Wegen Corona

Experten erwarten Gewinnreduzierung von 30 Prozent

Europas Versicherer ächzen unter der Last der Corona-Krise. Eine aktuelle Studie sagt nun voraus, dass die Gewinne innerhalb der Branche um ganze 30 Prozent zurückgehen werden und auch das Wachstum sich verschlechtern wird. Und trotzdem: Für „existenzbedrohend“ halten die Studienexperten die Lage nicht.
© picture alliance / ANE / Eurokinissi | Imini Karli
Medizinisches Personal mit einem Corona-Teststäbchen: Die Covid-19-Pandemie hat starke Auswirkungen auf die Versicherungsbranche.

Im Rahmen der „European Insurance Study 2020“ haben die Experten der Managementberatung Zeb die zu erwartenden Auswirkungen der Corona-Krise auf den europäischen Versicherungsmarkt untersucht. Unter anderem sei zu erwarten, dass die Gewinne „in diesem Jahr um 30 Prozent zurückgehen werden und sich auch das Wachstum abschwächen wird“, heißt es in dem Studienpapier.

Zum Vergleich: Noch im Vorjahr konnte die europäische Versicherungsbranche ein Prämienwachstum von durchschnittlich 6 Prozent sowie einen um 25 Prozent höheren Gewinn vor Steuern erwirtschaften. Laut Studie kletterte zudem die Eigenkapitalrendite der europäischen „Top 25“ von 8,6 auf 11,3 Prozent. Und: Das operative Vorsteuerergebnis legte um 25 Prozent zu – vor allem dank geringer Schadenquoten in der Schaden- und Unfallversicherung.

Fast alle Versicherer konnten 2019 außerdem die Solvenzanforderungen nach Solvency II erfüllen. Die „Top 25“ konnten ihre Solvenzquoten durch eine Erhöhung des Eigenkapitals durchschnittlich von 214 Prozent (2018) auf 219 Prozent (2019) steigern.

Auch konnten die Versicherer im vergangenen Jahr bei den wichtigen Prämieneinnahmen nach eher wachstumsschwachen Vorjahren „kräftig zulegen“, schreiben die Zeb-Experten. Gemessen an den Bruttoprämien habe das durchschnittliche Wachstum der „Top 25“ bei 6 Prozent gelegen. Parallel sei auch der europäische Gesamtmarkt erheblich gewachsen. Diese Entwicklung sei vor allem auf die Lebensversicherung (plus 7 Prozent) sowie Schaden-und Unfallversicherung (plus 3,7 Prozent) zurückzuführen.

Und dann kam Corona

Eine Analyse der Halbjahresberichte der fünf größten europäischen Versicherer zeigten beispielhaft, wie Covid-19 inzwischen der gesamten Branche zusetze, schreiben die Studienautoren. Sowohl im Bereich der Lebensversicherung (minus 13 Prozent) als auch im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung (minus 36 Prozent) seien die operativen Ergebnisse deutlich geschrumpft.

Und auch die durchschnittlichen Solvenzquoten der fünf größten europäischen Versicherer ist laut Studie innerhalb der ersten sechs Monate des laufenden Jahres um fast 25 Prozent geschrumpft. Ein zentraler Grund dafür sei die Entwicklung an den Finanzmärkten, insbesondere die weiter gefallenen Zinsen, gewesen, so die Autoren. Immerhin: Insgesamt liege die Solvenz fast aller Versicherer aktuell aber noch auf einem so hohen Niveau, „dass die finanzielle Stabilität nach wie vor ungefährdet ist“, schreiben die Experten weiter.

Bei der Entwicklung der Prämieneinnahmen habe es im ersten Halbjahr 2020 – anders als im Vorjahr – zudem unterschiedliche Entwicklungen gegeben: So sei der Bereich Lebensversicherungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 2 Prozent geschrumpft, der Bereich Schaden- und Unfallversicherung dagegen um 2 Prozent gewachsen. Das Fazit der Zeb-Experten: „Unter dem Strich haben die Prämieneinnahmen im ersten Halbjahr 2020 stagniert.“

Zeb-Partner Jan Hendrik Sohl fasst zusammen:

„Die europäischen Versicherer spüren die Auswirkungen der Pandemie. Existenzbedrohend ist sie aber nicht. Das liegt auch am Erfolgsjahr 2019. Die Krise hat die Versicherer gut aufgestellt getroffen.“

Rasante Weiterentwicklung der Digitalisierung

 „Konnten Versicherer bis Anfang 2020 noch über traditionelle Vertriebswege zulegen, ist das seit Covid-19 nicht mehr möglich“, erklären die Analysten weiter. Funktionierende digitale Vertriebskanäle würden damit zur Grundvoraussetzung für zukünftiges Wachstum. Damit sei sowohl die Digitalisierung des Direktvertriebs als auch die digitale Unterstützung der für den persönlichen Vertrieb zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort gemeint.

Ferner hätten Versicherungskunden in den vergangenen Corona-Monaten erkannt, dass Beratung über digitale Kanäle sehr wohl funktioniert, ergänzen die Experten. „Versicherer müssen das antizipieren und je nach eigener strategischer Ausrichtung ganzheitlich-digitale Beratungsmodelle anbieten.“

Dazu sagt Zeb-Partner Dieter Kipp:

„Alle Produkte und Kundenservices eines Versicherers sollten von Kunden persönlich und digital ohne Beteiligung einer vermittelnden Person abgeschlossen beziehungsweise in Anspruch genommen werden können. Hier anzusetzen, wird in den nächsten Monaten eine der zentralen Aufgabenstellungen der Versicherungswirtschaft sein.“

Makler und Vermittler dürfte das nicht allzu gerne hören.

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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