Wegen Corona

Kreditversicherer erwarten Insolvenz-Welle ab Januar

Die deutschen Kreditversicherer rechnen wegen der Corona-Pandemie für das kommende Jahr mit einer schnell steigenden Zahl von Unternehmenspleiten. Für das laufende Jahr erwarten sie wegen der staatlichen Hilfsmaßnahmen dagegen nur einen leichten Anstieg der Schäden.
© picture alliance / ZB | Z6944 Sascha Steinach
Unter den Öffnungszeiten eines Geschäfts in Beelitz (Brandenburg) steht der Schriftzug „geschlossen für immer“: Die Zahl der Insolvenzen wird 2021 wohl sprunghaft zunehmen.

„Die deutsche Wirtschaft schiebt seit Monaten eine Welle von Insolvenzen vor sich her. Erst wenn ab Januar sowohl überschuldete als auch zahlungsunfähige Unternehmen wieder einen Insolvenzantrag stellen müssen, werden wir erkennen, wie groß dieser Anstieg ist und welche wirtschaftlichen Verwerfungen die Corona-Pandemie tatsächlich angerichtet hat“, sagt Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Die Bundesregierung hatte in der Corona-Pandemie die Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt und diese Regelung zuletzt bis Ende 2020 verlängert. Auch deshalb erwarten die Kreditversicherer für das laufende Jahr nur leicht steigende Schäden: Nach einer Hochrechnung des GDV müssen die Warenkreditversicherer im Jahr 2020 für Zahlungsausfälle in Höhe von 436 Millionen Euro geradestehen, das wären gerade mal 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kreditversicherer finden die für Januar vorgesehene Rückkehr zu grundlegenden marktwirtschaftlichen Prinzipien gut. Insolvenzen seien in einer Marktwirtschaft natürlich und notwendig, betont Langen: „Mittlerweile richtet die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht mehr Schaden an als sie nutzt, denn die Unsicherheit im Markt wächst täglich. Jeder Lieferant muss sich fragen, ob sein Geschäftspartner tatsächlich noch solvent und stabil ist – oder doch längst insolvent, aber noch keinen Antrag stellen musste.“

Schutzschirm gespannt

Damit die erwarteten Insolvenzen keine im Kern gesunden Unternehmen mit sich reißen, haben Kreditversicherer und Bundesregierung bereits im April 2020 einen Schutzschirm für die Lieferketten der deutschen Wirtschaft gespannt und werden diesen bis Mitte 2021 aufrechterhalten, berichtet der Verband weiter. Im Gegenzug für eine Garantie des Bundes in Höhe von 30 Milliarden Euro halten die Kreditversicherer trotz der pandemiebedingt gestiegenen Risiken ihre Deckungszusagen in Höhe von über 400 Milliarden Euro aufrecht.

Zudem beteiligen sie sich mit 10 Prozent an den Schadenzahlungen im Rahmen des Schutzschirms und führen rund 60 Prozent ihrer Prämieneinnahmen an den Bund ab. „Die Kreditversicherer leisten mit dem Schutzschirm für die Lieferketten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der Krise, indem sie das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität stärken“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Mehr zum Thema

D&O-Schutz greift auch bei Zahlungen nach Insolvenzreife

Bemerkenswert klar stellt der Bundesgerichtshof (BGH) in seinem Urteil vom 18. November auf die Sicht…

Getsurance reicht Insolvenzantrag ein

Der digitale Versicherer Getsurance, der unter anderem Berufsunfähigkeits- und Krebsversicherungen verkauft, hat am Dienstag Insolvenz…

Betriebshaftpflicht – Warum sie auch für Subunternehmer wichtig ist

Trotz der Corona-Einschränkungen sind die Auftragsbücher in der Bau- und Handwerksbranche noch gut gefüllt. Viele…

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert