Erklärstück

Deswegen führt die Nullzinspolitik zu höheren PKV-Beiträgen

Empörung unter vielen Privatversicherten: 2017 werden die Beiträge wieder teurer. Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de, macht nun aber darauf aufmerksam, dass nicht nur die Versicherer dafür verantwortlich sind. Eigentlicher Hauptverursacher sei die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank.
© KVpro.de
Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de

Zunächst: Ja, es wird teurer für Kunden der Privatkrankenkassen (PKV). Im Schnitt werden sich die Beiträge zum Jahreswechsel wohl um rund 11 Prozent erhöhen. Wer hat aber Schuld daran? Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de, hat für sich den Haupt-Schurken gefunden. Schuld ist vor allem die politisch gewollte Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

PKV-Kunden zahlen mit ihren Beiträgen für lebenslang garantierte Tarifleistungen; darin ist auch die Tarifliche Altersrückstellung (T-AR) enthalten. Junge Leute zahlen deshalb auch noch mehr in die PKV ein, als sie durchschnittlich an Leistungen verbrauchen.

Dieser Mehrbeitrag wird dann zu einem Rechnungszins angelegt. Vor der Unisex-Umstellung im Dezember 2012 lag der Rechnungszins standardmäßig noch bei den gesetzlich vorgeschriebenen 3,5 Prozent. Danach gab es vielerorts bereits einen reduzierten Rechnungszins von durchschnittlich 2,75 Prozent. Das ist der eine Baustein.

Der andere: „In der Vergangenheit haben die PKV-Versicherer über Jahrzehnte hinweg mehr als 3,5 Prozent Zinsen einnehmen können – und zwar aus ihren gesamten Kapitaleinlagen. Diese Zinseinkünfte nennt man Nettoverzinsung“, so Güssler. Die Differenz zwischen Nettoverzinsung und Rechnungszins nennt sich Überzins. 90 Prozent muss der Versicherer dem Kollektiv zur Verfügung stellen, um die Beiträge zu stabilisieren.

Und jetzt das Problem: Dieser Überzins fällt langsam aus, und der Rechnungszins nicht mehr erreicht werden kann. Daraus ergibt sich also, dass der eigentliche Übeltäter der höheren Kosten ab Januar eben diese politisch gewollte Nullzinspolitik ist, findet Güssler.

„Das politisch gewollte Fehlen von Zinsen hat die PKV nicht zu verantworten. Die Beitragsanpassungen wegen Anspringen der sogenannten auslösenden Faktoren aus Leistung und Sterbetafel sind bei weitem nicht so hoch, wie die Beitragserhöhungen aus fehlenden Zinsen“, sagt der Experte.

Die Folge: „Der kalkulatorische Rechungszins wird künftig nach Auslaufen der langfristigen Kapitalanlagen bei allen PKV-Unternehmen – weil nicht mehr erreichbar – unter 3,5 Prozent gesenkt werden müssen. Dadurch steigt der Tarifbeitrag“, sagt Güssler weiter.

Der Experte sieht die Gefahr, dass PKV-Gegner oder bestimmte Politiker sich die Beitragsanpassungen jetzt, vor der Bundestagswahl, zur Stimmungsmache gegenüber Unwissenden zunutze machen könnten, um gegen das „grundsätzlich funktionierende System PKV“ anzugehen.

Güssler: „Nicht verschweigen dürften die Gegner und Politiker dabei, dass die GKV 2017 den Beitrag um 5,3 Prozent auf 805 Euro erhöhen wird und der individuelle Zusatzbeitrag den GKV-Beitrag weiter beeinflussen wird. Hinzu kommt, dass die Leistungen der GKV – im Gegensatz zur PKV – nicht garantiert sind.“

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