Wer an die Cosmos Direkt denkt, sieht diese Wand an Auszeichnungen vor sich, die den gesamten Fernsehbildschirm bedeckt. In der Mitte der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann, der sich sichtlich heimisch fühlt zwischen all den Trophäen (obwohl seine eigene Sammlung mit fünf Titeln überschaubar war…). Das ist zwar jetzt schon 13 Jahre her, aber die Kampagne ist in Erinnerung geblieben. Heutzutage wirbt Cosmos Direkt mit „Liebe zum Handy“ oder „Liebe zum Auto“. Natürlich ohne zu vergessen, dem Zuschauer die Auszeichnungswand dicht und wuchtig vor die Nase zu halten.
Der Schwerpunkt der Kampagnen liegt in der Regel auf Sachversicherungen, insbesondere Kfz. Und ohne in diesem Segment auch nur annähernd Experten-Status zu haben, glaube ich unbesehen, dass Preis-Leistung da in einem sehr vernünftigen Verhältnis stehen. Das gilt auch für die Risikolebensversicherung, wo sie uns Maklern häufiger begegnet. Und zwar meist nicht „Über-Kreuz“, wie das regelmäßig aus erbschaftssteuerlichen Gründen konfiguriert sein sollte.
Zwar macht Cosmos Direkt auf der Seite ein persönliches Beratungsangebot, also per Chat oder Telefon. Auch der beratungskorrekte Hinweis auf die oben angeführte Versicherungsnehmer-Versicherte-Person-Konstellation über einen Info-Button fehlt nicht. Aber gefühlt schließt ein Kunde bei Cosmos Direkt ab, wenn er nicht mehr allzu viele Infos braucht und sich schnell zum Ergebnis klicken kann.
Das würde sich mit einer anderen Erfahrung decken. Nämlich, dass Altersvorsorgeverträge eher seltener im Kundenordner zu finden sind. Was insofern erstaunlich ist, als dass es auch für diese Cosmos-Produkte Prädikate und Auszeichnungen nur so hagelt. Hier bloß die zwei jüngsten Beispiele: Laut dem „Service-Atlas Lebensversicherer 2020“ von Servicevalue bietet die Cosmos die beste Kundenorientierung in der Lebensversicherung. Als einziger Versicherer bekam Cosmos Direkt die Höchstnote in allen Kategorien: Produkte, Kundenberatung, Kundenservice und Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das ist umso verblüffender, als hierzu auch die Teilbereiche „Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation“ und „Vollständigkeit der Beratung“ gehören, die man bei einem Direktversicherer jetzt nicht auf Anhieb zu den typischen Kernkompetenzen zählt. Im Grunde ein Schlag ins Gesicht für jede Vor-Ort-Agentur, die mit toll ausgestatteten Büros in zentraler Lage, bestens ausgebildet und zentral supported, regional und unmittelbar Stunden und Aberstunden mit den Kunden direkt und persönlich zusammen an einem Tisch zubringt. Kann das wirklich sein?
Auch in der Finanztest 11/2020 lacht die Cosmos als Testsieger bei den fondsgebundenen Rentenversicherungen auf die Konkurrenz herab. Ein „Gut“ mit der Gesamtnote 2,1 ist in dieser Sparte fast schon ein paranormales Ereignis. Und auf jeden Fall eine Auszeichnung mehr an der Wand…
So, jetzt muss man sich aber so einen Finanztest-Test mal genauer anschauen. Da wird bewertet: Das Fondsangebot, der Rentenfaktor, die Kosten, Flexibilität und Transparenz. Die Rechnungsgrundlagen schaut man sich also nicht an, Erfahrungswerte mit dem Alltags-Service kann es nicht geben. Und ob das Produkt zum Kunden passt, weil der halt gerne selbst alles macht oder am liebsten gar nichts, das kommt in so einem Rating auch nicht zur Geltung. Wenn ein Makler für den Zweitplatzierten „Nürnberger Fondsgebundene Privatrente NFR2910“ beim Kunden Zeit verbringt und ihm auch Unterschiede zu anderen Tarifen erklärt, könnte man das ja positiv gewichten. Stattdessen wird bei Nettotarifen der Condor und der Bayerischen gar keine Bewertung vergeben, weil man nicht weiß, wieviel der Berater da an Honorar verlangt. Irgendwie strange.
