeltumwandlung auch sind die Beiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmer steuerlich gefördert. Bis heute ist allerdings noch kein Sozialpartnermodell rechtsverbindlich vereinbart worden.

Koexistenz von alter und neuer bAV-Welt

Die durch das Sozialpartnermodell neu geformte „bAV-II-Welt“ unterscheidet sich grundlegend von der durch Garantien und Einstandspflichten geprägten „bAV-I-Welt“. 87 Prozent der von Deloitte Befragten rechnen allerdings damit, dass die Bedeutung der klassischen bAV-Gestaltungsmodelle auch mit der Einführung von Sozialpartnermodellen mindestens unverändert bleiben wird. 62 Prozent geben an, dass das Sozialpartnermodell die bisherige bAV-I-Welt nicht verdrängen wird.

„Die Relevanz von Sozialpartnermodellen wird zumindest auf kurze Sicht noch verhalten eingeschätzt“, fasst Deloitte-Direktor Klaus Friedrich die Studien-Ergebnisse zusammen. „Dennoch sind viele der befragten Unternehmen überzeugt, dass auf die ersten Vereinbarungen weitere folgen werden – nicht zuletzt auch aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsperiode und der Diskussion um die Finanzierbarkeit über lange Zeiträume gewährter Garantien. Wesentlich für den Erfolg des Versorgungssystems Sozialpartnermodell ist aber letztlich auch die Akzeptanz der Arbeitnehmerinnen und -nehmer.“

Die komplette Studie, die Deloitte zusammen mit dem Analysehaus V.E.R.S. Leipzig erstellt hat, finden Sie hier zum Download.

Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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