Policen für Pop Art

Warum eine Hausratpolice für wertvolle Kunststammlungen nicht ausreicht

Kunstversicherungen springen ein, wenn Gemälde, Skulpturen & Co. beschädigt, zerstört oder gestohlen werden. Wann sich die speziellen Policen lohnen, was sie leisten und wieviel sie kosten, erfahren Sie hier.
© dpa/picture alliance
Eine Besucherin schaut sich das berühmte Bild

Tatort Munch-Museum, Oslo, 22. August 2004, helllichter Tag:  Zwei  bewaffnete  und  maskierte Männer stürmen das Museum, reißen vor den Augen der Besucher die Meisterwerke „Der Schrei“ und „Madonna“ des Malers Edvard Munch von der Wand, bahnen sich ihren Weg nach draußen. Vor dem Gebäude wartet ein Helfer im schwarzen Audi, die Kunstdiebe entkommen.

Ihr Beutewert: rund 100 Millionen Euro. Pech für das Museum: Versichert waren die Kunstwerke nur gegen Feuer- und Wasserschäden – Diebstahl war in der Deckung nicht mit drin. Glück für das Museum: Die Polizei stellte die Werke bei einer Razzia zwei Jahre später sicher.

Private Kunstsammler brauchen sich vor solch spektakulären Diebstählen wohl nur im Ausnahmefall zu fürchten. Bedarf an einer speziellen Versicherung für die Kunstwerke haben sie aber trotzdem. Denn auch zu Hause kann den wertvollen Gemälden, Skulpturen & Co. einiges passieren.

Reicht dafür aber nicht die Hausratversicherung? In der Regel nein: „Die übliche Hausratversicherung deckt nur die im Versicherungsschein explizit genannten Gefahren wie Brand, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und Sturm ab“, sagt Birgit Rolfes, Leiterin der Organisationseinheit Artima der Mannheimer. „Eine Kunstversicherung bietet dagegen einen viel umfangreicheren Schutz.“

Das bestätigt auch Dirk Heinrich, Geschäftsführer Deutschland und Österreich von Axa Art. Kunstversicherungen sind in der Regel als Allgefahrendeckung konzipiert und sichern alle denkbaren Schäden ab, die nicht explizit ausgeschlossen sind, etwa Krieg: „So sind zum Beispiel einfache Beschädigungen – eine Skulptur wird beim Reinigen beschädigt –, einfacher Diebstahl – ein Kunstwerk wurde entwendet, ohne dass Einbruchspuren feststellbar sind – oder Transporte – ein Ölgemälde wird mit einer Kunstspedition zum Restaurator transportiert –
mitversichert.“

Wiederbeschaffungs- oder Restaurierungskosten

Wird etwa ein Gemälde komplett zerstört, bekommen Kunden in der Regel den Wert ersetzt, den der versicherte Gegenstand bei Wiederbeschaffung kostet. Oder es gibt eine zuvor mit dem Kunden vereinbarte feste Summe (Taxe). Ist das Kunstwerk „nur“ beschädigt, zahlen die Versicherer die Restaurierungskosten.

Bedarf an den Produkten gibt es zunehmend, beobachtet Alina Sucker, Leiterin der Produktabteilung „Fine Arts“ bei Hiscox: „Aufgrund der Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre sind Kunstgegenstände mehr und mehr als alternative Anlageform angeschafft worden, was mehr Bedarf nach dem passenden Versicherungsschutz hervorruft“, sagt sie.

Das Marktpotenzial in Deutschland liegt Schätzungen zufolge im unteren dreistelligen Millionenbereich. „Das Marktvolumen an Beiträgen zur Kunstversicherung würde ich bei rund 100 bis 130 Millionen Euro pro Jahr ansetzen“, sagt Eric Wolzenburg, Leiter Kunstversicherung bei Allianz Deutschland.

Ab 100.000 Euro lohnt es sich

Nicht für jeden lohnt sich aber gleich eine spezielle Kunstversicherung. Die Sammlung sollte schon einen bestimmten Mindestwert haben. „Ab einem Sammlungswert von 100.000 Euro empfehlen wir immer, die Absicherung über eine gesonderte Kunstversicherung zu prüfen“, sagt Axa-Art-Mann Heinrich. Die Policen seien dabei deutlich günstiger als häufig angenommen. Bei Axa Art liegt der Einstiegspreis beispielsweise bei 500 Euro für eine Jahrespolice. Bei Hiscox Fine Arts sind es 400 Euro netto für Kunstsammlungen mit einem Wert bis 150.000 Euro.

Um die richtige Versicherungssumme festzustellen, kommen die Mitarbeiter der Versicherer zum Kunden nach Hause und schauen sich die Kunstwerke dort an. Oft handelt es sich dabei um Kunsthistoriker mit einer Zusatzausbildung in Versicherungsdingen. „Unsere Kunst-Underwriter verfügen durchgängig über spezielle Qualifikationen und über Jahre erworbene Expertise“, sagt Allianz-Mann Wolzenburg. Dies sei auch notwendig, weil die Risikoanalyse in der Kunstversicherung einen Bogen von unterschiedlichen Versicherungsnehmern bis zu verschiedensten Objektarten aufspanne – und das sei nur mit Fachwissen zu bewerkstelligen.

Tipps zur Sicherung und Lagerung

Ein weiterer Vorteil des speziell geschulten Personals für den Kunden: Sie können Tipps zur richtigen Sicherung und Lagerung geben. „Unsere Experten beraten etwa im Bereich der optimalen Hängung oder prüfen den Lichteinfall auf das Kunstwerk, da dieser schnell zu Beschädigung und Wertminderung führen kann“, sagt Rolfes von der Mannheimer. Ab gewissen Versicherungssummen verlangt der Versicherer außerdem eine Einbruchmeldeanlage, damit Kunden das Produkt Artima überhaupt abschließen können.

Grundsätzlich beachten sollten Kunstsammler, dass sich der Wert ihrer Kunstwerke im Lauf der Zeit verändert. Daher sollten sie regelmäßig prüfen, ob die Versicherungssumme noch ausreicht. Bei Axa Art etwa finden Neubewertungen bei den alten Meistern alle fünf, bei zeitgenössischer Kunst alle zwei Jahre statt. Hiscox bietet eine automatische Erhöhung von bis zu 25 Prozent der vereinbarten Summe an. „So kann der Kunde seine Sammlung erweitern, ohne sich kurzfristig um den geeigneten Versicherungsschutz zu sorgen“, sagt Sucker. Bei Allianz Art-Privat besteht für Neukäufe und Wertsteigerungen Versicherungsschutz bis zu 20 Prozent über die Gesamtversicherungssumme hinaus.

Art Loss Register soll Bilder schneller wiederbeschaffen helfen

Im Preis enthalten ist bei den Versicherern auch die Mitgliedschaft beim Art Loss Register. 1990 gründeten Auktionshäuser, Kunstinstitutionen und Versicherungen die dahinterstehende Organisation Art Loss. Das Ziel: verschollene Kunstobjekte schneller wiederzufinden. In die Datenbank tragen Versicherer, FBI & Co. verloren gegangene oder gestohlene Kunstwerke ein. Bei jeder Auktion gleichen die Art-Loss-Experten ihre Datenbank mit den angebotenen Kunstwerken ab. So konnten seitdem mehr als 5.500 Werke wiedergefunden werden.

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