Aber lassen Sie uns darauf einigen: So schlecht kann die fondsgebundene Rente der Cosmos nicht sein. Ist sie auch nicht. Aber Geld verdienen will die Generali-Tochter schon auch. Das sieht man, wenn man die Voreinstellungen übernimmt, die einem angeboten werden, sobald man auf den Rechner geht. Da kann es nämlich schweineteuer werden.
„Fonds-Pakete entdecken“ steht da. Entscheidet man sich für die offensive Variante – was gemeinhin Sinn ergibt in einer Fondspolice – dann wandern fünf sicherlich ganz ordentliche Fonds in den Motorraum der Police, mit laufenden Kosten von 1,90 Prozent im Durchschnitt und Ausgabeaufschlägen von 5,06 Prozent. Aber Moment mal, ist es nicht unfair, die Ausgabeaufschläge hier zu erwähnen? Die fallen doch in einer Fondspolice regelmäßig nicht an! Nun ja, bei der Cosmos wird der Sofortrabatt (bis zu 100 Prozent) auf den Ausgabeaufschlag quartalsweise festgelegt und ist ausdrücklich nicht für die Zukunft garantiert. Wir unterstellen ja grundsätzlich nur das Beste, aber so steht es nun mal da.
Klar positiv ist, dass die Hochrechnungen brav nach Bruttomethode gestaltet sind, die Abschlusskosten mit 0,4 Prozent unschlagbar günstig sind – und Verwaltungskosten auf den Beitrag kennt die Cosmos gar nicht. Mit laufenden Kosten auf das Vertragsvermögen in Höhe von 0,3 Prozent ist man nicht führend in der Branche (die Nürnberger hat da 0,2 Prozent, der Volkswohl Bund 0,15 Prozent, die Continentale gar 0 Prozent), aber auch nicht zu teuer. Dazu kommen noch Stückkosten von 60 Euro pro Jahr, die die Gesamtkostenquote beim 25-Euro-im-Monat-Vertrag gehörig nach oben treiben.
Bei einem reinen ETF-Vertrag kommt dann tatsächlich kein mir bekannter Makler-Versicherer mehr hin, was die Kosten angeht. Es ist jetzt kein überirdischer Abstand, aber so 1.000 bis 2.000 Euro Unterschied bei 100 Euro monatlicher Einzahlung über 30 Jahre und 5 Prozent Performance pro Jahr sind es schon, die die Cosmos Smart-Invest vor allen anderen liegt.
Das ist die Ablaufleistung. Bei der Rente muss es Abzüge geben, wenn bei einem 45-Jährigen zwar für heute ein Rentenfaktor von 26,65 Euro ausgegeben, aber nur ein spärlicher Mindestrentenfaktor von 19,99 Euro für den Ablauf mit 67 garantiert wird, also 75 Prozent davon. Das Modell fahren andere Versicherer auch, etwa der Marktführer. Spitze für den Verbraucher ist aber doch ein zu Beginn ex ante hoher garantierter Rentenfaktor, oder nicht? Im Übrigen: Bei Dynamik-Erhöhungen gilt ebenfalls nicht der heutige Rentenfaktor, sondern auch der in der Zukunft. Das machen andere besser.
Dass eine Entnahme schon ab 10 Euro möglich ist, ist dagegen bemerkenswert (zu den dafür anfallenden Kosten habe ich leider nichts gefunden), Ablaufmanagement und Re-Balancing sind natürlich auch vorhanden. Dann wird es auch schon dünn mit den Zusatzfunktionen. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn Schlankheit ist etwas, das vielen Versicherungsprodukten fehlt. Allerdings gibt es auch immer wieder innovative Neuerungen, die der Mehrzahl an Kunden einen verwertbaren Vorteil bringen wie beispielsweise die „Cash-to-go-Option“ im Mein Plan der LV 1871. Und um als Altersvorsorge-Suchender auf solche Unterschiede zu kommen, braucht es halt dann doch wieder einen Makler.
In Bezug auf die Kosten, kommt – fundiertes Fondswissen vorausgesetzt – keiner an die Smart-Invest der Cosmos Direkt ran. Bei einer privaten Rentenversicherung kommt es aber auch (und oftmals vor allem) auf die Rente und sinnvolle Zusatz-Gadgets an.
Christian Geier, Jahrgang 1974, ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. Zudem leitet er dort das umsatzstärkste Ressort „Personenversicherungen“. Der promovierte Kultur- und Betriebswirt berät dabei immer noch seine eigenen Kunden und lebt und arbeitet im niederbayerischen Straubing.
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