IDD-Umsetzung

Makler warnen vor Überregulierung

Unter dem Motto „Finanzberatung 2020: Was will der Kunde? Was will Europa?“ hatte Standard Life zu einer Diskussion mit Experten aus Politik und Verbänden eingeladen. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.
© Commbeo Berlin
Die Teilnehmer der Diskussionsrunde (von links): Manfred Zöllmer (SPD), Norman Wirth (AfW), Axel Kleinlein (BdV), Susanna Karawanskij (Die Linke), Moderator Marc Surminski, Anja Karliczek (CDU), Peter Schwark (GDV) und Thomas Köhne (Institut für Versicherungswirtschaft).

Rund 140 Makler waren der Einladung nach Berlin am 8. September in das Haus der Bundespressekonferenz gefolgt. Schwerpunkt der Diskussion war die anstehende Regulierung der Vermittler – insbesondere die EU-Richtlinie für den Versicherungsvertrieb IDD. Diese muss bis Ende Februar 2018 in deutsches Recht umgesetzt werden.

Das soll zügig geschehen, auch wenn die dazu nötigen delegierten Rechtsakte der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa zum Teil noch gar nicht vorliegen. „Ich gehe davon aus, dass Anhörung und Kabinettsbefassung Ende dieses Jahres stattfinden und die Umsetzung noch vor der Wahl im nächsten Jahr abgeschlossen wird“, sagte Anja Karliczek, Mitglied im Finanzausschuss für die CDU. Die Idee sei, den Grundlagen aus Brüssel zu folgen und eine Minimalumsetzung anzustreben und nicht zu verschärfen.

Minimalumsetzung der IDD angestrebt

„Der Vertrieb steht vor sehr starken Umbrüchen, Sie sollten relativ rechtzeitig wissen, was auf Sie zukommt“, wandte sich Manfred Zöllmer, stellvertretender finanzpolitischer Fraktionssprecher der SPD, an die anwesenden Makler. „Der Kunde soll die Wahl haben, welche Art von Beratung er haben will“, sagte Zöllmer. Ein Provisionsverbot, obgleich laut IDD im Vertrieb auf nationaler Ebene möglich, werde nicht eingeführt. Problem sei die Eiopa, die mit ihren Vorgaben drohe, die in der IDD verabschiedeten Regelungen etwa zur Vergütung ins Gegenteil zu verkehren.

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bunds der Versicherten (BdV), betonte, man werde erst im Februar 2017 wissen, wie die Frage der Interessenkonflikte bei der Vergütung und Produktkonzepten konkret behandelt werden soll. Kleinlein sieht nur zwei Ansätze: Offenlegung der Provision oder Verbot. „Wenn es tatsächlich andere Lösungen geben sollte, müssen sie aktiv entwickelt werden. Abwarten und hoffen wird hier nicht klappen.“

Je nach Produkt greife die IDD nicht immer. Sogenannte Prips (Packaged Retail Investment Products, im Versicherungsmantel verpackte Anlageprodukte) würden anders behandelt. Eine spezielle Regulierung hierzu gelte bereits in knapp vier Monaten, aber immer noch gebe es keine klare Definition, welche Produkte in diese Kategorie fallen. „Ein riesiges Problem für die Versicherungswirtschaft. Jeder schaut in die Glaskugel“, so Kleinlein.

Was sind PRIPS?

„Altersvorsorge-Produkte sind keine Prips. Das ganze Regularium dazu ist nicht passend“, erwiderte Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung beim Versicherungsverband GDV. So stehe der regelmäßige monatliche Beitrag gar nicht im Fokus, bei Prips gehe es eher um Einmalanlagen. „Die Absicherung biometrischer Risiken wird sogar negativ gesehen. Das, was man unter einer BU-Komponente ausgibt, wird unter Prips sogar als Kosten ausgewiesen“, so Schwark. Hier müsse der Gesetzgeber eine klare Abgrenzung treffen.

Norman Wirth, Vorstand des AfW Bundesverbands Finanzdienstleistung, berichtete, dass die meisten Makler die Regulierung der vergangenen Jahre positiv bewerten. Nun drohe aber Überregulierung und ein zu großer administrativer Aufwand. Ein weiterer Punkt: Die IDD lasse Versicherungsvermittlung ohne Beratung zu – ein schwer verständlicher Paradigmenwechsel.

„Der deutsche Gesetzgeber muss überlegen, ob er den Rahmen wirklich so weit öffnen möchte, dass der Abschluss von komplexen Produkten zur Altersvorsorge oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung künftig tatsächlich ohne Beratung möglich sein soll. Am Ende entscheidet der Kunde dann einfach nach Preis“, warnte Wirth.

Status der Honorarberatung umstritten

Susanna Karawanskij, Mitglied im Finanzausschuss für Die Linke, sprach sich für mehr Transparenz bei Vergütung und Vertriebskosten aus. „Wir wissen, dass in der Honorarberatung nicht zwingend das Heil liegt, dennoch wollen wir sie aus der Nische befördern”, so die Oppositionspolitikerin. Nur so könne der mündige Kunde eine Vergleichbarkeit für seine Kaufentscheidung erhalten. Karawanskij will zudem die Verbraucherzentralen weiter stärken.

Ein kritisches Fazit zog der Vertreter der Wissenschaft: „Die IDD ist eine Überregulierung, die allen Beteiligten am Ende Kosten produziert und nicht im Sinne des Verbraucherschutzes wirkt“, so Thomas Köhne, Institut für Versicherungswirtschaft. „Die Eiopa spricht davon, dass provisionsbasierte Vergütung automatisch zu Interessenkonflikten führt. Das halte ich für gefährlich und für falsch. Honorarberatung kann auch zu Interessenkonflikten führen und sollte daher im Sinne eines fairen Wettbewerbs genauso der IDD-Umsetzung unterworfen werden.“
Christian Nuschele, Vertriebschef der Standard Life, ermutigte zum Ende der Veranstaltung die anwesenden Berater dazu, keine Scheu vor mehr Transparenz zu haben. „Wenn der Kunde die Dienstleistung des Beraters und den daraus resultierenden Mehrwert begreift, dann wird er auch bereit sein, dafür zu bezahlen, unabhängig in welchem Vergütungssystem auch immer“, zeigte sich Nuschele überzeugt. Langfristig sei es für einen Makler heute zudem sinnvoll, auf wiederkehrende und nachhaltige Einkünfte zu setzen.

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