Lebensversicherer und der neue Garantiezins

Mehr Kapitalmarkt wagen

Der Garantiezins fällt weiter, die Assekuranz reagiert mit neuen sicherheitsorientierten Produkten. Doch in vielen Fällen können Kapitalanleger und auch Vorsorgesparer auf eine Garantie verzichten.
© Getty Images
Die Produkte mit Garantien werden im klassischen Lebensversicherungsgeschäft immer teurer. Die investmentorientierten Produkte bieten hingegen die Chance, gute Renditen zu erwirtschaften.

Das neue Jahr startet üblicherweise mit Sekt, einem Feuerwerk und vielen guten Wünschen. Die Versicherungswirtschaft hingegen beginnt 2017 mit der erneuten Senkung des Höchstrechnungszinses in der Lebensversicherung. Ab 1. Januar werden für Neukunden statt 1,25 nur noch 0,9 Prozent Zins garantiert.

Die anhaltende Niedrigzinsphase macht es Versicherern immer schwerer, ihre einst zugesagten Leistungen auch tatsächlich zu erwirtschaften. „Das klassische deutsche Lebensversicherungsprodukt wird sich nicht mehr auf Dauer halten. An gute Renditen ist aufgrund der laufenden Garantien nicht zu denken. Darüber hinaus wird aufgrund der Berechnungsmethodik für die Höchstverzinsung, diese noch auf Jahre niedrig bleiben“, sagt Johanna Bröcker, Leiterin Produktentwicklung bei Standard Life.

Garantien schwer zu finanzieren

Doch auch niedrigere Garantien seien im anhaltenden Zinsumfeld nur schwer zu finanzieren. Problem für Neukunden: „Ein Versicherer investiert alle klassischen Produkte in den gleichen Deckungsstock, das heißt Neukunden teilen die Geldanlage mit Kunden, die bis zu 4 Prozent Garantieverzinsung haben. Das Investment kann also nicht auf die individuelle Garantiehöhe abgestimmt werden und Garantien werden von den Erträgen zuerst bedient“, so Bröcker.

Folgerichtig wenden sich Kunden und Versicherer zunehmend ab. Laut Angaben des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) setzen bereits 40 Prozent der Versicherer nicht mehr auf die Klassik und haben den Vertrieb dieser Produkte mehr oder weniger eingestellt. Als Ersatz ist der Bereich der neuen Klassik oder „Klassik Plus“ entstanden. Darunter versteht man Produkte mit verminderten Garantien, zum Beispiel endfälligen Bruttobeitragsgarantien und/oder einem verminderten Garantiezins. Die gemeinsame Klammer bildet eine lebenslange Mindestrente.

Viele Tarife sehen vor, bei Berechnung der endgültigen Höhe der Rentenzahlung die künftigen bei Rentenbeginn gültigen Rechnungsgrundlagen zu verwenden. „Im derzeitigen Umfeld ist jede Art von Garantie sehr teuer. Unterm Strich können Kunden bei den Produkten der neuen Klassik häufig kaum noch Renditen erwarten. Außerdem sind die Produkte sehr komplex“, kritisiert die Produktentwicklungsexpertin von Standard Life. Kunden verstünden hier häufig nicht, welche Performance-Chancen, Kosten und Garantien sie tatsächlich haben.

Kapitalerhalt reicht nicht

Um mehr als nur Kapitalerhalt und ausreichend Rendite für die Altersvorsorge zu erwirtschaften, führt künftig kein Weg an Aktien, Sachwerten und fondgebundene Policen vorbei. Das Schöne: Über lange Laufzeiten ab 15 Jahren relativieren sich viele Risiken am Kapitalmarkt deutlich.

„Produkte mit Garantie halte ich dann noch für geeignet, wenn der Anlagehorizont relativ kurz und der Kunde auf ein planbares Einkommen angewiesen ist“, sagt Bröcker. In allen anderen Fällen seien sie zu teuer. Mit fallenden Zinsen würden die Kosten für die Garantie steigen, der Kunde bezahle diese virtuell mit entgangenen Gewinnen. Doch das müssen Berater dem sicherheitsorientierten Kunden erst einmal begreiflich machen.

Tipp zum Jahresende: Fokus auf die Wiederanlage

Standard Life verzichtet bereits seit längerem konsequent auf Garantien in der Altersvorsorge und hat entsprechende Produkte entwickelt. Etwa die Park Allee, eine fondsgebundene Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag, die ohne Garantie, dafür mit einem engmaschigen Risikomanagement konzipiert ist.

Darüber hinaus legt Standard Life viel Wert auf Beratungsqualität und verständliche Kundeninformationen. Im Jahresendgeschäft jetzt noch schnell die Lebensversicherungen mit altem Garantiezins anzupreisen, ist kein Thema. Dennoch hat auch der britische Versicherer einen Rat für Makler zum Jahresende. „Es werden Riesensummen an ablaufenden Verträgen fällig, die vor der Steueränderung 2005 mit der Mindestlaufzeit von zwölf Jahren abgeschlossen wurden“, sagt Johanna Bröcker. Diese Kunden seien meist noch lange nicht im Rentenalter und haben nun Beratungsbedarf. Gute Chancen also für versierte Berater mit einer innovativen Produktpalette an Investmentprodukten.

Mehr zum Thema

„Ohne Monitoring lebt schlechte Regulierung fort bis zum jüngsten Tag“

Pfefferminzia: Ist der deutsche Versicherungsmarkt überreguliert? Hato Schmeiser: In der Versicherungsindustrie haben wir nach der…

Wie Makler ihr Unternehmen digitalisieren können

Ein wachsender Teil des Lebens spielt sich heute in der digitalen Welt ab. Ob Online-Shopping…

85 Prozent der jungen Menschen legen monatlich Geld zurück

Eine aktuelle Online-Umfrage der Deutschen Bank zeigt: Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14…

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia