„Dass jemand gezwungen wird, seinen Job zu verlassen, obwohl er noch weiterarbeiten möchte, ist ein ganz grober Fehler der Gesellschaft“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan. In einem Interview mit dem Versicherungsverband GDV erteilt der Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) einer starren Lebensarbeitszeit eine glatte Abfuhr.
Börsch-Supan hält Warnungen vor einem Kollaps des Rentensystems und einer explodierenden Altersarmut für übertrieben. Dafür fordert er flexiblere Lösungen statt eines starren Renteneintrittsalters: Menschen über 65 sollten weiterarbeiten dürfen, wenn sie wollen. „Diese Flexibilität haben wir leider in Deutschland nicht“, sagt er.
Kurz drauf sprach sich auch Dietmar Meister, Deutschland-Chef der Generali, im „Handelsblatt“ für die Rente mit 69 aus. Purer Zufall? Eher nicht.
Schon seit geraumer Zeit geistert sogar die Rente mit 70 durch die Köpfe vieler Regierungspolitiker. Sie käme den Lebensversicherern gelegen. Denn Umfragen zufolge denken die meisten Deutschen nicht im Traum daran, über das 65. Lebensjahr hinaus in Lohn und Brot zu stehen. Eher noch kürzer soll es sein. Die damit fälligen Rentenabschläge müssten sie mit privater Vorsorge abfedern. Umso besser fürs Geschäft der Versicherer.
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