Bilanz der Hanse-Merkur

Corona hinterlässt Spuren im Reisegeschäft, Kranken und Leben gleichen aus

Der Umsatz im Reisegeschäft der Hanse-Merkur ist im ersten Halbjahr dieses Jahres eingebrochen. Gute Zahlen in der Lebens- und Krankenversicherung gleichen das aber aus. Auch mit den Zahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2019 zeigt sich der Hamburger Versicherer zufrieden.
© Hanse-Merkur
Eberhard Sautter ist Vorstandsvorsitzender der Hanse-Merkur.

Die Corona-Pandemie hat im Geschäftsfeld Reise und Freizeit der Hanse-Merkur deutliche Spuren hinterlassen. So musste der Hamburger Versicherer einen Umsatzeinbruch um 26,6 Millionen Euro verkraften (von etwa 112 Millionen Euro im Mai 2019 auf rund 86 Millionen im Mai 2020). Das entspricht einem Minus von 24,4 Prozent. Das Kranken- und Lebensversicherungsgeschäft konnte dieses Ergebnis aber wieder ausgleichen. Das gab der Versicherer auf seiner Bilanz-Pressekonferenz bekannt.

Das Neugeschäft in der Krankenversicherung erhöhte sich in den ersten fünf Monaten 2020 um rund 22 Prozent, in der Lebensversicherung ging es sogar um 89 Prozent nach oben. Die Bruttobeiträge im Bereich Gesundheit und Pflege stiegen bei über 6.000 neuen Vollversicherten um 5,5 Prozent. In der Leistungsregulierung schlugen die Aufwendungen zur Behandlung von Covid-19 erkrankten Kunden bisher mit zusätzlich 1,1 Millionen Euro zu Buche. 737 der vollversicherten Kunden waren nach Kenntnis der Hanse-Merkur an Covid-19 erkrankt. Davon mussten 234 stationär aufgenommen und 17 intensivmedizinisch beatmet werden. 11 Kunden in der Altersspanne von 46 bis 90 starben an der Krankheit.

Quelle: Hanse-Merkur

In der Risiko- und Altersvorsorge wuchsen die Beiträge um 155 Prozent, vornehmlich getrieben durch mehr Geschäft gegen Einmalbeiträge. Der Vertrieb von Sterbegeldpolicen legte um etwa 26 Prozent zu. Die Ergebnisse des Geschäftsfelds Schaden und Unfall bewegten sich auf dem Niveau des Vorjahres (plus 0,6 Prozent).

Von Corona-Pandemie nicht überrascht

„Unser Vorteil war, dass wir schon im Januar damit gerechnet haben, dass sich das Corona-Virus zur Pandemie auswächst“, sagte Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der Hanse-Merkur auf der Pressekonferenz. „Uns hat also nichts überrascht.“ Man habe schon im Januar 2020 einen Corona-Krisenstab gegründet, Hygienevorschriften erlassen und bis Mitte März 2020 die Heimarbeitsplätze von rund 200 auf über 1.000 hochgefahren.

Zwischenzeitlich arbeiteten bei dem Hamburger Versicherer bis zu 90 Prozent der Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus. Bis Ende August 2020 werden nicht mehr als 350 Mitarbeiter in der Hanse-Merkur Zentrale arbeiten, heißt es weiter.

Mit abgeschlossenem Geschäftsjahr sehr zufrieden

Auch für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2019 zeigt sich der Versicherer zufrieden. Die Brutto-Beitragseinnahmen stiegen um knapp 12 Prozent (Branche: plus 6,7 Prozent) oder 239 Millionen Euro auf 2,3 Milliarden Euro. Im Kerngeschäft Gesundheit und Pflege legten die Beitragseinnahmen um 6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. 7.700 neue Vollversicherte stießen 2019 zur Hanse-Merkur, in der Zusatzversicherung waren es über 14.300. Insgesamt sind damit über 1,5 Millionen Personen im Unternehmen krankenversichert.

Im Geschäftsfeld Risiko und Altersvorsorge stiegen die Beitragseinnahmen, bedingt durch eine signifikante Erhöhung der Einmalbeiträge (plus 140 Millionen Euro), um 66 Prozent. Sie liegen jetzt bei 355 Millionen Euro. Im Geschäftsfeld Reise und Freizeit bewegten sich die Beiträge mit 224 Millionen Euro in etwa auf dem Vorjahresniveau (minus 0,4 Prozent). Im Bereich Schaden- und Unfallversicherung ging es bei den Prämien um etwa 4 Prozent nach oben (Branche: plus 3,4 Prozent) auf 79 Millionen Euro. Der Kundenbestand der Hanse-Merkur stieg insgesamt um rund 400.000 auf 11 Millionen Versicherte.

Kapitalanlagen von fast 10 Milliarden Euro

Der Brutto-Überschuss vor Steuern, Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) und Schwankungsrückstellung (SchwaRü) liegt für 2019 bei 383 Millionen. Euro. Er verdreifachte sich in den vergangenen zehn Jahren und stieg im Berichtsjahr um 4,4 Prozent. Nach Steuern lag der Jahresüberschuss bei 99 Millionen Euro. Das Konzern-Eigenkapital legte um 18,4 Prozent auf 689 Millionen Euro zu.

Der Bestand an Kapitalanlagen liegt mit 9,79 Milliarden Euro nur knapp unter der 10-Milliarden-Euro-Schwelle. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen lag bei 4,0 Prozent (Branche: 3,3 Prozent), das Kapitalanlageergebnis erreicht mit einem Plus von 29,3 Prozent den Wert von 375 Millionen Euro.

Ziele und Ausblick auf das Geschäftsjahr 2020

„Für den Reisemarkt bleibt das zweite Halbjahr schwierig“, sagt Sautter voraus. Bis Jahresende dürften sich die Beitragsrückgänge in der Reiseversicherung im Verhältnis zum Vorjahr auf 50 bis 60 Millionen Euro addiert haben. Es bleibe das geschäftspolitische Ziel, diesen Beitragsabrieb durch ein Prämienplus in den Geschäftsfeldern Kranken, Leben und Schaden/Unfall zu kompensieren und bei einem leichten Wachstum von rund einem Prozent erstmals eine Beitragseinnahme von über 2,3 Milliarden Euro zu erreichen.

Mittelfristig will der Versicherer ein Beitragsaufkommen von über 3 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss nach Steuern von mehr als 100 Millionen bis zum 150-jährigen Jubiläum der Hanse-Merkur im Jahr 2025 erreichen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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