Garantieprodukte

„Deutschland ist das Land der Vollkasko-Mentalität“

In unserem täglichen Leben gibt es zahllose Garantien. Speziell die Deutschen lieben derartige Zusicherungen und Versprechungen. Jeder Toaster und jeder Eierkocher, der erworben wird, ist mit einer Garantieleistung versehen. In diesem Garantiewahn sind mittlerweile zusätzlich zu den gesetzlichen Regelungen die kuriosesten „Produkte“ entstanden, findet Markus Miller, Gründer des Medien- und Beratungsunternehmens Geopolitical Biz.
© Getty Images
Ein Kunde prüft einen Wasserkocher.

Im Handel gibt es Preisgarantien für die Rücknahme oder Preisangleichung wenn die Konkurrenz billiger ist. Es gibt Zufriedenheitsgarantien, die ein befristetes Rückgaberecht bei Unzufriedenheit mit dem Produkt versprechen. Darüber hinaus gibt es von Reparaturgarantien über Vor-Ort-Garantien bis hin zu Haltbarkeitsgarantien, Ausfallgarantien, Abnahmegarantien, Liquiditätsgarantien, Währungsgarantien, Staatsgarantien, Garantiezertifikaten, Garantiezinsen, Geld zurück Garantien oder auch den Einlagensicherungsgarantien der Banken eine Vielzahl an Garantieformen in den unterschiedlichsten Bereichen. Deutschlands Bürger sind zu einer Vollkasko-Mentalität erzogen und grundlegend risikoavers. Aber halten diese Garantien auch, was sie versprechen? Nein.

Garantiezusagen haben keinen absoluten Wert

Alle Garantiezusagen sind scheinbare Sicherheiten die keinen absoluten Wert haben. Entscheidend für einen Wertansatz ist nämlich die Frage nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen, der Rechtsstaatlichkeit  sowie der politischen Rechtssicherheit des Landes in dem die Garantien ausgesprochen werden. Gleiches gilt für das wirtschaftliche Ausfallrisiko des Garantiegebers. All diese Punkte sind immer nur ex post, also aus nachträglicher Sicht, zu beurteilen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir in einer garantierten Welt der Scheinsicherheiten leben. Ich bin mir bewusst, dass es nicht einmal sicher ist, dass morgen die Sonne wieder aufgeht. Der US-Politiker und Wissenschaftler Benjamin Franklin hat es einmal hervorragend auf den Punkt gebracht: Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: der Tod und die Steuer.

Zinsgarantien bei minus 3 bis 4 Prozent Sparzinsen?

Deutsche Sparbücher können eigentlich in ihrer Nominalverzinsung nicht in den negativen Bereich kommen. In der Realverzinsung allerdings natürlich schon. Gleiches gilt für Kapitalbildende Versicherungen. Deutsche Lebensversicherungen haben derzeit noch einen Garantiezins von 1,25 Prozent. Ab 2017 wird dieser weiter sinken, auf dann noch 0,9 Prozent. Aber selbst dieser angebliche Garantiezins könnte sich als massive Fehlkalkulation erweisen, ebenso wie die Kalkulationen bei Sichteinlagen von Banken. Bei 0 Prozent gibt es in unserem Zinssystem nämlich keinen Boden, wie wir aktuell bereits sehen und spüren.

Eine kurze Zeitreise in die Geschichte des Zinses

Historiker haben vor 5.000 Jahren in Mesopotamien die ersten Kreditgeschäfte festgehalten. In Babylon wurden 20 Prozent Zinsen bezahlt für Kredite. Im antiken Griechenland beliefen sich die Zinsen für Geldleihgeschäfte auf rund 10 Prozent. Im römischen Reich auf rund 8 Prozent und in Byzanz auf 12 Prozent. Die Kaufleute aus Venedig verrechneten rund 6 Prozent. Jahrhunderte beziehungsweise Jahrtausende später, während der Welteroberung durch die holländischen Seefahrer und Händler notierte das Zinsniveau auf rund 8 Prozent. Während der Englischen Welteroberung im 18. Jahrhundert war das Zinsniveau bei rund 10 Prozent. Wenn wir nach Deutschland blicken, hatten wir im Jahr 1975 durchschnittliche Sparzinsen von 5 Prozent. 1985 lediglich noch rund 3 Prozent. 1995 und 2005 rund 2 Prozent. Im Jahr 2015 hat sich dieses Niveau geviertelt auf noch 0,5 Prozent. 2016 werden wir mehr oder weniger bereits eine Null sehen.

Es gibt keine Erfahrungswerte für eine Negativzinswelt

Wir leben in einem historisch noch niemals zuvor dagewesenen Finanzzeitalter. Unser heutiges, zinsbasiertes Geldsystem ist für mich derzeit so krank, wie nie zuvor in der Geschichte der letzten Jahrtausende. Bei Aktien gilt „Tiefer als Null kann eine Aktie nicht fallen“. Für Zinsen gilt das nicht. Ich war vor einigen Monaten auf einem geschlossenen Vortrag eines renommierten Ökonomen, der prognostiziert hat, dass wir in Zukunft negative Sparzinsen von 3 bis 4 Prozent jährlich sehen werden. Eigentlich unglaublich, aber ich würde eine derartige Entwicklung heute auch nicht mehr ausschließen. Unsere Welt hat seit 5.000 Jahren keine Erfahrungswerte gesammelt, was mit unseren Systemen passiert, wenn wir längerfristig Negativzinsen haben. Niemand wird die Auswirkungen dieser künstlichen Zinspolitik heute seriös prognostizieren können. Zinseinnahmen sind nichts anderes als Schuldentilgungen. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen ist es sinnvoll sich auf Reale Werte zu konzentrieren, oder zumindest in Werte zu diversifizieren, die keine Schulden in sich tragen und somit gar keine Garantieversprechen benötigen.

Zum Autor: Markus Miller ist Gründer des spanischen Medien- und Beratungsunternehmens Geopolitical Biz, dem Betreiber der Informations-, Kommunikations- und Consultingplattform Geopolitical Biz. Er koordiniert als Geschäftsführender Gesellschafter ein internationales Informations- und Kommunikations-Netzwerk von Steuerberatern, Rechtsanwälten, Wirtschafts- und Finanzexperten.

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